Südafrika : HIV-Test vor der Kneipe

Südafrikanische Ärzte gehen einen ungewöhnlichen Weg, um die Aids-Pandemie in den Griff zu bekommen.

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Beim HIV-Schnelltest ist je nach Hersteller das Ergebnis zwischen 5 und 30 Minuten ablesbar.
Beim HIV-Schnelltest ist je nach Hersteller das Ergebnis zwischen 5 und 30 Minuten ablesbar.Foto: dpa

„Zwei Bier und einmal testen!“ – in Südafrika könnten sich Kneipenbesucher möglicherweise bald einem HIV-Schnelltest unterziehen. Die Untersuchung in sogenannten „shebeens“, also heruntergekommenen, meist illegalen Kneipen, soll dabei helfen, die verheerende Aids-Epidemie zu bekämpfen.

„Wir suchten nach Orten, an denen wir junge Männer finden konnten und ,shebeens’ boten die perfekte Gelegenheit“, sagt Tony Moll, Leiter eines Krankenhauses in Südafrikas ländlicher Provinz KwaZulu-Natal. Gemeinsam mit der Aids- Wissenschaftlerin Sheela Shenoi von der Yale University School of Medicine verbrachte Moll seine Abende im vergangenen halben Jahr in Township-Kneipen. Die Mediziner wollten herausfinden, ob man tatsächlich eine mobile HIV-Klinik einrichten könnte. Es funktionierte: Von 503 befragten Besuchern stimmten mehr als 90 Prozent spontan einem Test zu. Das Ergebnis ihrer Studie stellten die Wissenschaftler vor Kurzem bei der südafrikanischen Aids-Konferenz in Durban vor.

Südafrikanische Medien bezeichnen das Land manchmal als „Epizentrum der weltweiten Aids-Pandemie“. Jeder achte Südafrikaner lebt mit dem HI-Virus. Dafür ist zum Teil die verheerende Aids-Politik von Ex-Präsident Thabo Mbeki verantwortlich. Zu Beginn seiner Regierungszeit von 1999 bis 2008 bestritt Mbeki den Zusammenhang zwischen HIV und Aids. Sein Gesundheitsministerium empfahl Patienten eine Diät aus Knoblauch, Roter Bete und Olivenöl. Tausende Tote und Neuinfektionen waren die Folge.

Südafrika kann in der HIV-Bekämpfung auf große Erfolge zurückblicken

Nachdem die Regierung HIV dann doch zum Schwerpunkt ihrer Gesundheitspolitik erklärte, kann Südafrika auf große Erfolge zurückblicken. 1,4 Milliarden Euro investiert sie jährlich in den Kampf gegen Aids. Das ermöglichte den weltweit größten Behandlungsplan, 3,4 Millionen Südafrikaner erhalten heute antiretrovirale Medikamente – etwa die Hälfte aller HIV-Patienten. Auch die Zahl der HIV-Toten konnte drastisch gesenkt werden: Waren vor zehn Jahren noch 48 Prozent aller Todesfälle auf HIV zurückzuführen, waren es zuletzt noch 28. Die kostenlosen Medikamente schufen eine neue Lebensqualität und verwandelten Aids von einem sicheren Todesurteil in eine weitgehend kontrollierbare Krankheit. Damit droht die Seuche jedoch zur schleichenden Epidemie zu werden.

Über Aids zu reden, ist in Südafrika vielerorts immer noch tabu. Mütter wagen nicht, ihre Kinder testen zu lassen, Aids-Patienten werden am Arbeitsplatz diskriminiert. Die Township-Kneipe hingegen, die so gut wie jeder Teenager in Armenvierteln einmal besucht, sei laut Moll als Testzentrum unverfänglich. Saubere Arbeitsbedingungen gewährleistet ein Kleintransporter vor den Kneipen, in dem die Jugendlichen aufgeklärt und getestet werden. „Wir haben es geschafft, HIV-Positive von einer Behandlung zu überzeugen. Das neutrale Umfeld einer Organisation war für sie akzeptabler als konventionelle Kliniken oder Krankenhäuser“, sagt Moll.

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