Sport : Er sieht aus wie Mainz 05

Christian Heidel ist mittlerweile der dienstälteste Manager der Bundesliga.

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Der ewige Manager. Christian Heidel ist seit über 20 Jahren bei Mainz 05. Foto: dapd Foto: dapd
Der ewige Manager. Christian Heidel ist seit über 20 Jahren bei Mainz 05. Foto: dapdFoto: dapd

Christian Heidel war 26 Jahre alt, als er erstmals mit den Verantwortlichen von Mainz 05 ins Gespräch kam. Ende April 1990 kaufte der damalige Geschäftsführer eines örtlichen Autohauses die Fußball-Oberligapartie gegen den FSV Saarwellingen komplett auf – für 15 000 Mark. Ins Bruchwegstadion strömten 6000 Zuschauer, ansonsten kamen nur etwa 1000. Das Volksfest, der „Volltreffer“, wie Heidel sagt, machte bundesweit Schlagzeilen. Drei Tage später kam die Anfrage von Mainz 05, ob er nicht mitmachen wolle. Er lehnte ab. Erst 1991 wurde Heidel in den Vorstand gewählt, seit 1. April 1992 ist er Leiter der Lizenzspielerabteilung. Heute heißt das Manager, und der ehemalige Libero, dessen sportliches Betätigungsfeld nie höher als Bezirksliga war, ist mittlerweile Dienstältester in der Bundesliga.

Heidel ist das Gesicht von Mainz 05. Und nicht nur Manager, sondern auch Vordenker des Klubs. Ohne ihn würde es die neue Arena nicht geben, ohne ihn wären die Trainerkarrieren von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel nicht so frühzeitig schwungvoll in Gang gekommen. Er hat 740 Mainzer Spiele im Stadion verfolgt, in 20 Jahren nur sechs verpasst, zwei Aufstiege in die Bundesliga und einen Abstieg erlebt, elf Trainer verpflichtet. Die Glücksgriffe heißen Wolfgang Frank (1995), Klopp (2001) und Tuchel (2009), die schlimmsten Fehlgriffe waren Reinhard Saftig und der taktisch orientierungslose Belgier René Vandereycken.

„Ich werde mich nie mit Uli Hoeneß vergleichen wollen oder können“, sagt Heidel. „Das ist eine völlig andere Welt.“ Was beide eint: antipopulistische Entscheidungen. So hat Heidel Saftig bereits nach vier Spieltagen der Saison 1997/98 geschasst; Eckhard Krautzun musste nach neun Partien mit nur sechs Punkten gehen (2000/01). Der Manager beurlaubte den militaristisch angehauchten Krautzun („Wir müssen die Gurte am Helm enger schnallen, der nächste Schlag in der Schlacht kommt bestimmt“) – und machte Klopp vom (verletzten) Spieler zum Trainer. „Heute sagt jeder: Klar, Klopp. Aber damals haben die Journalisten eine andere Entscheidung erwartet.“

Ein Problem in dieser Zeit der knappen Kasse: die Verpflichtung neuer Profis. „Christian und ich haben deshalb eine Art der Gesprächsführung entwickelt, bei der sich ein Spieler gar nicht mehr gegen Mainz 05 entscheiden konnte, weil er gedacht hat, er wechselt zu Real Madrid“, sagte Klopp einmal dazu.

Vehement wettert Heidel gegen die von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff angeregte Manager-Lizenz („Das ist purer Unsinn“), verteidigt seine Treue („Ich hatte nie das Gefühl, den Verein wechseln zu müssen.“) und möchte, dass die 05-Angestellten auch „100-prozentige Fans sind“. Einen wirklichen Rückschlag erlebte der als einer der bundesweit besten Kenner kniffliger Transferdetails bekannte Heidel nur einmal. Im Herbst 2000 trat er zurück, nachdem sein Sohn von einem Unbekannten von der Schule abgefangen worden war und sich anhören musste, was der Vater alles falsch gemacht habe. Zwei Monate dauerte die Abstinenz, und im Klub ging es drunter und drüber. Dann kam er zurück. Und aus der grauen Maus der Zweiten Liga wurde ein bunter Bundesligist.

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