Polizei stürmt Wohnung : Opfer der Geiselnahme werden am Donnerstag obduziert

04.07.2012 21:59 Uhrvon
  • Am Mittwochnachmittag werden Leichen aus einer Wohnung in Karlsruhe abtransportiert: Vier Menschen wurden Opfer eines 53-Jährigen, der Täter richtete sich außerdem selbst. Foto: AFP
    Am Mittwochnachmittag werden Leichen aus einer Wohnung in Karlsruhe abtransportiert: Vier Menschen wurden Opfer eines 53-Jährigen, der Täter richtete sich außerdem selbst. - Foto: AFP
  • In diesem Haus geschah die Geiselnahme. Foto: dapd
    In diesem Haus geschah die Geiselnahme. - Foto: dapd
  • Auslöser der Tat war offenbar eine geplante Zwangsräumung. Foto: dpa
    Auslöser der Tat war offenbar eine geplante Zwangsräumung. - Foto: dpa

UpdateEine Obduktion der Opfer soll neue Erkenntnisse zum Geiseldrama in Karlsruhe bringen. Ein 53-Jähriger hatte am Mittwoch bei einer Zwangsräumung vier Menschen und sich selbst getötet. Die Tat war offenbar geplant.

Nach dem blutigen Geiseldrama in Karlsruhe werden die Opfer am Donnerstag obduziert. Die Ermittler erhoffen sich davon Einzelheiten zum Tathergang. Die Polizei erhofft sich unter anderem Aufschluss darüber, wann die Lebensgefährtin des Täters getötet wurde. Auch untersucht sie die Wohnung weiter auf kriminaltechnische Spuren und will herausfinden, woher der Mann die Waffen hatte.

Aus Wut über eine Zwangsräumung erschoss ein Geiselnehmer am Mittwoch in Karlsruhe vier Menschen und sich selbst. Seine Lebensgefährtin und er sollten aus der gemeinsam genutzten Wohnung ausziehen. Der 53-Jährige ermordete den Gerichtsvollzieher, einen Schlüsseldienstmann, den neuen Wohnungseigentümer und auch seine Freundin.

Nur ein Sozialarbeiter kam lebend davon.

Vertreter von Stadt und Polizei Karlsruhe informierten am Nachmittag auf einer Pressekonferenz über die Geschehnisse. „Es war eine regelrechte Hinrichtung“, sagte der Chef der Karlsruher Staatsanwaltschaft, Gunter Spitz. Der getötete Gerichtsvollzieher ist demnach 47 Jahre alt und Familienvater. Außerdem starb ein Schlosser, ein 33-Jähriger aus dem Raum Karlsruhe. Er hinterlässt eine schwangere Frau und kleine Kinder. Auch ein 49-Jähriger, der neue Eigentümer der Wohnung, wurde erschossen, er hinterlässt eine Lebensgefährtin.

Die Polizei geht davon aus, dass der Täter die Geiselnahme und Ermordung seiner Opfer von Anfang an geplant hatte. Der 53-Jährige hatte sich ein ganzes Waffenarsenal sowie Fesselwerkzeug bereitgelegt. Die Polizei fand ein Schrotgewehr, ein Gewehr mit langem Magazin, zwei Pistolen und eine Übungshandgranate bei ihm. Zudem habe der Täter über reichlich Munition verfügt. Damit hätte er sich eine lange Schießerei mit dem Sonderkommando liefern können, sagte ein Sprecher. Woher der Mann die Waffen hatte, ist noch unklar. Bei den Karlsruher Behörden waren sie nach Auskunft der Polizei nicht registriert. Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) teilte mit, dass der mutmaßliche Täter kein Jäger war: Er war weder bei der Waffen- noch bei der Jagdbehörde in Frankreich oder Deutschland gemeldet und besaß keinen Europäischen Feuerwaffenpass, hieß es in einer Mitteilung. Demnach handelt es sich wahrscheinlich um illegalen Waffenbesitz.

Video: Mehrfachmord in Karlsruhe war wohl geplant

Die bevorstehende Zwangsräumung habe seine „persönliche Existenz ins Wanken gebracht“, sagte ein Ermittler. Der Arbeitslose lebte mit seiner Lebensgefährtin in der Wohnung, zeitweise aber auch im Elsass. Er war französischer Staatsangehöriger. Die Frau war Eigentümerin der Wohnung, war aber mit den Zahlungen an die Hausgemeinschaft in Rückstand. Im April dieses Jahres wurde die Wohnung zwangsversteigert. Offenbar hielt sich der Täter auch regelmäßig in der Wohnung oder lebte sogar dort, sein Name stand am Klingelschild. Der neue Eigentümer wollte die Wohnung nun wegen Eigenbedarfs räumen lassen.

Die Tat spielte sich nach bisherigen Erkenntnissen so ab: Um acht Uhr morgens klingelte der Gerichtsvollzieher, begleitet vom Mitarbeiter einer Schlüsselfirma und auch einem Sozialarbeiter - eine Maßnahme der Stadt Karlsruhe, um den Geräumten Hilfe anzubieten. Vor dem Haus stand schon der Möbelwagen. Der 53-Jährige ließ das Team in die Wohnung. Dann nahm er die drei Männer als Geiseln, ebenso den neuen Wohnungseigentümer, der kurz danach in die Wohnung kam. Er zwang den Schlüsseldienst-Mitarbeiter, die anderen zu fesseln. Anschließend wollte der Täter den Schlüsseldienst-Mitarbeiter fesseln. Als dieser versuchte, dem Mann die Waffe zu entreißen, streckte ihn der Geiselnehmer mit mehreren Schüssen nieder und ließ ihn schwer verletzt liegen.

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