FC Bayern München : Thiago Alcantara und die Rotation

Beim FC Bayern München müssen sich viele Spieler auf Veränderungen einstellen, weil Trainer Josep Guardiola auf Wunschspieler Thiago Alcantara setzt. Besonders Bastian Schweinsteiger und Javi Martinez haben Grund zur Sorge.

Eliasbeth Schlammerl
Viel Spielfreude fürs Geld. Thiago Alcantara kam für 25 Millionen Euro aus Barcelona.
Viel Spielfreude fürs Geld. Thiago Alcantara kam für 25 Millionen Euro aus Barcelona.Foto: afp

Pep Guardiola hat ganz schön geflunkert bei seinem Dienstantritt in München. Seinerzeit war von „kleinen Veränderungen“ die Rede, die er beim FC Bayern vornehmen wolle. Vier Wochen später scheint nun allerdings nichts mehr so zu sein wie unter seinem Vorgänger Jupp Heynckes. Guardiola wechselt ständig Systeme und Positionen – als hätte der Triple-Sieger dringend eine Runderneuerung nötig.

Es gibt nicht viele Spieler, die heute wissen, wo sie morgen spielen, manchmal nicht einmal, wo sie der Trainer in der zweiten Halbzeit hinstellt. Die bei Bayern durchaus schon in früheren Jahren übliche Rotation bekommt somit eine ganz neue Bedeutung. Immerhin darf Manuel Neuer einigermaßen sicher sein, auch unter dem Katalanen im Tor zu stehen. Und davor ist Thiago Alcantara do Nascimento auf dem Weg, die Neuausrichtung des Bayern-Spiels zu lenken. Das geht wohl am besten auf der Sechser-Position.

Der Spanier hatte bei einem Vorbereitungsturnier am vergangenen Wochenende vor der Viererkette agiert und wird dort wohl auch an diesem Mittwochabend auflaufen, wenn er beim von den Bayern ausgelobten Uli-Hoeneß- Cup auf seine ehemaligen Teamkollegen vom FC Barcelona trifft. Für Thiago ist das Duell mit dem spanischen Meister trotz fehlender sportlicher Brisanz kein normales. Das lässt sein rührender Abschiedsbrief an die Katalanen erahnen, den er via Twitter veröffentlichte. „Barca und die Leute dort haben mir alles gegeben, sie haben mich wachsen und reifen lassen und haben mich die guten und schlechten Seiten des Lebens gelehrt.“

Thiago soll vormachen, wie es der neue Bayern-Trainer gerne hätte. Der 22-Jährige, für den Barcelona insgesamt 25 Millionen Euro einnimmt, hat schon in Barcelonas Nachwuchsmannschaft unter Guardiola gespielt. „Ich habe in meiner Laufbahn noch keinen vergleichbaren Trainer getroffen“, sagt Thiago. Entsprechend gut kennt er die Philosophie Guardiolas, in der es immer um schnelle Balleroberung geht und darum, den Gegner durch blitzschnelles Kurzpassspiel schwindelig zu spielen. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sagte auf der Vereinshomepage: „Er besitzt ein extrem hohes technisches Niveau, taktisch hat er die Dinge verinnerlicht, auch durch den Fakt, dass er schon mit Pep zusammengearbeitet hat.“ Er ist überzeugt: „Thiago ist ein Spieler, an dem wir noch viel Freude haben werden.“

Bastian Schweinsteiger und Javier Martinez werden Thiagos Wirken mit Interesse verfolgen – und womöglich auch mit Sorge

Der nach einer Sprunggelenksoperation noch im Aufbautraining befindliche Bastian Schweinsteiger und der gerade vom verlängerten Confed-Cup-Urlaub zurückgekehrte Javier Martinez, die sich in der vergangenen Saison die Aufgabe im defensiven Mittelfeld teilten, werden Thiagos Wirken mit Interesse verfolgen – und womöglich auch mit Sorge. Denn beide müssen sich neu orientieren: Martinez wohl mehr nach hinten, da Guardiola mit ihm als Innenverteidiger planen soll. Schweinsteiger wird seinen Platz im Mittelfeld finden – an der Seite von Thiago. Die Chefrolle muss er künftig wohl mit Guardiolas Schlüsselspieler teilen.

In Mönchengladbach war die bayerische Neuerwerbung der Stratege, das Herzstück. Er spielte glänzende Vertikalpässe, bewies schon nach wenigen Trainingstagen ein hervorragendes Gespür für die Laufwege der Kollegen – und erzielte zudem sein erstes Tor für den Triple-Sieger. „Man kann erkennen, was er für großartige Fähigkeiten hat“, sagt der Sportverstand der Bayern, Matthias Sammer, nach dem Debüt des U21-Weltmeisters. Das gilt nicht nur als Ballverteiler vor der Abwehr. Guardiola hatte auch deshalb auf die Verpflichtung Thiagos gedrängt, weil der jede Position spielen kann im zentralen Mittelfeld. Dank der Ausbildung in der Barca-Schule und bei Guardiola.


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