Welt : Ein cleverer Chinese vermarktet den Kebab als deutsche Spezialität

Felix Ullmann

Nachmittagsidylle in den alten Vierteln von Peking: Die Restaurants sind leer - in den Käfigen davor zwitschern die Kanarienvögel. Die Küchenmannschaften bereiten das Abendessen auf der Staße vor. Nur vor einer Imbissbude wartet noch Kundschaft. "Deutscher Döner" steht in Chinesisch auf einem Schild und als Erläuterung daneben: "Großer Hamburger". Auf dem Bild säbelt ein schnurrbärtiger Türke ein Stück Fleisch vom Drehspieß. Unter dem Fenster der Bude hängt die Deutschlandflagge.

Der 26-jährige Dao Chun Dai aus Südchina hat im November die erste Döner-Kebab-Bude Chinas eröffnet. Döner und Kaffee verkauft er - sonst nichts. Während einer Reise durch Deutschland war ihm aufgefallen, daß an jeder Ecke Döner Kebab verkauft wurde. Nachdem er andere Imbissgerichte getestet hatte - von Currywurst bis Pommes rot-weiß - stand für ihn fest: Der Döner kommt dem chinesischen Geschmack am nächsten. "Gegrilltes Rindfleisch und Gemüse isst hier jeder gern." Der Erfolg gibt ihm recht. Sogar zum Frühstück verkauft er den Döner. Mit fünf Renminbi (umgerechnet eine D-Mark) ist er selbst für Chinas Verhältnisse preisgünstig. Stammkunden sind bei Dai Schüler und Studenten. Nur die Älteren mögen den ausländischen Imbiss nicht. Sie sind nur gekochtes Gemüse gewöhnt - nicht zuletzt aus hygienischen Gründen.

Dai weiß, daß der Döner Kebab eigentlich eine türkische Erfindung ist. Die Deutschlandflagge hat er zu Werbezwecken aufgehängt: "Made in Germany" hat schließlich einen guten Ruf in China. Aber auch für Deutschland will er Werbung machen. Sein deutscher Partner hat ihm umgerechnet 3000 Mark für die Einrichtung der Bude vorgestreckt. Ein Grillspieß, ein Toaster und fünf Behälter für die Zutaten - so einfach lässt sich in China die Marktlücke schließen.

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