Volleyball : Der Kosten-Nutzen-Rechner

In unserer Serie stellen wir Menschen vor, die aus den unterschiedlichsten Gründen in den Sport investieren – und beleuchten ihre Motive. Zum Abschluss: Der Apotheker Günter Krivec. Für Moers’ Klubchef Günter Krivec hilft Volleyball vor allem seiner Apotheke.

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Diese letzten Meter, diese Dynamik, mit der Verena Sailer ihren Oberkörper nach vorne warf, mit der sie mit einem Wimpernschlag Vorsprung 100-Meter-Europameisterin wurde, dazu dieser Jubel im Stadion; als er das alles auf der Tribüne miterlebte, da wusste Günter Krivec: Es hat sich gelohnt. Gut, dass er nach Barcelona zur Leichtathletik-EM geflogen war. Leichtathletik, das ist seine Welt. „Unglaublich spannend und attraktiv.“ Unvergleichlich einfach.

Günter Krivec, Präsident des Volleyball-Bundesligisten Moerser SC, Trainer eines Volleyball-Jugendteams, Chef von 30 Volleyballmannschaften, sagt fast empört: „Nie würde ich zum Volleyball-Bundesligaspiel Düren - Wuppertal gehen. Das ist nicht attraktiv genug.“

Krivec war mal ein sehr guter Dreispringer, Leichtathletik, das ist für ihn Liebe. Volleyball, das ist für ihn eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Für den Apotheker Krivec ist sie das, genau gesagt. Krivec pumpt seit vielen Jahren Jahren Geld in den Moerser SC, 20 Prozent des Etats bestreitet er, und als in den 90er Jahren TV-Gelder ausblieben und in der Kasse ein Riesenloch war, da bürgte Krivec für einen Kredit über eine Million Mark.

Der 68-Jährige ist nur einer von vier Hauptsponsoren, aber er hat vor 25 Jahren die Volleyball-Abteilung des Moerser Turnvereins aufgebaut und Volleyball dann im Moerser SC zu einem sportlichen Unternehmen aufgebaut, mit jetzt 30 Jugendmannschaften. Er ist der Chef, daran lässt er keinen Zweifel.

Der Lohn dafür ist Bedeutung. „Ohne Sport hätte ich heute eine unbedeutende Apotheke“, sagt er. Aber jetzt bezahlt er 60 Angestellte, und die Adler-Apotheke in Moers „gehört zu den umsatzstärksten Apotheken in Deutschland“. Krivec spult viele Sätze ab, die klingen, als würde er sich permanent selber vor sich verneigen. „Den Namen Moers verbindet man mit Volleyball und dem Namen Krivec, das freut mich natürlich“, ist so ein Satz. Krivec gibt diese Selbstverliebtheit auch zu. „Das Egogefühl, etwas erreicht zu haben, ist eine große Triebfeder.“

Für seine Gegner ist er einfach ein Choleriker, der zu Größenwahn neige. Dass er mal eine fast komplette Mannschaft rausgeworfen hat, weil die gegen ihren alkoholkranken Trainer gearbeitet hatte, dass er serienweise Trainer abserviert, dass abgewanderte Spieler über ihn herziehen, das ist für ihn Teil des Geschäfts. Er kann das immer begründen. Den Geschäftsmann Krivec kümmert Kritik nur, wenn er Folgen fürs eigene Geschäft wittert. Einmal bemerkte eine Kundin spitz, dass in der Nachbar-Apotheke ein Mittel billiger sei; kein Wunder, wenn der Herr Krivec ja so viel fürs Volleyball rauswerfe und das Geld wieder im eigenen Laden hereinholen müsse. „Da muss man reagieren“, sagt Krivec.

Aber neben dem Apotheker gibt es noch den Idealisten Krivec, den Vertreter der traditionellen Werte. Jeder seiner Bundesligaspieler muss täglich in eine der zwölf Grundschulen in Moers und dort zwei Stunden Schüler an den Sport heran führen. Damit lotst er natürlich ständig neuen Talente in seinen Verein, er füllt aber auch Lücken, die der Mangel an Sportlehrern reißt.

Krivec steht selber jede Woche drei Mal in der Halle, er trainiert eine Mädchenmannschaft. Die Jugendarbeit des Moerser SC ist gut, diverse Teams sind westdeutsche Meister. Genau diese Bilanz entspricht dem Leistungsgedanken des Günter Krivec. Vor vielen Jahren zehrte das Zechensterben die Gegend am Niederrhein aus, übrig blieben Frust und mangelndes Selbstwertgefühl. Krivec wollte in dieser Atmosphäre den Beweis liefern, dass auch in dieser Region langfristig ein erfolgreiches Projekt zu stemmen ist. Volleyball, das ist sein Projekt. Zwei Siege im deutschen Pokal, ein Meistertitel, ein Sieg im Europacup, das waren seine Gegenbeweise. Im Moment ist an Spitzenplätze in der Bundesliga aber nicht zu denken, dafür fehlt Geld.

Irgendwann mal wird auch Krivec abtreten, er weiß nur noch nicht wann. Egal, denn die wichtigste Frage hat er „geregelt“. Sein Sohn würde übernehmen, er kümmert sich jetzt schon ums Marketing. Der Moerser SC – eine Familiendynastie? Krivec sagt, die entscheidenden Leute hätten nichts gegen diese Lösung.

Bisher erschienen: Software-Milliardär Dietmar Hopp (6.8.), Immobilien-Unternehmer Frank Müller (8.8.), Erbin Madeleine Winter-Schulze (9.8.), Filmrechtehändler Michael Kölmel (12.8.). Die Serie endet mit diesem Teil.

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