Der Tagesspiegel : UFA an Stätte ihres alten Glanzes

THORSTEN METZNER

Filmproduzent zieht in 40 Millionen Mark teures Gebäude nach Babelsberg VON THORSTEN METZNER

Potsdam.Die UFA, ein Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe, hat nach jahrzehntelanger Abwesenheit wieder den Traditionsstandort Babelsberg bezogen.Auf dem Gelände der Medienstadt ist am Freitag offiziell der Firmensitz der UFA-Produktionsgruppe eingeweiht worden.Bei der feierlichen Schlüsselübergabe mit Ministerpräsident Manfred Stolpe forderte Wolf Bauer, Vorsitzender der UFA-Geschäftsführung, vom Land höhere Förderungen für die zukunftsträchtige Medienwirtschaft. Er sei besorgt, daß Berlin und Brandenburg gegenüber Nordrhein-Westfalen in der Medienförderung immer mehr ins Hintertreffen gerieten, warnte Bauer."Brandenburg hat sein Versprechen nicht eingelöst, in der Medienförderung mit Berlin gleichzuziehen und später aufzustocken." Dabei müsse das Land auf die Zukunft setzen.Es wäre fatal, so Bauer, wenn die UFA ihr Hauptquartier in Potsdam beziehe, aber aus Wettbewerbsgründen die Fernseh- und Filmproduktionen in Nordrhein-Westfalen oder Bayern durchführen müsse. Auf die UFA-Forderungen ging Ministerpräsident Manfred Stolpe zwar nicht konkret ein, sicherte jedoch die Unterstützung der Landesregierung zu.Ein Land, das kein Geld habe, könne flankierend tätig werden.Trotz notwendiger Haushaltskürzungen in fast allen Bereichen habe Brandenburg seien Anteil an Filmfördermitteln fast halten können.Er räumte jedoch ein, daß dies "auf Dauer nicht ausreichen werde." Zugleich verwies er auf die jahrzehntelange Tradition des UFA- und Defa-Standorts Babelsberg. Das für 40 Millionen Mark am Rande der Medienstadt errichtete UFA-Gebäude konnte erst mit zweijähriger Verspätung übergeben werden, da der italienische Generalunternehmer offenbar wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte.Die UFA hat verschiedene Produktionsfirmen nach Babelsberg verlagert.Insgesamt beschäftigt sie in Babelsberg 375 Mitarbeiter, wovon ein Großteil die erforlgreichen RTL-Serien "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" und "Alle zusammen" produziert.Mit diesen Serien habe die UFA Maßstäbe im deutschen Fernsehen gesetzt, sagte Rolf Schmidt-Holtz, Vorstandsmitglied von Bertelsmann Entertainment.Er kündigte an, daß der Trend zu Eigenproduktionen fortgesetzt werde."Wir wollen den unstillbaren Hunger der Sender nach frischer Ware befriedigen", sagte Rolf Schmidt-Holtz, der gleichzeitig eine stärkere Deregulierung des Medienmarktes anmahnte.Er wertete den gerade von der EU genehmigten Zusammenschluß von Bertelsmann und dem luxemburgischen Medienunternehmen CLT als wichtigsten Schritt, um neue Märkte in und außerhalb Europas zu erschließen. Mit Blick auf das zögerlich anlaufende digitale Fernsehen, das vom Kirch-Imperium auf den Markt gebracht wurde, sagte Vorstandsmitglied Schmidt-Holtz, daß sich die Abwartehaltung von Bertelsmann als richtig erwiesen und dem Unternehmen viel Geld gespart habe.Er sei überzeugt, daß das werbefinanzierte Fernsehen in den nächsten Jahren die wichtigste Marktsäule bleiben werde.

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