Manchester United : DHL neuer Sponsor auf dem Trainingstrikot

Der Paketdienstleister DHL zahlt Manchester United 46 Millionen Euro, um auf dem Trainingstrikot werben zu dürfen – ein neuer Trend.

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Für die einen ist es eine Trainingseinheit. Für die anderen der längste Werbespot der Welt. Auf Wayne Rooneys Trainingsjäckchen prangt künftig ein Sponsorenlogo.
Für die einen ist es eine Trainingseinheit. Für die anderen der längste Werbespot der Welt. Auf Wayne Rooneys Trainingsjäckchen...Foto: afp

Berlin - Wayne Rooney, Kreuzbandriss! Ein Schock für Millionen Fußballfans. Die Bilder des Starstürmers von Manchester United, wie er sich auf dem Rasen des Trainingsplatzes vor Schmerzen krümmt, gehen binnen weniger Stunden um die Welt. Mit auf den Bildern ist stets dabei: das Sponsorenlogo auf Rooneys Trainingstrikot. Auch wenn dieser Anlass ebenso zynisch wie frei erfunden ist, wäre dies eine attraktive Art für ein Unternehmen, sich weltweit medial zu präsentieren.

Aus ähnlichen Überlegungen heraus zahlt der Paketdienstleister DHL, eine Tochter der Deutschen Post, 46 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren an Manchester United. Für das Geld darf sich DHL nicht nur wie bisher offizieller Logistikpartner (man könnte auch sagen: Briefträger) des Vereins nennen, sondern auch, und das ist neu, den eigenen Schriftzug auf das Trainingstrikot flocken. Ein Beispiel, das Schule machen könnte im europäischen Fußball.

„ManU ist nicht einfach nur ein Fußballverein aus England, sondern hat 330 Millionen Fans weltweit, über die Saison betrachtet schaut eine Milliarde Menschen bei den Spielen zu“, begründet DHL-Sprecher Claus Korfmacher den Werbedeal. DHL sponsert auch die Formel 1 und die Rugby-WM. Man sei zwar ein in Deutschland eingetragenes Unternehmen, agiere aber weltweit. „ManU ist vor allem in Asien beliebt“, sagt Korfmacher. Genau dort will man künftig stärker Fuß fassen.

Um diese Art von globaler Aufmerksamkeit zu erhalten, muss man als Unternehmen nicht einmal auf das eigentliche Trikot; das ist bei Manchester von der Aon Corporation besetzt, die dafür 90 Millionen Euro in vier Jahren zahlt. Für den Werbeeffekt reicht bei einem Weltklub wie United auch das Trainingstrikot. „Die Fernsehübertragungen beginnen nicht erst mit dem Anpfiff, man sieht das Trainingstrikot beim Aufwärmen“, sagt Korfmacher. Dazu habe „Manchester United auch Präsenz ohne Spiele, gerade über das Internet verbreiten sich Bilder vom Training schnell, speziell in Asien.“

Ein Gedankengang, der so logisch wie revolutionär ist. „Sie betreiben Pionierarbeit in Europa“, sagt Philipp Kupfer, Fußballexperte der Agentur Sport+Markt, die Sponsoren berät. Kupfer glaubt, dass diese Form von Sponsoring ein Trend sein könnte. Man müsse zwar bestehende Verträge beachten, die den Haupttrikotsponsoren meist Exklusivität zusichern. Aber „kurzfristig kann das auch für Branchenführer wie Real Madrid, den FC Barcelona oder auch Bayern München interessant werden, langfristig auch für kleinere Vereine“, sagt Kupfer. Vor allem für Unternehmen, die weltweit operieren, kann eine Zusammenarbeit mit den Global Playern der Fußballwelt Imagegewinne bescheren.

Klubs wie in Spanien Atletico Madrid, Villarreal und Valencia, von der Strahlkraft Reals oder Barcelonas in den Schatten gestellt, suchen vergeblich nach einem Sponsor für das normale Trikot. Auf den ersten Blick scheint die Schere im Weltfußball zwischen arm und reich weiter auseinander zu klaffen.

In der Bundesliga hat Bayer Leverkusen erst kurz vor dem Saisonstart einen Trikotsponsor gefunden. „Leverkusen hat nur taktiert, bis das richtige Angebot kommt“, glaubt Kupfer. Auch für kleinere Klubs finden sich Sponsoren: lokale, regionale oder ausländische, die in Deutschland bekannt werden wollen. „Man siehe nur die steigende Zahl von Solarunternehmen, die in die Bundesliga drängen“, sagt Kupfer. Dennoch hat die Liga gegenüber Spanien und England Nachholbedarf in Sachen Bekanntheit in Asien, den USA oder Südamerika. „Da würden Auslandsreisen oder Leistungsträger aus diesen Ländern helfen“, sagt Kupfer. Doch kleinen Klubs werden wohl immer Grenzen gesetzt bleiben. Wenn sich etwa Sascha Mölders, Stürmer des FC Augsburg, im Training das Kreuzband reißen würde, gäbe es wohl nur in regionalen Zeitungen und Fernsehsendern Bilder davon zu sehen.

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