Sport : Theofanis von Arabien

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Tore können im Fußball verhängnisvoll sein. Vor allem wenn sie nicht fallen wollen, wie bei Eintracht Frankfurt in der Rückrunde 2010/11. Seit mehr als zehn Stunden wartet Frankfurt auf einen Torschrei, das ist wie sieben Tatort-Krimis ohne Leiche. Als die Eintracht Ende Dezember zuletzt traf, regierten Ben Ali und Mubarak noch ungefährdet in Tunesien respektive Ägypten. Was die Psyche aus torlosen Fußballern machen kann, war am Sonntag gegen Stuttgart zu besichtigen: 26 Torschüsse aus teils bester Lage gingen überall hin, nur nicht ins Tor.

Tore können aber auch verhängnisvoll sein, wenn sie fallen. 24 Mal traf Frankfurt in der Hinrunde, 14 Mal hieß der Torschütze Theofanis Gekas, am Ende hatte Frankfurt so viele Punkte geholt wie seit der Hinrunde 1993/94 nicht mehr. Die Tore hatten aber vieles verdeckt: die zwischenmenschlichen Spannungen im Team, die Formkrisen vieler Spieler und vor allem die verkümmerte Spielkultur. Im Jahr eins unter Trainer Michael Skibbe hatte Frankfurt in der Post-Funkel-Ära zum Kombinationsfußball zurückgefunden. Im Jahr zwei wurde die Fußball-Revolution abgesagt; stattdessen wurden nur noch lange Bälle auf Gekas geschlagen. Solange der Grieche traf, ging das gut. Doch nicht ein Spiel wurde gewonnen, wenn er leer ausging. Und in diesem Falle spielt ein Gekas-Gefolge praktisch nur zu zehnt.

Noch verhängnisvoller war, dass Gekas’ Tore in Frankfurt viele blendeten. Spieler wie Ochs und Schwegler, die im Angesicht des Erfolges plötzlich mehr Gehalt forderten und mit Wechseln kokettierten. Und die Verantwortlichen, die im Winter den Kader ausdünnten, gerade im Sturm, wo nun Alternativen fehlen.

Nun droht der Abstieg. Und wie schwer es der Mannschaft fällt, zu demokratischen Offensivstrukturen zurückzukehren, ist derzeit so offenkundig wie schockierend. Krisen sind aber auch manchmal gut, um sich aus der Abhängigkeit von einer Person zu befreien. Siehe Arabien.

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