• Fall Diren in den USA: 70 Jahre Haft für tödliche Schüsse auf Hamburger Austauschschüler
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Fall Diren in den USA : 70 Jahre Haft für tödliche Schüsse auf Hamburger Austauschschüler

Der Hausbesitzer in den USA, der im April 2014 den Hamburger Schüler Diren erschoss, hat bei seinem Richter keine Milde gefunden. Markus K. war der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen worden.

Ein Transparent zum gedenken an den erschossenen Diren in Hamburg
Ein Transparent zum gedenken an den erschossenen Diren in HamburgFoto: dpa/Bodo Marks

Der Todesschütze des Hamburger Austauschschülers Diren muss 70 Jahre ins Gefängnis. Das sagte Richter Ed McLean bei der Verkündung des Strafmaßes für den wegen vorsätzlicher Tötung verurteilten Markus K. am Donnerstag in Missoula im US-Staat Montana. Eine Freilassung auf Bewährung komme frühestens nach 20 Jahren in Frage. Der Hausbesitzer, der den Teenager nachts in seiner Garage erschossen hatte, war im Dezember schuldig gesprochen worden.

Bei der Anhörung im Bezirksgericht der Universitätsstadt in den Rocky Mountains versuchten die Verteidiger vergeblich, den Richter zu Gnade zu bewegen. McLean wies ihren Antrag auf ein neues Verfahren oder eine Abmilderung des Urteils zurück. Auf vorsätzliche Tötung stehen in Montana zwischen zehn und 100 Jahre Haft. Der jetzt 30 Jahre alte Schütze hatte sich im Prozess auf Notwehr berufen.

Geschworene sprechen von Hinrichtung des Jungen

Der Mann hatte den jungen Hamburger im April 2014 erschossen, als dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Die Geschworenen in dem Prozess waren der Ansicht, der Schütze habe den Jugendlichen in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet.

Die Verteidigung hat dagegen auf Notwehr plädiert: Markus K. habe nach zwei vorherigen Einbrüchen Angst gehabt. Der Fall machte in Deutschland Schlagzeilen, in den USA fand er landesweit kaum Beachtung.

Richter unterstellt "Wut auf die Welt"

K. stand in seiner orangefarbenen Häftlingsuniform zwischen seinen Verteidigern und entschuldigte sich in einer kurzen Stellungnahme für seine Tat. „Ich habe getan, was ich für nötig hielt, um meine Familie und mich selbst zu schützen“, sagte er, ehe er mit Fußfesseln von Sicherheitsbeamten abgeführt wurde.

„Sie sind wütend auf die Welt, und das ist offensichtlich an ihrem Verhalten, an der Sprache, die Sie verwenden“, sagte Richter McLean. „Wir müssen eine Gesellschaft schaffen, in der Menschen wie Sie nicht überreagieren.“ K. stelle eine zu große Bedrohung dar.

Die Partnerin des Täters hatte an das Gericht appelliert: „Markus mag Fehler gemacht haben, aber er ist kein gewalttätiger Mensch.“. Er sei ein Mann weniger Worte, der aber ein großes Herz habe und sich um seine Familie sorge. „Wir sind gute Leute, gute Eltern“, sagte sie. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich dieses Haus niemals gekauft und würde niemals in dieser Nachbarschaft leben.“ Die Mutter von K. bat den Richter, dem 19 Monate alten Sohn der beiden nicht seinen Vater wegzunehmen.

Zwiespältige Gefühle beim Vater

Direns Vater, der mit seinem Rechtsvertreter angereist war, reagierte zurückhaltend. „Ich bin nicht glücklich“, sagte Celal D. der Deutschen Presse-Agentur. „Er lebt. Er geht ins Gefängnis, aber er lebt. Mein Sohn ist tot“, sagte er mit Blick auf den verurteilten K. Doch natürlich sei er froh, dass das Gerichtsverfahren jetzt überstanden sei. „Wir müssen nach Hause gehen und weitermachen.“

Auch die Gasteltern des erschossenen Teenagers äußerten sich in emotionalen Bemerkungen vor Gericht. „Der Mord an Diren hat (unsere Leben) in einen Wirbelsturm aus Schock, Leid und Trauer verwandelt“, sagte Direns Gastvater. „Es hat all die Freude aus unserer Familie gesaugt. Jeder Tag zermürbt uns. Wir tun einfach, was wir tun müssen, um durch den Tag zu kommen. (AFP, dpa)

 

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