Frankfurt - Mainz 1:3 : Mainz feiert Premierensieg am Main

Wenn Serien reißen. Mainz gewinnt erstmals in Frankfurt. Das 1:3 ist für die Eintracht die erste Heimniederlage seit dem Wiederaufstieg 2012.

Der Mainzer Shawn Parker (unten) jubelt nach seinem Treffer zum 0:2 mit Andreas Ivanschitz (2.v.r.) und den Teamkameraden.
Der Mainzer Shawn Parker (unten) jubelt nach seinem Treffer zum 0:2 mit Andreas Ivanschitz (2.v.r.) und den Teamkameraden.Foto: dapd

Der kleine Nachbar Mainz 05 hat Eintracht Frankfurt im Rhein-Main-Derby den bittersten Abend dieser bislang so erfolgreichen Bundesliga-Saison beschert. Der Außenseiter gewann am Dienstag mit 3:1 (2:0) in der Commerzbank-Arena und beendete damit gleich zwei stolze Serien: Für die Eintracht war es die erste Heimniederlage seit dem Wiederaufstieg, für die defensivstarken Mainzer der erste Sieg überhaupt am Main. Nach den Toren durch Andreas Ivanschitz (18.), Startelf-Debütant Shawn Parker (42.) und Nikolce Noveski (52.) kam der Frankfurter Anschlusstreffer durch das Eigentor des Mainzers Adam Szalai (55.) zu spät. „Das war erste Sahne. FÜr die Fans ist das sicherlich ein besonderer Sieg“, lobte der Mainzer Präsident Harald Strutz. „Selbst die Frankfurter haben gesagt: So clever wie wir - das hat hier noch keiner geschafft.“ Passend zur ersten Liga-Pleite zuhause handelten sich bei der Eintracht Kapitän Pirmin Schwegler und der beste Innenverteidiger Carlos Zambrano auch noch die jeweils fünfte gelbe Karte ein und fehlen jetzt am Freitag in Düsseldorf. Auf Mainzer Seite kassierte Julian Baumgartlinger (88.) völlig unnötig die Gelb-Rote Karte.

„Eine verdiente Niederlage. Wir haben schlecht gespielt“, schimpfte Frankfurts diesmal blasser Torjäger Alexander Meier. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen forderte: „Jetzt müssen wir zeigen, dass wir gefestigt sind.“ Mit der Brisanz der Frankfurter Nachbarschaftsduelle mit den Offenbacher Kickers oder dem 1. FC Kaiserslautern hatte dieses Derby nur wenig zu tun - es war eine unterhaltsame Partie ohne spielerische Glanzlichter. Für Eintrachts 17 Jahre jungen Marc-Oliver Kempf war die Bundesliga-Premiere trotz der Niederlage ein unvergesslicher Abend. Der Abiturient, der wegen der Schule vormittags gar nicht trainieren kann, musste in der Innenverteidigung die verletzten Anderson und Vadim Demidov ersetzen und machte seine Sache gut.
Frankfurts Trainer Armin Veh hatte Vollgas-Fußball gefordert, aber der stotterte gewaltig. Mit gewohnt aggressiver Zweikampfführung, hoher Laufbereitschaft und diszipliniertem Defensivverhalten blieben sich die Mainzer auch nach dem kräftezehrenden 1:2 gegen Dortmund treu und setzten den Gastgebern sichtlich zu. Die Eintracht leistete sich dadurch überraschend viele Denk-, Abspiel- und Stellungsfehler.
Vor allem Parker, der bei den 05ern erstmals in der Startelf stand und erst zum zweiten Mal überhaupt zum Einsatz kam, bewies eine bemerkenswerte Stressresistenz und viel Mut. Seine erster Schuss ging noch knapp vorbei (12.), das 1:0 durch Ivanschitz sechs Minuten später leitete der geborene Wiesbadener mit amerikanischem Vater dann mit einer feinen Hereingabe von rechts glänzend vor. Die Eintracht suchte dagegen verzweifelt ihren Rhythmus, Meier hing völlig in der Luft. Ein Fast-Eigentor des Mainzers Bo Svensson (20.) war die einzige Chance der Hessen vor der Pause. Dafür war Parker umso aktiver. Seit 2005 in der Mainzer Jugend, erhöhte der Nobody in der 42. Minute frech auf 2:0.
Und Parker zauberte weiter. Nach einem Traumpass von Elkin Soto setzte das Sturmtalent den Ball aus sieben Meter nur an die Latte (47.). Die Eintracht schien völlig von der Rolle. Noveski durfte nach einer Ecke sogar völlig frei das 3:0 (52.) köpfen. Derart unsanft geweckt, erwachten bei den Frankfurtern endlich die Lebensgeister. Ausgerechnet Torjäger Szalai gab der jetzt aufopferungsvoll kämpfenden Veh-Truppe durch sein Eigentor (55.) neue Hoffnung. Nacheinander vergaben Stefan Aigner (62.) und Sebastian Rode (64.) gute Möglichkeiten zum Anschlusstreffer, aber der FSV rettete den zweiten Auswärtssieg dieser Saison über die Zeit und schaffte mit jetzt 20 Punkten den Anschluss an die Europa League-Plätze. (dpa)

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