"Schwulentest" : Kuwait will Homosexuelle an Einreise hindern

Ein kuwaitischer Politiker will mit medizinischen Tests Schwule entlarven - und sie an der Einreise nach Kuwait und andere Golfstaaten hindern. Wie der Test aussehen soll, verriet der Politiker nicht - doch ein kritisches Youtube-Video skizziert makabre Ideen.

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Kuwait will Schwulentests einführen - das Netz reagiert mit empörten Videokarikaturen
Kuwait will Schwulentests einführen - das Netz reagiert mit empörten VideokarikaturenScreenshot: Tsp

Medizinische Tests für Ausländer sind im arabischen Raum keine Seltenheit. Wer in Ländern der Golfregion oder auch in Syrien länger arbeiten oder studieren will, muss zu Beginn einen Gesundheitstest absolvieren. Das ist für gewöhnlich eine rasche Routineuntersuchung und ein Aids-Test. Yussuf Mindkar, Direktor für öffentliche Gesundheit im kuwaitischen Gesundheitsministerium, reicht das jedoch nicht. Er möchte einen Test, der Homosexuelle "entdeckt", wie er der lokalen Tageszeitung "Al Rai" in einem Interview sagte.

"Wir müssen strengere Maßnahmen ergreifen", sagte Mindkar, "die uns helfen, Schwule zu entlarven, die wir dann an der Einreise nach Kuwait oder andere GGC-Staaten hindern können."

Im Golf-Kooperationsrat (GCC) sitzen neben Kuwait auch Bahrain, Katar, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. In allen Staaten ist Homosexualität verboten, die meisten ahnden ein Vergehen mit langjährigen Haftstrafen - Saudi-Arabien bestraft gleichgeschlechtliche Liebe gar mit der Todesstrafe. Mindkar will seinen Vorschlag für härtere Tests bei einem GCC-Treffen am 11. November offiziell vorstellen. Sollte der Vorschlag durchkommen, könnte die Schwulen-Grenzkontrolle auch im WM-Austragungsland Katar eingeführt werden. Homosexuellenrechtler fordern bereits die Fifa auf, die WM in Katar zu stoppen. Katar könnte so ähnlich in die Schusslinie geraten wie derzeit Russland.

"Nicht anständig" als Vermerk im Gesundheitspass

Wie genau sich Mindkar diese Tests vorstellte, sagte er nicht. "Al Rai" zitiert ihn lediglich mit der Idee, in Gesundheitszentren klinische Untersuchungen einzuführen, die "Homosexualle offenbaren" und ihnen eine Art Zertifikat auszustellen, auf dem "nicht anständig/nicht gemäß" vermerkt ist. Solch ein Test könnte auf - wie in Nordafrika üblich - Analuntersuchungen oder auch auf Phallografie basieren. Dabei wird der Blutdruck im Penis bei sexueller Erregung gemessen. Phallografien werden unter anderem an Asylbewerbern in Tschechien durchgeführt.

Ein Nachrichtensender aus Taiwan, Tomo News, reagierte schnell auf Mindkars krude Ideen - und bastelte ein animiertes Youtube-Video, in dem es nahelegt, wie auf kuwaitischen Flughäfen in Zukunft Schwule identifiziert werden. Das Böse am Video: Die Gewohnheit zum Händchenhalten stilisieren die Nachrichtenmacher zur tatsächlichen verkappten Homosexualität. Im Video suggerieren sie zuletzt, die Kuwaits hätten Angst vor den eigenen gleichgeschlechtlichen Gefühlen - und lassen Schwule orientalische Paläste mit Dildoraketen angreifen.

Erst im Mai hatten kuwaitische Polizisten 215 Schwule und Lesben in einer groß angelegten Razzia in mehreren Internetcafés festgenommen. Und im Jahr 2010 wurde die Ausstrahlung eines ägyptischen Films ("Bidun Rakaba" - Ohne Kontrolle) verhindert, der neben Drogengebrauch auch Homosexualität thematisierte.


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