Sport : Weltmeister unter deutscher Flagge

Der 17 Jahre alte Philip Köster reifte auf Gran Canaria zum Surfchampion

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Foto: dapd
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Berlin - Manchmal ist es auch Philip Köster unheimlich. „Wenn man fast 20 Meter in der Luft ist, hat man auch mal Angst“, sagt er. „Aber es ist auch Freiheit, das coolste Gefühl, das man haben kann.“ Philip Köster schwebt oft zwischen Angst und Freiheit. Der 17 Jahre alte Windsurfer ist bekannt für seine hohen Sprünge in der Disziplin Wellenreiten, er kann sich auch bei wenig Wind und kaum Wellen gewaltig in die Höhe katapultieren und hält den Weltrekord: 18 Meter und fast fünf Sekunden in der Luft. Am Mittwoch gelang ihm in Klitmöller an der dänischen Nordseeküste der bisher größte Sprung: Er wurde als erster Deutscher seit 1976 Weltmeister.

Wobei, das mit dem „deutschen Weltmeister“ ist so eine Sache. Köster ist eher ein Kosmopolit unter deutscher Flagge, ähnlich wie der Formel-1-Pilot Nico Rosberg. Der neue Surfstar wurde in Las Palmas auf Gran Canaria geboren. Dahin waren seine Eltern bereits 1980 ausgewandert, um eine Surfschule zu eröffnen. Kösters Deutsch bahnt sich deshalb immer wieder in spanischen und englischen Satzkonstruktionen seinen Weg. Das Land seiner Vorfahren hat er lange nur bei Verwandtenbesuchen in Hamburg erlebt. „Er lernt Deutschland erst jetzt richtig kennen“, sagt seine Mutter Linda Schlüter. „Er hat inzwischen sogar ein paar Freunde dort.“ Köster erzählt, er habe sogar schon einen ganzen Monat in Hamburg verbracht, zum ersten Mal Schnee geschippt „und mich dort sehr wohl gefühlt“. Auch mit der Nordsee, die er lange zu kalt fand, freundet er sich langsam an. Gerade rechtzeitig, schließlich wird der zweitjüngste Champion nach der Surflegende Robby Naish beim abschließenden Weltcup am 23. September auf Sylt den WM-Pokal erhalten.

Kösters Heimat aber sind die Wellen rund um Gran Canaria. Seit dem achten Lebensjahr verbringt er jede freie Minute im Atlantik. „Surfen ist mein Leben“, sagt er. „Ich wohne in Vargas, nur 15 Minuten entfernt von einem der besten Spots zum Windsurfen.“ Dort trifft sich die Surfelite, und als ihr Sohn im Alter von 12 Jahren besser surft als die meisten Erwachsenen, wird Linda Schlüter klar, „dass ihm das nicht nur Spaß macht, sondern dass auch mehr daraus werden kann“. Im gleichen Jahr erhält Philip Köster eine Wildcard für Erwachsenenwettkämpfe, mit 14 wird er Profi, mit 15 stellt er den Weltrekord auf. Der WM-Titel ist nur noch eine Frage der Zeit.

Jetzt hat er ihn, und nun warten andere Herausforderungen. Björn Dunkerbecks Rekord etwa, 35 WM-Titel. Oder der Führerschein: Bislang muss Papa Rolf nicht nur als Reisebegleiter und Materialwart herhalten, sondern auch als Chauffeur. Und dann ist da noch die Schule, die bei der Surferei in den Hintergrund gerückt ist. Obwohl Philip Köster am Gymnasium war, hat er wegen der vielen Fehlzeiten nur einen Realschulabschluss. „Vielleicht mache ich noch einen anderen Abschluss nach“, sagt er, „aber jetzt erstmal surfen, surfen, surfen.“ Christian Hönicke

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