Welt : Sicher verwahrt

Der Amokläufer von Ansbach kommt in eine Klinik

Der Angeklagte Georg R. am Donnerstag im Ansbacher Gerichtsgebäude. Foto: dpa
Der Angeklagte Georg R. am Donnerstag im Ansbacher Gerichtsgebäude. Foto: dpaFoto: dpa

Ansbach - Er plante ein aufsehenerregendes Massaker mit so vielen Toten wie möglich – wegen versuchten Mordes in 47 Fällen verurteilte die Jugendkammer des Landgerichts Ansbach den Schul- Amokläufer von Ansbach am Donnerstag zu neun Jahren Jugendhaft. Zudem ordnete das Gericht die Unterbringung des unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leidenden 19-Jährigen in einer Psychiatrie an – und das für eine unbestimmte Zeit.

„Dass es keine Toten gegeben hat, war lediglich dem Zufall zu verdanken“, sagte Richter Bernd Rösch. Der 19-Jährige schirmte sein Gesicht die meiste Zeit hinter einem schwarzen Ordner ab, die Kapuze seines Pullis tief in die Stirn gezogen. Nur für die Urteilsverkündung zu Beginn hatte er kurzzeitig die dunkle Sonnenbrille und den über den Mund gewickelten Schal abgenommen. Das Urteil nahm Georg R. ohne jede Regung zur Kenntnis.

Der Richter warf dem 19-Jährigen in seiner fast einstündigen Urteilsbegründung vor, dass dieser mit einem aufsehenerregenden Schulmassaker die Blicke der Welt auf sich habe ziehen wollen. Die Gründe für die Tat seien Hass auf sich selbst, die Schule und die Lehrer gewesen. Durch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus solle Georg R. verstehen, dass er ein abscheuliches Verbrechen begangen habe. Zudem sei er gefährlich für die Allgemeinheit. Mitleid mit den Opfern oder Reue hatte der 19-Jährige während des Prozesses nicht gezeigt.

Im September 2009 war der damalige Abiturient mit Molotowcocktails, Messern und einem Beil bewaffnet in seine Schule gestürmt. Im dritten Stock des Gebäudes warf er Brandsätze in zwei Klassenzimmer. Dann wartete er vor der Tür und schlug wahllos mit der Axt auf seine flüchtenden Mitschüler ein. Insgesamt 15 Menschen wurden verletzt. Polizisten stoppten den Amokläufer mit drei Schüssen auf der Jungentoilette. Dort hatte er kurz zuvor versucht, sich das Leben zu nehmen.

Immer wieder zitierte der Richter aus einem 86 Seiten langen, tagebuchähnlichen Dokument, das die Ermittler auf dem Computer des Amokläufers gefunden hatten. Darin hatte er berichtet, dass er sich von seinen Schulkameraden ausgegrenzt fühle. „Ich bin ein Looser, ich werde immer ein Verlierer und Außenseiter sein.“ Staatsanwalt Jürgen Krach warf Georg R. dagegen vor, dass dieser sich selbst isoliert habe. Krach beschrieb den Angeklagten als „eine arrogante Persönlichkeit, die zur Selbstinszenierung neigt“. Georg R. sei geprägt von beispiellosem Narzissmus. Die Schuld für seine Misere habe er nur bei anderen, aber nie bei sich gesucht. dpa

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