Meteorologie : Die Vb-Wetterlage ist das Härteste

Ein seltenes Tief bewegt sich am Freitag auf Deutschland zu – es heißt "Daisy" und trifft vor allem Berlin.

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Ist Schnee nicht wunderbar? Frauen im chinesischen Wuhan bei ihren morgendlichen Yoga-Übungen. Foto: ReutersX01984

Das kann heiter werden. Wer ganz ganz viel Schnee mag, wird von Freitag an das ganze Wochenende auf seine Kosten kommen. Dann naht die sogenannte Vb-Wetterlage. Das spricht man „fünfbee“ aus, weil das V für die römische Fünf steht. Das Kürzel stammt aus einer Systematik zur Charakterisierung von Wetterlagen in Europa, die Wilhelm Jacob van Bebber Ende des 19. Jahrhunderts erstellte.

Diese Formation war unter anderem ursächlich für die große Oderflut und die Elbe-Hochwasserkatastrophe. Was die Meteorologen diesmal stutzig macht: Im Monat Januar ist sie sehr ungewöhnlich.

Winter in Berlin
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22.02.2010 13:26Die Straßen sind bedeckt vom Schnee. -


Was genau droht am Wochenende? Die Vb-Wetterlage führt dazu, dass ein normales Tief vom Atlantik her nicht, wie üblich, direkt nach West- und Mitteleuropa vordringt, sondern von einer aus dem Norden kommenden Luftströmung in den Süden gedrängt wird. Über dem Mittelmeer läd sich das Tief mit gewaltigen Mengen Feuchtigkeit auf und strebt anschließend von Südosten kommend über Teile Osteuropas nach Deutschland – vor allem nach Ostdeutschland und Berlin. Die Wolken sind bis zu sieben Kilometer hoch. Wenn dieses Tief vom milden Mittelmeer in die eiskalte Zone vordringt, entladen sich die Wolken. Ungeheure Niederschlagsmengen sind die Folge. Und weil es so kalt ist, kommen die Niederschläge als Schnee herunter.

Der Meteorologe Michael Burgstaller von mowis sagt, dass der Höhepunkt der Schneefälle in Berlin in der Nacht zum Samstag zu erwarten ist. Am Freitag geht es los, die Niederschläge werden aber bis Sonntag anhalten, sagt Burgstaller.

Das Tief heißt „Daisy“. Es kommt mit einem stürmischen Wind, der für Schneeverwehungen sorgen könnte, sagt die Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Sie sprach von einer „sehr brisanten Mischung“. Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia ist, wie so oft, auch diesmal ein kleines bisschen anderer Ansicht als der Deutsche Wetterdienst. In der Lage stecke zwar „Potenzial, aber ob ein Drama passiert, ist alles andere als sicher“, sagte er. Wenigstens hat Kachelmann die Hoffnung auf seiner Seite. In der Tat kann das endgültige Ausmaß der Vb-Wetterlage nicht genau vorhergesagt werden. Vielleicht hat Berlin Glück.

Schnee und Glätte führten am Mittwoch wieder zu einem Verkehrschaos. Zahlreiche Schulen und Flughäfen, darunter Bremen und Wien, mussten vorübergehend schließen. In Deutschland sind in diesem Winter nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe bereits mindestens sieben Obdachlose erfroren.

In Großbritannien, wo derzeit einer der härtesten Winter der vergangenen Jahrzehnte herrscht, behinderten Schneestürme den Flugverkehr. Mehrere Airports – darunter London-Gatwick, Bristol und Exeter – mussten zeitweise ihren Betrieb einstellen. Auch in London-Heathrow wurden Verspätungen und Ausfälle erwartet. Pkw-Fahrer strandeten auf Autobahnen. Tausende Schulen blieben erneut geschlossen. Die Krankenhäuser bereiteten Notfallpläne vor.

Schnee und Eis machten ebenfalls den Menschen im Westen Frankreichs zu schaffen. Betroffen waren 14 Départements, unter anderem in der Normandie. Nach Angaben des Senders France-Info durften in einigen Regionen weder Lastwagen noch Schulbusse fahren. Die Bretagne ist von Stromausfällen bedroht. Winterwetter mit ausgiebigen Schneefällen ist aber eigentlich etwas Schönes. Bei vielen Hoteliers und Liftbetreibern in Skigebieten klingeln die Kassen. In Berlin und anderen Städten gibt es in vielen Läden keine Schlitten mehr zu kaufen. Beim Dreikönigsschwimmen stürzten sich 140 Wagemutige – wasserdicht eingepackt in Neoprenanzügen – in den eiskalten Main bei Randersacker in Bayern. Die Wassertemperatur betrug zwei Grad. Bei der Bremer Eiswette musste ein Schneider für die Überquerung der Weser auch in diesem Jahr ein Boot benutzen – eine Überquerung zu Fuß war bei dem traditionsreichen Spektakel nicht möglich. mit dpa 

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