Reise : Türkei boomt – mit all-inclusive

Ägypten und Tunesien bleiben günstig, und Griechenland gibt Prozente.

Florian Sanktjohanser
Izmir, eins der großen Ziele an der westlichen Ägäis.Foto: Ministerium für Tourismus
Izmir, eins der großen Ziele an der westlichen Ägäis.Foto: Ministerium für TourismusFoto: dpa-tmn

Die Türkei erlebt wirtschaftlich derzeit einen Aufschwung ohnegleichen und wird auch als Alternative zu anderen Touristenzielen am Mittelmeer immer wichtiger. Und in den Katalogen der Veranstalter bekommt das Land immer mehr Platz eingeräumt. Unübersehbar ist das in den Sommerprogrammen für 2012.

Thomas Cook und Neckermann beispielsweise haben das „größte Angebot aller Zeiten“ angekündigt, allein in Antalya können die Kunden 182 Hotels buchen, 28 davon sind neu. In Izmir und der westlichen Ägäis bietet Neckermann erstmals 40 weitere Hotels an. Alltours stockt von 209 auf 231 Hotels auf und hat Cesme neu im Programm, ITS legt erstmals einen eigenen Türkeikatalog mit 122 Hotels auf.

Dass die Türkei weiter boomt überrascht Karl Born nicht: „Das Land ist schön, es hat einen überproportionalen Anteil neuer Hotels mit großzügigen Zimmern und den höchsten All-Inclusive-Anteil aller Länder“, erklärt der ehemalige Tui-Manager, der heute einen Lehrstuhl für Tourismus an der Hochschule Harz in Wernigerode innehat. Beim deutschen Branchenführer Tui etwa ist bei 95 Prozent aller Hotelzimmer in der Türkei die Rundum-Verpflegung inbegriffen. Diese Kostenkontrolle wird den Urlaubern in Zeiten knapper Haushaltskassen immer wichtiger.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung am Bosporus klettern allerdings auch die Preise. Von den Branchenriesen senkt allein die Rewe-Pauschaltouristik mit den Marken ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen die Preise – um ein Prozent. Doch der Anstieg der Preise werde den Boom des Reiselands Türkei kaum bremsen, argumentiert Born. Ein Grund dafür seien die Probleme der Konkurrenten, die Urlauber auf die stabile Türkei ausweichen lassen: „Griechenland wird weiter in den Schlagzeilen sein, und Ägypten wird lange nicht auf 100 Prozent kommen“ – verglichen mit den Zahlen vor der Revolution.

Für Urlauber haben die gewaltsamen Umwälzungen in Nordafrika eine Schnäppchenzeit eingeläutet, die auch im Sommer 2012 andauern wird. Die Preise für Reisen ins Land der Pharaonen geben noch einmal etwas nach, in Tunesien bleiben die Preise weitgehend auf niedrigem Niveau, nur Alltours bietet Tunesienurlaub um 6,5 Prozent günstiger an als im zurückliegenden Sommer. Damit könnte die Talsohle aber erreicht sein, vermutet Born: „Für Tunesien kann man sagen: Billiger geht einfach nicht mehr.“

Während sich die Veranstalter in puncto Nordafrika einig sind in ihrer abwartenden Zurückhaltung, prescht Tui im krisengeschüttelten Griechenland voran. 39 zusätzliche Hotels bietet der Konzern vor allem auf Inseln wie Korfu, Rhodos, Mykonos oder Kreta an, Karpathos und Lesbos wurden mit 20 Häusern neu in den Katalog aufgenommen. Ein Grund dafür sei die Preisdisziplin der griechischen Hoteliers, erklärte Oliver Dörschuck, Bereichsleiter für die Mittel- und Fernstrecke. Dadurch stehe Griechenland trotz gestiegener Kosten und Steuern gut da im Vergleich zu den Konkurrenten Türkei und Spanien.

Ob das Wagnis der Tui sich auszahlt, hänge von den griechischen Arbeitern und Angestellten ab, sagt Born: „Der einzige Hemmschuh ist die Frage: Wie intensiv werden die Streiks im kommenden Sommer?“

Ganz andere Probleme könnte die Türkei mittelfristig bekommen. Die Reisebranche könnte ein Opfer ihres eigenen Erfolgs werden, warnt Born. Entlang der Küste sei enorm viel gebaut worden in den vergangenen Jahren – in einigen Gegenden vielleicht sogar zu viel. Florian Sanktjohanser

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