Italien : Streikrecht in Kulturstätten wird beschränkt

Museen, das Kolosseum oder Pompeji blieben einfach zu. Das soll in Italien nun nicht mehr vorkommen. So will es die Regierung.

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Das Kolosseum in Rom.
Das Kolosseum in Rom.Foto: picture-alliance/ dpa

Das meistbesuchte Baudenkmal Italiens blieb einfach geschlossen. Mehr als drei Stunden lang konnte am vergangenen Freitag niemand mehr in das Kolosseum in Rom. Als Grund wurde eine Betriebsversammlung genannt. Und so standen tausende Touristen vor verschlossenen Gattern, viele mussten ohne Besichtigung wieder abziehen. Und das war keine Premiere: In Pompeji passiert so etwas oft. „Da reisen die Touristen 9000 Kilometer extra wegen diesen Weltkulturstätten an, geben tausende von Dollar aus und scheitern dann an Gewerkschaften, die unsere Nationalmonumente als Geiseln nehmen“, sagte Regierungschef Matteo Renzi. „Aber jetzt ändert sich das.“

Noch am selben Abend erließ die Regierung ein Dekret, das Museen und Ausgrabungsstätten beim Streikrecht den „essenziellen“ Einrichtungen Italiens gleichstellt. Die Gewerkschaften können ihre Versammlungen abhalten, müssen dabei aber die Aufrechterhaltung des Basisbetriebs garantieren, genauso wie in Krankenhäusern, Schulen, bei der Polizei, im öffentlichen Verkehr, beim staatlichen Fernsehen. Außerdem müssen Streiks zwei Wochen vorab angemeldet und von der Regulierungsbehörde für den Öffentlichen Dienst genehmigt werden.

Die Rechte der „zu schützenden Personen“ – in diesem Falle der Touristen – sind im Einzelfall nun abzuwägen gegen das von der italienischen Verfassung garantierte Streikrecht jedes Beschäftigten. Jetzt muss es die Regierung nur noch schaffen, den Grund für den jüngsten Ausstand zu beseitigen: Die Beschäftigten in Kolosseum & Co. bekommen seit Monaten weder Überstunden- noch Feiertagszuschläge; auch für andere Lohnbestandteile hat der Kulturminister das Geld nicht mehr gefunden. Dabei hat eine Studie festgestellt, dass für jeden in die Kultur investierten Euro über den Tourismus 2,49 Euro in die nationale Wirtschaft zurückfließen.

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