Gesundheit : Die neue Sorglosigkeit (Kommentar)

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Es ist keine 20 Jahre her, da machte ein merkwürdiger "Schwulenkrebs" in amerikanischen Homosexuellenkreisen von sich reden. Dann ging alles sehr schnell. Wenige Jahre des Unwissens um eine gefährliche Viruskrankheit verschafften dem Erreger der übertragbaren Immunschwäche einen uneinholbar scheinenden Vorsprung. Ungehindert breitete Aids sich in Amerika, Afrika und Europa aus. Aus dem "Schwulenkrebs" von 1981 ist 1999 die vierthäufigste Todesursache weltweit geworden. In diesem Jahr werden voraussichtlich 2,6 Millionen an der HIV-Infektion oder an Aids sterben. Die Krankheit hat indes zwei Gesichter. Neue Medikamente gegen das Virus haben in den Industrienationen die Sterblichkeit an Aids drastisch gesenkt. Das geht soweit, dass in den USA und Europa die Präventionsstrategen Probleme haben, den besonders gefährdeten Gruppen ebenso wie der allgemeinen Bevölkerung die Aids-Gefahr immer wieder vor Augen zu führen. Eine neue Sorglosigkeit hat sich breit gemacht. Ganz anders sieht es in den ärmeren Weltgegenden aus. Dort leben mehr als 90 Prozent der HIV-Infizierten oder Aids-Kranken, und für sie bleiben die neuen Medikamente unerreichbar. Auch ein Impfstoff ist noch nicht verfügbar. In diesen Regionen gilt deshalb noch viel mehr als in unseren Breiten die Botschaft der Vorsorge: Die Infektion mit dem Aids-Erreger unter Erwachsenen lässt sich durch das entsprechende Verhalten komplett verhindern. Aufklärung über die Übertragungswege des Virus und die richtige Vorbeugung, die Behandlung anderer sexuell übertragbarer Krankheiten, der Gebrauch von Kondomen (auch solche für die Frau) und keimtötende Cremes gehören ebenso dazu wie Hilfen für besonders gefährdete Drogenabhängige. Klar ist auch: Die armen Länder können den Kampf gegen Aids nicht allein durchstehen. Sie brauchen die Hilfe der Industrienationen, sonst wird die Epidemie ihre Zukunft auslöschen.

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