Kolumne Berliner Fußball : TeBe: Egal welche Liga, egal was passiert

Für Tennis Borussia wird es langsam Zeit für die Rückkehr in den überregionalen Fußball. Sportlich läuft es im dritten Berlin-Liga-Jahr immer besser – und die Fans werden vor lauter Fernweh schon kreativ. Am Samstag steigt für die Veilchen ein zukunftsweisendes Spitzenspiel.

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Abklatschen. TeBe steht auf dem zweiten Platz der Berlin-Liga
Abklatschen. TeBe steht auf dem zweiten Platz der Berlin-LigaFoto: Ian Stenhouse/No Dice Magazine

Tennis Borussia Berlin spielt mittlerweile das dritte Jahr in Folge in der Berlin-Liga, der sechsthöchsten Spielklasse. Viele TeBe-Fans können sich noch an glorreiche Zeiten in der Zweiten Liga, manche sogar an die Bundesliga erinnern und allgemein hat man das Gefühl, dass es für den Verein aus dem Mommsenstadion so langsam wieder Zeit für überregionalen Fußball wäre. Aber keine Eile. „Scheiß egal welche Liga, scheiß egal was passiert”, singen die TeBe Fans gern – und bis es mit dem Aufstieg klappt, finden sie eigene Lösungen gegen das Fernweh.

Zum Beispiel im Oktober letzten Jahres. Für das Auswärtsspiel gegen Stern 1900 mietete eine Gruppe TeBe-Fans einen Reisebus. Stern 1900 spielt wohlgemerkt in Berlin-Steglitz, rund fünf Kilometer Luftlinie bzw. sechs Bahnstationen vom Mommsenstadion entfernt. Der lila-weiße Trupp fuhr aber mit einer großen Ladung Bier an Bord zunächst nach Wittenberge in Brandenburg, um ein paar Kumpels abzuholen und endlich mal wieder das echte Auswährtsfahrer-Gefühl zu bekommen. Dann kehrten sie selig zum Spiel in Berlin in zurück, wo sie eine 0:1-Niederlage ihrer Mannschaft sowie zwei Platzverweise gegen Tebe-Spieler zu sehen bekamen.

Es war eine sehr undisziplinierte Leistung der Mannschaft und die Niederlage war verdient. Der Aufstieg schien schon wieder außer Reichweite, noch ein Jahr ohne richtige Auswärtsspiele. Egal welche Liga, egal was passiert.

TeBe ist seit Anfang November ungeschlagen

Doch seit diesem Tag im Oktober hat sich etwas geändert: TeBe ist mittlerweile seit Anfang November ungeschlagen und steht auf dem zweiten Platz der Berlin-Liga – sechs Punkte hinter dem Tabellenführer und ewigen Aufstiegsfavoriten Hertha 03 Zehlendorf. Ein Hauptgrund für die positive Serie ist, dass TeBe es geschafft hat, die Partien mit elf Spielern auf dem Platz zu beenden. „Ich habe viel mit der Mannschaft gesprochen, mit ein-zwei Spielern ganz besonders, und ich habe gesagt, dass wir uns mit Unsportlichkeiten unnötig selbst schwächen“, sagt TeBe Trainer Markus Schatte. „Man muss die Grenze kennen und sie nicht überschreiten.“

In den folgenden fünf Punktspielen nach diesen Gesprächen gab es vier Siege und ein Unentschieden, dazu eine Tordifferenz von 17:3 für TeBe – und keine rote Karten. Disziplin ist wichtig.

Die Hoffnung der Fans auf ein Ende der Sechstliga-Zugehörigkeit steigt also wieder. Auch im Berliner Pokalwettbewerb ist TeBe noch dabei, im Viertelfinale geht es am 19. März als klarer Außenseiter gegen Regionalligist Berliner AK.

Was ist also Schattes Priorität? „Mit dem Pokal muss man realistisch sein“ sagt der erfahrene Coach. „Man will immer eine Runde weiterkommen, aber es gibt so starke Mannschaften in dem Wettbewerb. Die haben zu viel Qualität im Vergleich zu uns.“ Also sind die Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg die Priorität? „Wir haben am Anfang der Saison gar nicht mit der Meisterschaft gerechnet – wir wollten uns eigentlich konsolidieren und im ersten Drittel landen“, erklärt der 57-jährige Lehrer. „Jetzt sind wir sechs Punkte von Hertha Zehlendorf entfernt, aber das ist nur eine Momentaufnahme. Es kann sich alles schnell verändern.“

In der Tat, und zwar schon am Samtag. Denn dann treffen Hertha 03 und TeBe in Zehlendorf aufeinander (14.00 Uhr, Ernst-Reuter-Sportfeld), ein Berliner Klassiker und ein echtes Spitzenspiel. Es werden (wie immer) viele TeBe-Fans dabei sein – und auch viele, die einfach zwei bekannte alte Namen inmitten in einer positiven Serie sehen wollen. „Die Spiele gegen Hertha Zehlendorf in den letzten zwei Jahren haben dem Publikum viel Spaß gemacht. Das waren immer spannende Spiele“, sagt Schatte.

Hertha Zehlendorf wird ohne Toptorschütze Rene Robben antreten, TeBe muss auf seinen zweitbesten Goalgetter Hamdi Chamkhi verzichten, der im Pokalspiel gegen Hürtürkel eine sehr fragwürdige Gelb-Rote Karte gesehen hatte.

Tebe-Trainer Schatte erwartet „ein sehr enges und emotionales Spiel“. Und dass seine Spieler ihre Emotionen unter Kontrolle halten müssen, wissen sie ja jetzt. Wenn ihnen das gelingt, dürfen die Fans vielleicht schon bald wieder auf richtige Auswärtsreisen gehen.

Der Autor: Stephen Glennon kommt aus Irland, lebt seit 2005 in Berlin und ist Mitgründer des englischsprachigen Berliner Fußballmagazins No Dice.  Für den Tagesspiegel schreibt Glennon immer freitags über den Berliner Fußball. Bilder und Spielberichte von „No Dice” auf Facebook.

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