Dagmar Wöhrl : Über ihre Welt

Im Profil: Dagmar Wöhrl polarisiert immer wieder den Politikbetrieb. Nun wirbt sie für mehr Entwicklungshilfe.

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Bayerin in Berlin: Dagmar Wöhrl sitzt seit 1994 für die CSU im Bundestag.
Bayerin in Berlin: Dagmar Wöhrl sitzt seit 1994 für die CSU im Bundestag.Foto: IMAGO

Mit 18 Jahren habe sie davon geträumt, Tierärztin zu werden, antwortete Dagmar Wöhrl mal in einem Fragebogen. Heute ist die 59-jährige CSU-Politikerin Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, den sie seit 2009 leitet. In die Politik kam die Nürnbergerin auf Umwegen: Mit Mitte 30 wurde die Rechtsanwältin Stadträtin, vier Jahre später ging sie in den Bundestag. Dort bekam die frühere Miss Germany 1977, auch heute noch eine schlanke Blondine, den Spitznamen „Miss Bundestag“ verpasst. Wöhrl, die als sehr diszipliniert gilt, spezialisierte sich auf die Männerdomäne Wirtschaftspolitik. Für ihr ehrenamtliches Engagement – zum Beispiel als Präsidentin des Tierschutzvereins Nürnberg-Fürth und als Kuratoriumsmitglied der Bayerischen Aids-Stiftung – bekam sie das Bundesverdienstkreuz.

Wer sind ihre Freunde?

In seiner Zeit als bayerischer Innenminister warb der spätere Kurzzeit-Ministerpräsident Günther Beckstein Dagmar Wöhrl für den Bundestag an. Die CSU versuchte damals, das Image als reine Männerpartei loszuwerden. Beckstein, der ebenso wie Wöhrl aus Nürnberg stammt, bewegte sie damals zu einer Kandidatur. Gut zehn Jahre später, nach dem Regierungswechsel auf Bundesebene im Jahr 2005, wollte ihr Parteifreund, der damalige Wirtschaftsminister Michael Glos, Wöhrl zur Luft- und Raumfahrtkoordinatorin berufen. Damit konnte er sich allerdings nicht durchsetzen. Protest gab es, weil die CSU-Politikerin mit dem Luftfahrt -und Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl verheiratet ist. Ihm gehörte damals die deutsche Tochter der Fluggesellschaft British Airways. Kritiker fürchteten, Wöhrl könne ihrem Mann durch Insiderwissen aus der Regierung Wettbewerbsvorteile verschaffen. Die Parlamentarische Staatssekretärin übernahm stattdessen im Ministerium die Zuständigkeit für die maritime Wirtschaft.

Wer sind ihre Gegner?

„Miss Germany, vermögende Ehefrau, Blondine“: Auf diese drei Attribute fühlt sich Dagmar Wöhrl von ihren Gegnern reduziert. Ärger handelte sich die Chefin des Entwicklungsausschusses im Jahr 2012 bei einer Reise nach Myanmar (Birma) und nach Laos ein. Der „Spiegel“ berichtete damals über Shoppingtouren und darüber, dass Wöhrl eine sehr eigenwillige Erklärung für das gute Aussehen von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gehabt habe, die 20 Jahre unter Hausarrest gestanden hat. Die Frau habe schließlich „jahrelang keinen Stress gehabt“. Wöhrl wies die Anschuldigungen später vehement zurück. Sie habe zum Ausdruck bringen wollen, dass Suu Kyi eine sehr starke Frau sei, der man die mit dem Hausarrest verbundenen physischen und psychischen Qualen nicht ansehe.

Womit ist sie aufgefallen?

Auch mit einer weiteren Reise geriet Dagmar Wöhrl in die Schlagzeilen. Mitte Dezember 2012 meldete sie sich beim Bundestagspräsidenten wegen Krankheit ab. An der namentlichen Abstimmung über den Einsatz deutscher Patriot-Abwehr-Raketen an der türkisch-syrischen Grenze nahm sie nicht teil. Stattdessen trat Wöhrl eine dreiwöchigen Reise nach Sri Lanka und Thailand an. Diese rechtfertigte sie damit, dass sie dort seit Jahren mit ihrer gemeinnützigen Stiftung, die sie nach dem Unfalltod ihres Sohnes Emanuel gegründet hatte, Projekte unterstütze. Die Abreise habe sie so lange wie möglich hinausgezögert, erklärte Wöhrl damals. Sie sei überzeugt, dass die verpassten Abstimmungen ihre fast 20-jährige Arbeit im Deutschen Bundestag nicht beeinträchtigten.

Was ist ihre Mission?

Nach ihrer Wiederwahl zur Ausschussvorsitzenden erklärte Wöhrl Anfang des Jahres, sie wolle sich dafür einsetzen, dass die Budgetzusagen aus dem Koalitionsvertrag eingehalten würden. „Alles andere wäre ein falsches Signal an unsere Partner in der ganzen Welt“, sagte Wöhrl. Im Koalitionsvertrag bekennen sich Union und SPD zwar grundsätzlich zur internationalen Abmachung, die Ausgaben für Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung anzuheben. Zurzeit erreicht Deutschland nur 0,38 Prozent. Bisher hat die Koalition aber nur zwei Milliarden Euro zusätzlich veranschlagt. Bei Weitem nicht genügend Geld, um die ehrgeizigen Ziele zu erfüllen, wie Experten sagen.

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