Interview mit Peter-André Alt : „Vieles wäre nicht möglich gewesen“

Warum die Auszeichnung für die Freie Universität 2007 genau zum richtigen Zeitpunkt kam – ein Interview mit Universitätspräsident Professor Peter-André Alt über die Aufbruchstimmung nach Krisenzeiten, genutzte Chancen und neue Ziele.

Christa Beckmann, Nina Diezemann
Die Philologische Bibliothek von Sir Norman Foster entworfen und 2005 eröffnet, ist zum Wahrzeichen der FU geworden.
Die Philologische Bibliothek von Sir Norman Foster entworfen und 2005 eröffnet, ist zum Wahrzeichen der FU geworden.Foto: David Ausserhofer

Die Exzellenzinitiative, das Programm des Bundes und der Länder zur Förderung der universitären Spitzenforschung, hat die deutsche Hochschullandschaft verändert. Auch an der Freien Universität, die am 19. Oktober 2007 für ihr Zukunftskonzept „Internationale Netzwerkuniversität“ ausgezeichnet wurde, hat der Wettbewerb bleibende Spuren hinterlassen. Die Universität war seitdem eine von zunächst neun Exzellenzuniversitäten in Deutschland und konnte die Auszeichnung 2012 erneut erfolgreich verteidigen. Im Gespräch mit Christa Beckmann und Nina Diezemann blickt Universitätspräsident Professor Peter-André Alt zurück auf die Entwicklungen im vergangenen Jahrzehnt.

Herr Professor Alt, als die Freie Universität 2007 in der Exzellenzinitiative ausgezeichnet wurde, galt das beinahe als Überraschungserfolg. Offenbar war das Image der „Schmuddel- und Aufruhr-Uni“, von dem manche Medien damals schrieben, noch weit verbreitet. Wie haben Sie die Entscheidung damals erlebt?

Ich war zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht Universitätspräsident, sondern Wissenschaftler und Hochschullehrer, und hatte selbst eine Graduiertenschule beantragt, viel Energie und Lebenszeit in dieses Projekt gesteckt – und die Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien hatte erfolgreich abgeschnitten. Das beschäftigte mich sehr. Aber wichtig war natürlich auch der Exzellenzstatus der Freien Universität, denn uns war klar, dass unsere Universität nur dann eine Zukunft hat, wenn dieser Antrag erfolgreich ist. Es ist uns heute kaum noch präsent, aber damals wurde von vielen in Berlin noch die Frage gestellt: Warum braucht Berlin zwei ähnliche große Universitäten? Mit unserem Erfolg haben wir eine sehr klare Antwort gegeben.

Es war also immer noch eine existentielle Situation, in der sich die Freie Universität damals befand?

Wir mussten seit Beginn der 1990er Jahre als einzige Berliner Universität unsere Stellen um die Hälfte reduzieren. Wir hatten also ganz andere Voraussetzungen in diesem bundesweiten Wettbewerb als andere Hochschulen; hinter uns lag eine Geschichte der Krisenabwehr. Und unser Antrag auf Förderung in der allerersten Runde des Exzellenzwettbewerbs 2006 hatte nicht geklappt. Durch den Erfolg 2007 war eine Schubumkehr gelungen - was die Universität zu diesem Zeitpunkt auch wirklich brauchte.

Von der Exzellenzinitiative profitiert auch die Lehre.
Von der Exzellenzinitiative profitiert auch die Lehre.Foto: M. Fahrig

Heute behauptet sich die Freie Universität national und steht auch in internationalen Rankings sehr gut da. Welche Entwicklungen wären ohne das Geld aus der Exzellenzinitiative nicht möglich gewesen?

Ohne die zusätzlichen Exzellenzmittel wäre vieles nicht möglich gewesen: Wir hätten nicht eine solche Vielzahl von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an die Universität holen können. Dadurch konnten wir Forschungsprojekte initieren, die heute zum Beispiel als Sonderforschungsbereiche aus anderen Drittmitteln gefördert werden. Wir hätten die sieben Verbindungsbüros, die uns weltweit repräsentieren, nicht mit dieser Wirksamkeit aufbauen können. Und es wäre nicht möglich gewesen, strategische Partnerschaften mit Universitäten vom Rang der University of California at Berkeley, der Universität Zürich oder der Hebrew University of Jerusalem abzuschließen. Gerade im Ausland wird man oft auf den Status als Exzellenzuniversität abgesprochen. Er hat eine größere Wirksamkeit als wir das in Deutschland oftmals glauben.

Ein Vorwurf an die Exzellenzinitiative lautet, sie sei nur auf Forschung ausgerichtet. Haben an der Freien Universität auch die Studierenden profitiert?

Durch die Exzellenzinitiative konnten wir Persönlichkeiten an die Freie Universität holen, deren Forschung sehr innovativ ist und die auch das Lehrangebot bereichern. Außerdem haben wir die forschungsorientierte Lehre an der Freien Universität als Projekt aufgebaut. Das hat sich gelohnt, denn auf diese Weise werden Studierende schon früh in ihrem Studium an große Forschungsvorhaben herangeführt und lernen Denkprozesse und Verfahren kennen, die Spitzenforschung ausmachen. Auch das war nur durch die zusätzlichen Mittel aus der Exzellenzinitiative möglich.

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