Welt : Der Film meines Lebens: Modemacherin Ayzit Bostan über "The Virgin Suicides"

Johanna Adorján

"The Virgin Suicides" erzählt die Geschichte von fünf Schwestern, die in den 70er Jahren in einem behüteten Vorort von Detroit aufwachsen und alle innerhalb eines Jahres Selbstmord begehen. Warum, lässt der Film offen. Ich denke, es liegt daran, dass ihre Eltern sehr streng, sehr katholisch sind. Die Töchter dürfen nichts und kapseln sich dann vollkommen von der Restwelt ab.

In der ersten Szene sieht man die Jüngste mit verbundenen Handgelenken bei ihrem Therapeuten sitzen - sie hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten, war aber gerettet worden. Um sie etwas aufzuheitern, erlauben die Eltern ihren Töchtern, zu Hause eine Party zu geben. Das ist etwas ganz besonderes, alle sind aufgeregt und machen sich hübsch. Der Jüngsten kleben sie Armbänder über die Verbände, damit man die nicht so sieht. Während der Party jedoch geht sie irgendwann alleine auf ihr Zimmer und springt aus dem Fenster: tot. Als die Älteste etwas später einmal über Nacht nicht nach Hause kommt, nehmen die Eltern ihre Töchter von der Schule. Von nun an haben sie kaum noch Kontakt zu anderen, kleben immer zusammen und sind sich gegenseitig der einzige Halt. Und eines Tages nehmen sich alle auf einmal das Leben.

Ich habe den Film an einem Sonntagnachmittag gesehen. Draußen wurde es langsam dunkel, außer mir nur fünf Leute im Kino. Dazu die wunderschön ruhige Filmmusik der französischen Popgruppe Air. Dass ich nicht selbst ganz traurig war, muss an den tollen Bildern gelegen haben. Sofia Coppola, Tochter des berühmten Francis Ford Coppola, hat einen Film gemacht, der trotz des tragischen Themas ganz zart ist.

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