Antimobbing-Programm : Fairplayer gesucht!

Entwicklungspsychologen der Freien Universität bieten ihr bewährtes Antimobbing-Programm nun auch für Grundschulen an.

Nora Lessing
"Gefühle erkennen": Grundschulkinder bei einer Übung aus dem Fairplayer-Manual.
"Gefühle erkennen": Grundschulkinder bei einer Übung aus dem Fairplayer-Manual.Foto: Christian Thomas

Gemeine Gerüchte, fiese Spitznamen, physische Übergriffe – Mobbing gehört zum Alltag an deutschen Schulen und hat nicht selten schwerwiegende Folgen für die betroffenen Schülerinnen und Schüler. „Mobbing kommt in jeder Klasse vor“, sagt Stephan Warncke, Entwicklungspsychologe und Mitarbeiter am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität. „Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich für das Thema zu sensibilisieren.“

Diesem Ziel haben sich Warncke und seine Kollegen im Rahmen des Projektes Fairplayer verschrieben. Unter der Federführung des Entwicklungspsychologen Professor Herbert Scheithauer konzipieren Warncke und sein Team Präventionsprogramme, die direkt an Schulen zum Einsatz kommen. So bieten die Psychologen seit 2011 unter anderem Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer von der siebten bis zur neunten Klasse an, die sich im Anschluss als Fairplayer-Multiplikatoren zertifizieren lassen können.

Nun hat die Arbeitsgruppe ein neues Fairplayer-Programm konzipiert, das eigens auf 5. und 6. Klassen zugeschnitten ist. „Mit jüngeren Schülern muss man strukturiert arbeiten. Etwa, indem man bestimmte Fragen vorgibt“, erklärt Viola Braun, die das Präventionsprogramm gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Laura König im Rahmen ihrer Masterarbeit entwickelt hat.

Getestet haben die Psychologinnen das Programm im vergangenen Herbst in einem Pilotprojekt an der Grund- und Oberschule Wilhelmshorst bei Potsdam. „Es war eine tolle Erfahrung, mit den Schülern zu arbeiten und zu sehen, ob das, was wir uns am Schreibtisch überlegt haben, auch in der Praxis funktioniert“, sagt Viola Braun.

Das Programm kommt bei Schülern und Eltern gut an

Im ersten Schritt hätten sie gemeinsam mit den Schülern überlegt, was Mobbing für diese bedeute und über Mobbingerfahrungen gesprochen. Im Rahmen verschiedener Übungen und Rollenspiele sollten die Schüler dann die Perspektive wechseln und lernen, sich in andere einzufühlen. Helfen kann dabei zum Beispiel das Mobbingbarometer – eine Skala auf einem Klebestreifen, der auf dem Boden angebracht wird.

„Wir reden über verschiedene Formen des Mobbings, etwa, jemanden zu schlagen oder aus einer Gruppe auszuschließen. Dann stellen sich die Schüler an eine bestimmte Stelle des Barometers, je nachdem, wie schlimm sie die jeweilige Mobbingform empfinden“, führt Laura König aus.

Das Programm sei von Schülern, Lehrern und Eltern sehr positiv aufgenommen worden, resümieren die Psychologinnen. Im kommenden Wintersemester soll es nun auch Teil der grundständigen Ausbildung von Grundschulpädagogen an der Freien Universität werden. „Wir werden einen Kurs im Wahlmodul anbieten, der angehenden Lehrerinnen und Lehrern ermöglicht, das Programm bereits im Studium kennenzulernen. Das ist eine wichtige und innovative Ergänzung unseres Lehrangebots“, sagt Stefan Petri, Studiendekan am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität.

„Ich finde es großartig, dass nun auch die Lehramtsstudierenden der Grundschulpädagogik bereits im Studium ein sehr praxisorientiertes Präventionsprogramm kennenlernen können, das schon erfolgreich in höheren Unterrichtsstufen eingesetzt wird.“

Gerne möchte das Fairplayer-Team diesen Kurs dauerhaft einrichten. Das Projekt wird aktuell durch die finanzielle Förderung der Deutsche Bahn Stiftung ermöglicht und vom Deutschen Forum für Kriminalprävention (DFK) ideell unterstützt.

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