• Wenn in Kreuzberg plötzlich alle gleich aussehen: Der Hipster - bärtig, cool, verachtet

Wenn in Kreuzberg plötzlich alle gleich aussehen : Der Hipster - bärtig, cool, verachtet

Der Hipster ist ein urbanes Mysterium – immer ganz vorne und idealer Prügelknabe seiner Vorgänger. Viele hassen ihn, Webseiten machen sich über ihn lustig und jetzt wurde auch noch ein Buch über ihn geschrieben.

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In einem Werbespot zeigt Honda Hipster, deren Anführer alle Insignien hat – spirreligen Vollbart, dicke Brille, den richtig gewickelten Schal. Den Hut trägt der andere. Screenshot: YouTube
In einem Werbespot zeigt Honda Hipster, deren Anführer alle Insignien hat – spirreligen Vollbart, dicke Brille, den richtig...Screenshot: YouTube

Es ist wie bei Spießern, Strebern und Touristen. Hipster – das sind immer die anderen. Niemals man selbst. Was genau Hipster aber überhaupt definiert, darüber gehen die Meinungen grantiger Berliner auseinander. Sind sie nur ein paar unsichere, harmlose Witzfiguren mit Röhrenjeans, Jutebeuteln, riesigen Hornbrillen, albernen Schnauzern und Sieben-Tage-Bärten? Sind sie konsumgeile, selbstverliebte Kultursnobs, die mit Papis Kohle die Mieten in Neukölln, Kreuzberg und dem Wedding in die Höhe treiben? Substanzlose Totengräber der Berliner Subkultur?

Fest steht: Über die heißesten Bars, Clubs und Klamottendesigner Bescheid zu wissen ist cool, aber Hipster zu verachten ist cooler. Der New Yorker Künstler Jeff Greenspan stellte kürzlich in Brooklyn Fuchsfallen für Hipster auf, als Köder dienten pinkfarbene Ray-Ban-Sonnenbrillen und analoge Kameras. Blogs wie „Look at this fucking Hipster“ führen besonders groteske Exemplare vor.

Die Berliner Blogger von spreeblick.com geben angehenden Hipstern spöttische Ratschläge wie: „Bücher sind die einzige Möglichkeit, gebildet zu wirken, da jedes Gespräch zu Arbeit (sofern man eine hat) oder Studium (sofern man überhaupt noch hingeht) als uninteressanter Spießer-Small-Talk abgewertet wird. Daher sollten vor allem Nietzsche und Kerouac gelesen und zitiert werden.“ Und im Schaufenster einer Galerie in der Neuköllner Weserstraße hing monatelang eine Notiz, auf der stand: „Sorry, no entry for hipsters from the U.S.“ Menschen, die amerikanische Hipster imitieren, sowie spanische Hipster und Touristen sollten ebenfalls draußen bleiben.

Woher kommt diese Figur, die sich über kaum mehr als ihren Klamottengeschmack und ihr Konsumverhalten definieren lässt? Und wieso ist sie so sagenhaft unbeliebt? Der nun erschienene Sammelband „Hipster – eine transatlantische Diskussion“ versucht, dieses urbane Mysterium in Essays, Vorträgen und Interviews zu ergründen. Schwierig – der Herausgeber Mark Greif, ein New Yorker Literaturprofessor und Autor, bekennt bereits im Vorwort: „Jeder Versuch, die Hipster zu beschreiben, ist letztlich zum Scheitern verurteilt, weil darin am Ende nie alle die Hipster wiedererkennen, denen sie selbst begegnet sind.“

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