• In der Zange der Erdplatten: Warum Erdbeben in Italien nicht ungewöhnlich sind

In der Zange der Erdplatten : Warum Erdbeben in Italien nicht ungewöhnlich sind

Italien wird von den Kräften der Plattentektonik geradezu in die Zange genommen. Schwere Erdbeben wie jenes vom Mittwochmorgen sind nicht ungewöhnlich, dennoch bleibt eine seriöse Vorhersage unmöglich.

Karl Urban
Auch der Ort Pescara del Tronto in Mittelitalien ist von dem Erdbeben stark betroffen.
Auch der Ort Pescara del Tronto in Mittelitalien ist von dem Erdbeben stark betroffen.Foto: dpa

Es war eines der schwersten Erdbeben der letzten Jahre: Der Erdboden Mittelitaliens schwankte in der Nacht zum Mittwoch für einige Sekunden und richtete großen Schaden an. Die Geologen verorteten es in einer Tiefe von vier Kilometern. Es liegt damit vergleichsweise flach, wodurch es den Erdboden recht stark zum Schwingen bringen konnte. Noch im 109 Kilometer entfernten Rom berichten Menschen, dass Schränke hörbar klapperten und Lampen wackelten.

Erdbeben sind in Italien nicht ungewöhnlich und die Seismologen nehmen folglich fast keine Region von möglichen schweren Erschütterungen aus. Denn das Land wird von den Kräften der Plattentektonik geradezu in die Zange genommen: Von Süden her drückt der afrikanische Kontinent gegen Europa, wodurch sich nördlich über viele Millionen Jahre die Alpen auffalteten. Die Ursachen für die schweren Beben Mittelitaliens sind dagegen vielfach komplizierter. Die Erdkruste des italienischen Stiefels rutscht im Süden nämlich unter Sizilien in die Tiefe ab. Was dort das Gestein in der Tiefe aufschmilzt und für aktive Vulkane sorgt, zieht die Gesteine des Apennins nördlich eher auseinander. Dabei entstehen sogenannte Dehnungsbeben, zu denen Geologen auch den aktuellen Erdstoß zählen.

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Dutzende Tote bei Erdbeben in Italien
Dutzende Tote bei Erdbeben in Italien

Keine Vorbeben verzeichnet

Auf den ersten Blick scheinen die Erdbeben Zentralitaliens also einem Muster zu folgen, was auch frühere Erschütterungen zeigen. Das aktuelle Epizentrum liegt nicht weit von denen zweier früherer Beben entfernt: dem von 1997 in der Nähe von Umbriens Provinzhauptstadt Perugia sowie dem bei L’ Aquila. In der Kleinstadt verloren 2009 über 300 Menschen ihr Leben. Besonders das Beben von L'Aquila zeigt auch, wie schwierig die Arbeit der Forscher ist: Damals ereigneten sich schon am Vorabend mehrere spürbare Vorbeben, die der Vize-Chef der Zivilschutzbehörde Italiens jedoch öffentlich als nicht bedeutend einstufte. Bei dem folgenden Gerichtsprozess wurden sechs Forscher sowie ein Beamter zunächst verurteilt, nicht ausreichend vor dem folgenden schweren Beben gewarnt zu haben, in Revision aber letztlich freigesprochen. Denn die seriöse Vorhersage von Erdbeben bleibt bis heute unmöglich. Das zeigt das aktuelle Beben gut, bei dem Forscher kein einziges spürbares Vorbeben verzeichnet hatten.

Wie groß die Schäden sind, hängt ohnehin neben dem Epizentrum und der Tiefe des Bebens vom Zustand der Gebäude ab: „Italien kennt sein Risiko sehr gut“, sagt der Seismologe Rainer Kind vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Die Vorschriften für neue Gebäude gelten als streng. Aber viele Bauten sind uralt. „Das sind ja mittelalterliche Dörfer“, sagt Kind. Und obwohl dieses Mal keine größere Stadt betroffen war, ist die vermutlich weiter steigende Opferzahl auch auf die Jahreszeit zurückzuführen: So fliehen viele Bewohner des nahe gelegenen Rom im glühend heißen August gerne in die kühleren Berge.

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