Studie : Porno- und Gewaltvideos werden übers Handy verbreitet

Jugendliche stehen auf dem Schulhof und tauschen Handy-Videos mit Gewalt- und Pornoinhalten. Diese Befürchtung vieler Eltern scheint bittere Realität zu sein.

Handy Foto: ddp
Gewaltvideos. Viele Kinder und Jugendliche können diese Bilder nicht verdauen und ängstigen sich. -Foto: ddp

Stuttgart/Hamburg Etwa 43 Prozent der Jugendlichen haben bereits Gewalt- oder Porno-Videos auf Mobiltelefonen gesehen. "In manchen Risikogruppen ist Gewalt auf Handys ein Alltagsphänomen", sagte die Stuttgarter Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Petra Grimm. Dargestellte und tatsächliche Gewalt seien in den Handyvideos vermischt. "Die Jugendlichen haben furchtbare Angst, selbst von Gewalttätern gefilmt und dadurch als Opfer abgestempelt zu werden." Grimm begründete diese Furcht mit der Verbreitung der Videos von Handy zu Handy und über das Internet.

In den vergangenen Jahren habe sich das "Mobile Bullying" ausgebreitet, bei dem Jugendliche in peinlichen Situationen aufgenommen werden, um die Bilder anschließend zu verbreiten. Als "Slapping" werden Grimm zufolge Videos bezeichnet, in denen Menschen ohne Grund geschlagen werden. Ebenfalls über Handy verbreitet werden unter dem Begriff "Snuffing" Aufnahmen von Morden und Vergewaltigungen. 93 Prozent der Jugendlichen haben der repräsentativen Umfrage zufolge bereits von solchen Videos gehört. "Diese verunsichernden Inhalte anzuschauen und weiterzugeben, ist eine Mutprobe", sagte Grimm. Es werde ein Tabu gebrochen - auch um sich von den Erwachsenen abzugrenzen. "Viele Kinder und Jugendliche können diese Bilder aber nicht verdauen und ängstigen sich."

Handlungsbedarf in Schulen

Besonders weit verbreitet seien Gewaltdarstellungen auf den Handys von jungen Männern mit geringer Bildung. Den problematischen Videos könne man nur entgegenwirken, wenn das Thema in den Schulen angesprochen werde, sagte Grimm. Nachholbedarf bestehe auch in den Familien: "Die große Mehrheit der Eltern hat bisher überhaupt kein Interesse daran, was auf den Handys ihrer Kinder gespeichert ist." Skeptisch äußerte sich die Kommunikationswissenschaftlerin zu Handyverboten an Schulen. "Ein von oben verordnetes Verbot hilft nicht", sagte Grimm. Gehe ein solcher Entschluss auf die Initiative von Jugendlichen zurück, könne er aber sinnvoll sein. Inzwischen sind auch Handys mit so genannter Jugendschutz-Funktion auf dem Markt: Empfang und Weitergabe von Gewalt- oder Porno-Filmen kann auf dem Gerät durch eine Sperre der Bluetooth-und Infrarot-Schnittstelle unterbunden werden. (mit dpa)

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