Welt : Verstreut in alle Welt

Der Schah-Besuch führte am 2. Juni 1967 zum Tod von Benno Ohnesorg. Was aus der Schah-Familie wurde

Christoph von Marschall[Andrea Nüsse],Andreas Oswald

Mohammad Reza Pahlavi

, der letzte Schah von Persien, provozierte mit seinem Besuch 1967 in Berlin Demonstrationen, in deren Folge am 2. Juni der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde. Der Schah war 1941 auf Druck der Briten und Sowjets an die Macht gekommen, die seinen Vater vertrieben hatten. Seine Herrschaft zeichnete sich durch autoritäre Politik sowie durch wirtschaftliche Reformen aus, mit denen er das Land modernisieren wollte. Die brutale Unterdrückung des Volkes, die kompromisslose Verfolgung von Intellektuellen sowie die systematische Folterung von Oppositionellen durch den Geheimdienst Savak führten 1979 zu einer allgemeinen Volkserhebung, in deren Folge Khomeini an die Macht kam. Der Schah flüchtete mit seiner Familie zunächst nach Ägypten, wo er 1980 nach seinem Tod mit einem Staatsbegräbnis beerdigt wurde. Sein Grab liegt in der Al-Rifai-Moschee in Kairo.

Cyrus Reza Pahlavi, der älteste Sohn und formal der Kronprinz von Iran, lebt in den USA, in Potomac, Maryland, vor den Toren Washingtons. Der 46-Jährige tritt selten öffentlich auf, hat jedoch mit wenigen markanten Interviews Position bezogen: Er ist vehement gegen das Mullahregime, lehnt aber eine Intervention von außen zu dessen Sturz ab. Der Wandel müsse von innen kommen. Er verlangt, dass die westlichen Staaten mehr tun, um die demokratische Opposition im Iran materiell und ideell zu unterstützen. Entsprechende Hilfszusagen des US-Präsidenten George W. Bush, er unterstütze einen „freien, demokratischen Iran“, hat Pahlavi 2006 mit Ironie und Skepsis kommentiert. „Das klingt fantastisch, nach Mutterglück und Apfelkuchen.“ Aber „wir müssen abwarten, auf welche konkrete Weise die US-Regierung die nötigen Schritte einleitet“. Ein „Regime Change“ in Teheran werde den Mittleren Osten sicherer machen. Die Mullahs seien „die Hauptkraft hinter der Gewalt in Irak, Libanon und Sudan“. Im Atomstreit betont er, Iran habe das Recht auf Zugang zur Nukleartechnik, dürfe sie aber nicht zur Bedrohung anderer Staaten einsetzen. Zur Frage einer Rückkehr zur Monarchie äußert er sich vorsichtig. Diese Entscheidung müsse das iranische Volk treffen. Er persönlich glaube, dass dem Land mit einer konstitutionellen Monarchie besser gedient sei als mit einer Republik. Geboren wurde er am 31. Oktober 1960. Ein Jahr vor der islamischen Revolution war er 1978 nach Amerika gekommen, um seine Ausbildung zu beenden: als Kampfpilot in Texas und im traditionsreichen Williams College in Massachusetts sowie an der Universität von Südkalifornien.

Farah Diba-Pahlavi war für die westliche Regenbogenpresse die Prinzessin Diana der 60er Jahre. Die glamouröse persische Kaiserin, nach Fausia und Soraya die dritte Ehefrau des letzten Schahs von Persien, begleitete ihn auf der Deutschlandreise 1967 und durfte sich damals in der „Neuen Revue“ über die Schönheiten ihres Landes und seiner Leute auslassen. Dies forderte wenig später Ulrike Meinhoff zu einem offenen Brief heraus, der mit den Worten „Guten Tag, liebe Frau Pahlavi“ begann und ihr völlige Unkenntnis der Leiden ihres Volkes vorwarf. Die 1938 im persischen Trabiz geborene Farah Diba stammt aus einer Offiziersfamilie. Sie studierte in Paris Architektur und heiratete 1959 Mohammad Reza Pahlavi, mit dem sie vier Kinder zeugte. Kurz nach der Deutschlandreise, im Oktober 1967, krönte sich ihr Ehemann selbst zum Kaiser und verlieh seiner Frau den Titel „Kaiserliche Gemahlin“. Damit habe er die Gleichberechtigung der Frauen unterstreichen wollen, schreibt Farah Diba-Pahlavi in ihren 2005 erschienenen „Erinnerungen“. Sie steht bis heute loyal zu ihrem Mann, dem sie ins Exil folgte. Farah Diba-Pahlavi lebt abwechselnd in den USA, Frankreich und in der ägyptischen Hauptstadt Kairo, wo sie noch einen Palast besitzt. Als Botschafterin des Unesco-Kinderbildungsprogramms war sie 2001 und 2002 erneut in Deutschland.

Masumeh Farahnaz Pahlavi, geboren am 12. März 1963, ist eine Tochter des Schahs und seiner Frau Farah Diba. Von den beiden Töchtern des kaiserlichen Paars ist sie die ältere. Sie studierte von 1980 bis 1981 an der Niavaran Special School in Teheran und am Cairo American College. Außerdem studierte sie ein Jahr am Bennington College in Bennington im US–Bundesstaat Vermont. An der Columbia University studierte sie Sozialarbeit. Sie lebt in New York und umsorgt kranke Kinder und alte Menschen.

Ali Reza Pahlavi, geboren am 28. April 1966, ist der jüngere Sohn. Er wäre der zweite in der Linie der Erbfolge des iranischen Throns gewesen. Er lebt in den USA, wo er unter anderem Philologie an der Harvard Universität studierte.

Leila Pahlavi wurde am 27. März 1970 geboren. Sie war das jüngste Kind des Kaiserpaares. Nach dem Tod ihres Vaters in Ägypten kehrte sie mit ihrer Familie wieder in die USA zurück und ging im US–Bundesstaat Massachusetts zur Schule. Sie studierte an der Brown University und schloss das Studium 1992 ab. Sie blieb unverheiratet und verbrachte Berichten zufolge viel Zeit mit Reisen. Sie litt offenkundig unter Magersucht und Depressionen. Die Mutter sagte, dass sie litt, weil sie den Tod des Vaters nie verkraften konnte. In einem Interview sagte Farah Diba später einmal, Leila sei ein Opfer der iranischen Revolution gewesen. Leila wurde am 10. Juni 2001 tot in einem Zimmer des Leonard-Hotels in London gefunden, in dem sie Stammgast war. Es handelte sich offenbar um Selbstmord, sie starb Berichten zufolge an einer Überdosis Tabletten. Sie wurde in Paris auf dem Friedhof Passy in der Nähe des Grabes ihrer Großmutter Ferideh Ghotbi begraben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben