Indien : Frauen-Gang lehrt Männer das Fürchten

Indiens rabiate Frauen-Gang Gulabi verweist gewalttätige Ehemänner und korrupte Polizisten in die Schranken. Mit viel Ironie: Gulabi meint rosa und soll das süße weibliche Wesen symbolisieren.

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Gulabi-Gang ganz in Rosa. Gulabi heißt rosa. Eine Ironie der Frauen auf den Anklang von Sanftheit und Wärme der Farbe.
Gulabi-Gang ganz in Rosa. Gulabi heißt rosa. Eine Ironie der Frauen auf den Anklang von Sanftheit und Wärme der Farbe.Foto: REUTERS

Neu-DelhiSanft soll sie sein, schuften wie ein Esel und viele Söhne gebären. Und wenn ihr Mann die letzte Rupie versäuft, fremdgeht, sie vergewaltigt oder grün und blau schlägt, soll sie still sein und den Mund halten. In weiten Teilen Indiens wird von Frauen immer noch erwartet, dass sie sich klaglos in ihr Schicksal fügen.

Doch damit braucht man den Mädels von der Gulabi-Gang nicht zu kommen. Die Frauengruppe in ihren schreiend pinkfarbenen Saris, die sie so stolz wie Uniformen tragen, lehrt Schläger, Säufer, Hurenböcke und Vergewaltiger das Fürchten – und das notfalls auch mit dem Schlagstock. Getreu der Devise: Wer nicht hören will, muss fühlen, kämpfen die rabiaten Damen im wilden Bundesstaat Uttar Pradesh für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit.

Ins Leben gerufen wurde die Frauentruppe von der resoluten Inderin Sampat Pal Devi, die sie Gulabi-Gang taufte, was nicht einer gewissen Selbstironie entbehrt. Gulabi meint rosa und soll das süße weibliche Wesen symbolisieren. Doch statt Süßem geben die Damen den Herren kräftig Saures. Erstmals für landesweite Schlagzeilen sorgte Devi 2007, als sie mit ihren Mitstreiterinnen öffentlich einen Polizisten verdrosch, weil dieser ohne Anklage einen Bauern einer unteren Kaste für zwei Wochen im Gefängnis schmoren ließ. Später verprügelten sie Ordnungshüter, die sich weigerten, Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch zu untersuchen.

Sie tragen ihre Stöcke nicht nur zur Dekoration

Schnell machte die Kunde von den aufsässigen Mädels die Runde, immer mehr Frauen baten sie um Hilfe. Zu ihrem Erkennungszeichen wurden die rosa Saris und die Lathis, die Bambusstöcke, die Indiens Polizei traditionell zum Verprügeln von Missetätern benutzt. Nein, sagt Devi, sie hasse Männer nicht. Aber sie habe dem Unrecht nicht mehr tatenlos zusehen wollen. „Keiner kommt uns hier zu Hilfe.“ Ihre Heimat ist Bundelkhand, eine Provinz im Südosten von Uttar Pradesh, dem einwohnerreichsten Bundesstaat Indiens. Bitterarm und vom Kastensystem geprägt ist Bundelkhand faktisch ein gesetzloser Raum, in dem die Reichen das Sagen haben und Polizisten oft nur ihre Helfershelfer sind.

Die Opfer von Gewalt und Verbrechen, die Armen und Angehörigen unterer Kasten haben dagegen keine Fürsprecher. Und ganz unten stehen die Frauen, die einem mittelalterlichen Ehrenkodex unterworfen sind. Viele Eltern schicken ihre Töchter nicht mal zur Schule, aus Angst, sie könnten dort Kontakt mit Jungen haben und die Familie entehren. Viele werden schon als Teenager zwangsverheiratet. Mitgiftmorde sind häufig ebenso wie Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen. Doch die Opfer schweigen aus Scham und weil sie kaum Hilfe erwarten können, am allerwenigsten von der Polizei und den Behörden.

Lesen Sie auf Seite zwei, warum die Gulabi-Gang mittlerweile eine Institution ist.

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