Waldbrände : Sydney von Feuer umzingelt

Ungewöhnlich hohe Temperaturen heizen die Flammen rund um die australische Stadt Sydney an. Die Brandsaison beginnt in diesem Jahr zwei Monate früher als gewöhnlich.

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Das Feuer frisst sich durch die Wälder.
Das Feuer frisst sich durch die Wälder.Foto: dpa

Schon am frühen Nachmittag wurde es dunkel in Sydney, die Sonne quälte sich mit Mühe rotglühend durch die Wolken, bis hin zum Pazifik regnete es Asche. Die schwersten Buschfeuer rund um Australiens größte Stadt seit mindestens zehn Jahren haben etwa 100 Häuser niedergebrannt. Ein Mann wurde getötet. Der öffentliche Verkehr kam fast komplett zum Erliegen, nur der Umsicht der Bevölkerung und dem Einsatz von tausenden Freiwilligen war es zu verdanken, dass nicht mehr Menschen zu Schaden kamen.

Experten befürchten das Schlimmste

Ungewöhnlich hohe Temperaturen bis zu 34 Grad Celsius im australischen Frühling sowie heftiger Wind und Luftfeuchtigkeit von unter zehn Prozent hatten die Brände angefacht und die Feuerfronten in rasender Schnelle vordringen lassen. Die zuständigen Behörden befürchten das Schlimmste für den jetzt kommenden Sommer, nachdem schon der Winter so warm und trocken wie noch nie war. Buschfeuer sind in Australien an sich nichts Ungewöhnliches, normalerweise brennt es aber erst im Hochsommer kurz vor und nach Weihnachten und auch dann nur selten so schlimm wie jetzt.

Die Vier-Millionen-Stadt Sydney war komplett von Feuern umringt. Außerdem war dort die Luft so schlecht, dass Asthmatiker gewarnt wurden, ihre Häuser nicht zu verlassen. Selbst an den berühmten Pazifikstränden in Bondi und Manly mehr als 50 Kilometer von den Feuern entfernt rieselte Asche ins Meer.

Der neue Premierminister ist gelernter Feuerwehrmann

Der neue Premierminister Tony Abbott klopfte den Einsatzkräften am Freitag auf die Schulter. „Wir können froh sein, solche Leute zu haben und Familien, die sie unterstützen und sie die Arbeit machen lassen, wenn es nötig ist.“ Abbott weiß, wovon er redet: Der durchtrainierte Marathonläufer ist selbst freiwilliger Feuerwehrmann. Noch am vergangenen Sonntag ließ er das Regieren sein und saß in voller Montur in einer Feuerwache, bereit, beim ersten Alarm mit seinen Kollegen auszurücken. An dem Tag blieb es allerdings ruhig.

Nach und nach kam am Freitag auch Hilfe aus weiter entfernten Gegenden, neben den Bodentruppen wurden Dutzende Hubschrauber und Flugzeuge eingesetzt. Am schlimmsten wüteten die Feuer in den Blue Mountains, die die geografische Ostgrenze Sydneys bilden. Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, bis zum frühen Abend waren Schüler in ihren Schulen eingeschlossen, weil die Zufahrtswege gesperrt waren. Nach dem durch Feuer und Rauch unheimlich-spektakulären Sonnenuntergang am Donnerstag sanken dort die Temperaturen zwar drastisch, so dass sogar Pullover aus den Schränken geholt werden mussten. Der weiterhin heftige und drehende Wind machte es für die Feuerwehren aber extrem schwierig, Herr der Flammen zu werden.

Das Kohlerevier ist von Flammen bedroht

Kritisch sah es auch lange Zeit in Newcastle nördlich von Sydney aus. Der Flughafen der siebtgrößten australischen Stadt musste geschlossen werden, zeitweise drohten die Feuer auf die gewaltigen Kohlehalden überzugreifen, die nahe dem Hafen auf ihren Export per Schiff warten. Das nahe gelegene Hunter Valley ist eine der wichtigsten Kohle produzierenden Gegenden Australiens. Im Süden Sydneys sah es kaum besser aus, auch dort waren Straßen stundenlang gesperrt, Pendlern wurde geraten, gar nicht erst zu versuchen, den Heimweg von ihren Arbeitsplätzen in Sydney anzutreten. Ein Ende der Gefahr ist noch nicht abzusehen, nach kühleren Tagen soll es bereits am Sonntag oder Montag wieder deutlich über 30 Grad heiß werden, und Regen ist weiterhin nicht in Sicht.

Und all das mehr als zwei Monate bevor die Feuersaison normalerweise erst beginnt. Die schlimmsten Buschbrände der australischen Geschichte seit Beginn der europäischen Besiedlung vor 225 Jahren hatten im Februar 2009 im Bundesstaat Victoria 173 Menschenleben gekostet, mehr als 2000 Häuser waren bei Temperaturen von 45 Grad und mehr zerstört worden.

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