"LAN-Party" im Bundestag : Rösler: "Ich war ein Gamer der ersten Stunde"

Von „Pacman“ bis "Assassin's Creed": Philipp Rösler wirbt unter Politikerkollegen für Computerspiele als Kulturgut. Bei der 2. "Politker-LAN" im Bundestag sollte gezeigt werden, wie Computer- und Videospiele andere Wirtschaftszweige voranbringen können.

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Zockt auch heute noch gelegentlich - auf dem Handy: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.
Zockt auch heute noch gelegentlich - auf dem Handy: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.Foto: dpa

"Ich war ein Gamer der ersten Stunde", sagte am Mittwoch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Bereits in den 1980er Jahren habe er „Pacman“ gespielt, später „Boulder Dash“, ein Spiel, bei dem man Edelsteine sammeln und sich gegen fiese Amöben zur Wehr setzen muss, gestand der FDP-Bundesvorsitzende. Um gleich zu betonen, dass sich niemand entschuldigen müsse, weil er beispielsweise Fifa Soccer spielt.

Röslers Offenheit kam nicht von ungefähr. Am Mittwochnachmittag fand im Bundestag die „2. Politiker LAN“ statt. Eingeladen hatten Jimmy Schulz und Manuel Höferlin von der FDP-Fraktion und die CSU-Abgeordnete Dorothee Bär. „Vor zwei Jahren wollten wir die Berührungsängste von Politikern vor Computer- und Videospielen abbauen“, sagte Schulz. „Dieses Mal wollten wir zeigen, was unter der Motorhaube steckt und wie die Computerspielebranche auch andere Wirtschaftsbereiche voranbringen kann“, sagte Höferlin. Dorothee Bär, findet, dass Computerspiele eine genauso starke finanzielle Förderung erhalten sollten wie Filme. „Spiele sind ein Kulturgut, das mit hoher Kreativität und Leidenschaft entsteht“, sagte die CSU-Politikerin.

Genauso außer Frage stand an diesem Nachmittag, dass Computerspiele ein gigantischer Markt sind. Jährlich werden inzwischen drei Milliarden Euro mit Games umgesetzt, sagte Industrievertreter Maximilian Schenk vom Branchenverband Biu. Konzepte aus der Spieleindustrie kommen inzwischen genauso in der Robotik vor, wie die fußballspielenden Roboter der Freien Universität Berlin den Abgeordneten zeigten. Oder in der Medizin. Rösler – „ich habe auch mal Medizin studiert“ – ließ sich mit Hilfe der Virtuellen Realität die komplexe Funktion des Innenohrs auf dem Bildschirm demonstrieren. So genannte „Serious Games“ helfen zudem lernschwachen Schülern. Und bei der Stadt- und Industrieplanung erlaubt es die Spieltechnik den Bürgern, Bauvorhaben besser beurteilen zu können.

Durch diese nicht nur virtuelle Brille betrachtet wurden inzwischen tatsächlich viele Berührungsängste abgebaut. Allerdings war die Resonanz auf die erste Infoveranstaltung erheblich größer, gibt Jimmy Schulz zu. „Counter-Strike“ und „Red Dead Redemption“ sind offenbar auch für Politiker interessanter als Lernspiele. Gelegentlich spielt Philipp Rösler auch heute noch. Nicht mehr am PC, sondern auf dem Handy. „Tower Defense“ heißt sein bevorzugtes Genre. Konfliktfrei geht es beim Häuserkampf nicht zu, genauso wenig wie in der Politik.

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