Welt : Die Früchte des Ruhms

25 Jahre nach einer Wette, die sein Leben änderte: Karl-Heinz Böhm zieht Bilanz

Elisabeth Binder

Berlin - So sehen normalerweise Gewinner aus. Mit leuchtenden Augen fragte Karl-Heinz Böhm am Freitagmorgen im Haus der Bundespressekonferenz: „Wissen Sie eigentlich, wie schön das ist, eine Wette zu verlieren?“ Bei Thomas Gottschalk hatten am 1. April 21 Bürgermeister gewettet, dass jeder dritte Einwohner ihrer Stadt einen Euro für den Bau von Schulen in Äthiopien geben würde. Böhm hielt dagegen – und verlor. 19 Städte, darunter Mannheim, München und Wolfsburg, gewannen die Wette. Mit deren Oberbürgermeistern traf sich der Gründer der Stiftung „Menschen für Menschen“ nun, um das Ergebnis bekannt zu machen. Von dem Erlös aus 2 072 780 Euro können nun zehn Schulen in Äthiopien gebaut werden.

Die persönliche Wende im Leben des gefeierten Schauspielers begann vor laufenden Kameras. Im Mai 1981 hatte Karlheinz Böhm bei „Wetten dass …“ gewettet, dass nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark für die Not der leidenden Menschen in der Sahelzone spendet. Tatsächlich kamen statt der erhofften sechs Millionen nur 1,2 Millionen Mark zusammen, so dass er diese Wette leider gewann. Er löste damals trotzdem sein Wettversprechen ein und ging nach Afrika, um den Menschen zu helfen. Und dann konnte er plötzlich nicht mehr zurück in sein altes glanzvolles Filmstar-Leben, in dem er unter anderem als Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider „Sissi“ Erfolge gefeiert hatte. Jetzt, nach 25 Jahren, zieht er Bilanz. „Nachdem ich einmal gesehen habe, wie Menschen auf unserem gemeinsamen Planeten dort leben müssen, hätte ich mein altes Leben vor mir selber nicht mehr rechtfertigen können. Bis dahin tat ich alles, was ich tat, für mich. Seit 25 Jahren tue ich alles für die Menschen in Äthiopien. Dadurch habe ich den Sinn meines Lebens gefunden.“

Damals hatte der heute 78-Jährige keine Ahnung, welch weit reichende Folgen die Wette haben würde. Bestehende Verpflichtungen für Tourneen und Festspielauftritte löste er noch ein, seine letzte Rolle als „Der Schwierige“ von Hugo von Hoffmansthal übernahm dann am Ende ein Kollege. Fortan widmete er seine ganze Kraft dem Aufbau seiner Stiftung „Menschen für Menschen“, nutzte seinen Ruhm nur noch, um zum Spenden zu motivieren.

Er begann im äthiopischen Erertal, wo er mit Hilfe der Spendengelder Flüchtlinge aus Hungerlagern in vier Dörfern ansiedelte. Längst schon können sich diese Menschen aus eigener Kraft versorgen, denn von Anfang an wollte er Hilfe zur Selbstentwicklung geben. Was folgte, erzählt seine junge äthiopische Frau Almaz, mit der er seit 1991 verheiratet ist, in fließendem Deutsch, lebhaft und mit blitzenden Augen.

67,4 Millionen Bäume wurden gepflanzt und 1049 Wasserstellen geschaffen, eine unermessliche Erleichterung für die Frauen, die oft stundenlange Märsche auf sich nehmen müssen, um Wasser für Menschen und Tiere herbeizuschleppen. 132 Schulen wurden aufgebaut, deren Absolventen nun mithelfen, die Probleme des Landes zu lösen. Außerdem entstanden 67 Krankenstationen, drei Polikliniken und drei Krankenhäuser. Für die Stiftung arbeiten in Äthiopien 677 Menschen, darunter nur acht Europäer. 32 000 Äthiopier nahmen an Landwirtschafts-Trainings teil und 91 943 an der Alphabetisierungskampagne. Ihr Mann genieße bei den Bauern großes Vertrauen und habe tiefe Einblicke nehmen können in die Probleme der Menschen, erzählt Almaz Böhm. Deshalb sei es ihm auch gelungen, Tabus zu brechen und eine erfolgreiche Kampagne gegen Kinderheirat und Beschneidung von Frauen zu starten. „Ich hätte mich früher nie getraut, etwas dagegen zu machen, das waren eben Traditionen“, fügt sie hinzu. Inzwischen gehe man in ihrer Heimat viel bewusster damit um.

Karlheinz Böhm lobt umgekehrt aber auch seine 1964 geborene Frau, die eigentlich eine Rinderzuchtexpertin ist: „Almaz hat so wunderbare Manager-Qualitäten entwickelt, dass die Frage der Nachfolge gelöst ist.“ Der Wolfsburger Oberbürgermeister nennt Böhm an diesem Vormittag einen modernen Albert Schweitzer.

Die Geschichte des Stars, der mit Anfang 50 sein Leben von Grund auf änderte und dadurch Hunderttausenden anderer Menschen zu einem besseren Leben verhalf, klingt selber wie ein guter Filmstoff. Allemal so rührend wie „Sissi“.

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