Vorfall in Edel-Boutique in Zürich : Oprah Winfrey beklagt Rassismus

Oprah Winfrey fühlte sich in einer Edelboutique in Zürich von einer Verkäuferin rassistisch behandelt - die weigerte sich schlicht, ihr eine teure Tasche zu zeigen. Das erzählte die US-Talkmasterin in einem Interview. Jetzt bemühen sich die Schweizer um Schadensbegrenzung.

Alison Haywood
War für die Hochzeitsfeier von Tina Turner in Zürich zu Besuch. Oprah Winfrey.
War für die Hochzeitsfeier von Tina Turner in Zürich zu Besuch. Oprah Winfrey.Foto: REUTERS

Die US-Talkmasterin Oprah Winfrey ist nach eigenen Angaben in einem Geschäft in Zürich rassistisch behandelt worden. Das schilderte sie in zwei TV-Interviews. In der Edelboutique „Trois Pommes“ in der Altstadt wollte sie sich eine Tasche näher ansehen. Die Verkäuferin habe sich aber geweigert, die 35 000-Franken-Tasche aus dem Schrank zu holen. „Die Frau sagte: ,Nein, diese Tasche ist zu teuer, ich zeige Ihnen eine andere’“, sagte Winfrey in der Talkshow von US-Moderator Larry King.

Oprah Winfrey hat ein geschätztes Vermögen von zwei Milliarden Dollar

Winfrey, deren Vermögen auf zwei Milliarden Doller geschätzt wird, war in der Schweiz wegen der Hochzeit der US-Sängerin Tina Turner, die am Zürichsee lebt. Sie habe zweimal nachgefragt, ihre gewünschte Tasche näher anzusehen - beide Male wurde ihr das verweigert. Sie habe sich überlegt, einen Aufstand zu machen und ihre schwarze Kreditkarte auf den Tisch zu knallen. „Ich wollte zurückgehen, alles kaufen und sagen ,Großer Fehler’“, verriet sie in der Larry King-Show. Aber sie habe darauf verzichtet, weil sie daran gedacht habe, dass die Verkäuferin Provision bekomme und habe das Geschäft verlassen.

Auf Twitter hat die Geschichte Kritik und auch Spott ausgelöst: „Ich wette, der Filialleiter war begeistert als er herausfand, wen genau sie aus dem Laden hat gehen lassen.“ Vielen Usern erscheint auch unbegreiflich, dass die Verkäuferin die berühmte US-Moderatorin nicht erkannt habe: „Oh, da lebt einer aber unter einem Felsen...“

Den Schweizern ist der Vorfall, über den in aller Welt berichtet wird, äußerst unangenehm. Daniela Baer von der Schweiz Tourismus hat sich entschuldigt, und der Twitter-Account von Schweiz Tourismus hat „wir schäumen vor Wut" sowie eine Entschuldigung gepostet.

„Trois Pommes“. Die Edel-Boutique von Trudi Götz in Zürichs Altstadt.
„Trois Pommes“. Die Edel-Boutique von Trudi Götz in Zürichs Altstadt.Foto: dpa

Winfrey hat die Boutique in ihren Interviews nicht genannt, aber der Name steht trotzdem überall online: Trois Pommes. Der Laden wird häufig auf Twitter beschuldigt, die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) hat den Vorfall als „PR-Desaster für die Schweiz“ bezeichnet.

Die Ladenbesitzerin Trudi Götz empfängt viele Prominente aus aller Welt

Inhaberin Trudi Götz, die viele Prominente aus aller Welt in ihrem Geschäft empfängt, versucht, sich zu verteidigen. Nach einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) hat Götz den Vorfall als ein klassisches Missverständnis bezeichnet. „Wer will eine 35 000 Franken Tasche nicht verkaufen?“, fragte sie. Die Verkäuferin habe die Moderatorin nicht erkennt, und wolle ihrer Kundin bloß weniger teure Alternativen aufzeigen, weil sie beim Nennen des Preises ein „schlechtes Gewissen“ bekommen habe. Es habe sich weder um Rassismus noch um herablassendes Verhalten gehandelt. Ihr Verkäuferinnen sollten jeden Kunden gleich behandeln und nicht nach dessen Aussehen bewerteten, sagte sie. Sie werde die Verkäuferin nicht entlassen, weil sie sich korrekt verhalten habe, sagte Trudi Götz.

In der Altstadt von Zürich sind viele Verkäuferinnen überheblich

Andreas Finke, stellvertretender CEO und Einkäufer beim Modehaus Gassmann, kann sich nicht vorstellen, dass es sich hier um Rassismus gehandelt haben soll. Herablassendes Benehmen aber habe er in Zürich auch selber schon erlebt, erzählte der der „NZZ“. Dies sei aber nichts Zürich-Spezifisches. „Es gibt überall Läden, wo man gemustert wird.“ Auch könne er sich nicht vorstellen, dass Trudi Götz ihre Mitarbeiterinnen nicht schule, er kenne sie als sehr offene Frau. Es sei ja schließlich auch kein Zufall, dass die Unternehmerin seit Jahren so erfolgreich sei.

Stars und Sternchen
Entertainer Hape Kerkeling (50) war nach eigenen Worten nie wirklich gern im Fernsehen. „Ich bin ausgelutscht worden von der Unerbittlichkeit, ich war auch viel zu oft im Fernsehen“, sagte Kerkeling dem „Spiegel“. „Und wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich mich wohlgefühlt habe in meinen Shows, dann lautet die Antwort: nein.“ Schon 1984, als er für eine Show das erste Mal ein Fernsehstudio betreten habe, habe er ans Aufhören gedacht. „So gern ich das gemacht habe, so skurril fand ich den Umgang, den manche Menschen miteinander pflegten. Ich hatte nicht vermutet, dass es beim Fernsehen so zugeht, wie ich dachte, dass es nur beim Militär geschehe.“ Ihm sei deswegen bereits damals klar gewesen: „Das mache ich nicht ewig. So schnell ich kann, will ich da wieder raus. Und das waren halt jetzt 30 Jahre.“ (dpa)Weitere Bilder anzeigen
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05.12.2015 12:14Entertainer Hape Kerkeling (50) war nach eigenen Worten nie wirklich gern im Fernsehen. „Ich bin ausgelutscht worden von der...

In der Tat ist schwer vorstellbar, dass bei Trudi Götz, die seit Jahren auf allen Prominentenbällen der Welt zu Gast ist und zusammen mit Oprah Winfrey auf der Hochzeitsfeier von Tina Turner war, Rassismus eine Rolle spielen könnte. Was aber eine Rolle spielen könnte, ist die Überheblichkeit, mit der in den edlen Geschäften der Zürcher Altstadt Kundinnen behandelt werden. Immer wieder gab es Klagen darüber.

Für Christoph Poupon, Direktor von Grieder, ist klar, dass so etwas nicht passieren darf. „Jeder Kunde hat dasselbe Recht“, sagte er der „NZZ“. Es sei wichtig, das Personal regelmäßig zu schulen, um solche Situationen zu verhindern. Er glaube aber, dass Götz, die ja auf Top-Level arbeite, sich dessen bewusst sei. Gewiss höre man von gewissen Kunden, sie seien in diesem oder jenem Laden schlecht behandelt worden, man müsse aber auch nicht jedes Gerücht für bare Münze nehmen. „Es wird viel geredet, hinter vielem steckt aber auch nichts.“

Die teure Kroko-Tasche, die Oprah Winfrey kaufen wollte, ist laut „Blick“ mittlerweile verkauft – an eine andere Kundin. (mit dpa)

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