Werbinich : Frauenquote? Ja, bitte!

Ruth Appel[16 Jahre]

Mehr Frauen in Deutschlands Chefetagen – das wäre sicher nichts Schlechtes, da sind sich Personalchefs und Feministinnen mal einig. Aber wie soll das gehen? Hilft nur eine gesetzlich festgelegte Frauenquote oder soll weiter auf freiwillige Vereinbarungen zwischen Politik und Wirtschaft gesetzt werden? Qualität soll der entscheidende Faktor bei der Stellenvergabe sein. „Wer gut ist und etwas kann, der braucht nicht quotengeschützt zu werden“, sagt Christian Schmidt, Unternehmer und ehemaliger Mitarbeiter bei der Weltbank.

Ich stimme völlig zu, dass vor allem Qualität zählen muss – aber wie kann man das Problem ohne Quote lösen, wo auf freiwilliger Basis in den letzten zehn Jahren nicht viel geschehen ist? Dazu kommt eine Erkenntnis aus der Personalpolitik, die es eher unwahrscheinlich macht, dass sich die Sache von selbst regelt: Männer stellen bevorzugt Männer ein.

Kann es vielleicht sein, dass die Frauen unterschätzt werden? Gängigen Vorurteilen zufolge mangelt es Frauen an Härte und authentischem Auftreten. Allzu viel Gelegenheit, das zu widerlegen, haben Managerinnen bei momentan etwa zehn Prozent Frauen in den Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen und drei Prozent in deren Vorständen allerdings noch nicht bekommen.

Es widerspricht meinem gesunden Menschenverstand, dass nur drei Prozent der Frauen fähig sein sollen, Vorstandsmitglied zu sein, während 97 Prozent der Männer das können, auch wenn sie in Schul- und Studienzeiten nicht unbedingt die Nase vorn hatten.

Fehlende Kitaplätze, ein beschränktes Rollenbild und unflexible Arbeitszeiten – da muss überall angesetzt werden, die Chancengleichheit wird nicht zu Unrecht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe bezeichnet. Vielleicht könnte eine Quote das Bewusstsein unserer Gesellschaft stärken, dass Frauen dasselbe Recht auf Top-Positionen haben wie ihre männlichen Kollegen und dass in ihnen ein riesiges Potenzial steckt.

Denn ich bin mir sicher, dass Frauen ein Unternehmen ebenso gut leiten können wie Männer. Eine völlig andere Frage ist, ob Frauen überhaupt diese Führungsposten haben wollen. Meist spielt in unserer Gesellschaft für Frauen die Familie eine größere Rolle. Ich bezweifle eher, dass es Frauen so unbedingt ganz an die Spitze drängt wie Männer.

Dass es auch anders geht und wir in Europa in der Gleichberechtigungsfrage nicht immer nur auf der Stelle treten, zeigen die Einführung einer Frauenquote von 40 Prozent in Frankreich und geschichtsträchtige Personalentscheidungen, zum Beispiel diejenige, die Simone Bagel-Trah im Jahr 2009 zur ersten Aufsichtsratsvorsitzenden eines Dax-Unternehmens machte. In Norwegen wurde übrigens bereits 2003 eine Frauenquote von 40 Prozent für Aufsichtsräte eingeführt und wird sowohl von der Wirtschaft als auch von der dortigen Regierung als Erfolg bezeichnet.

Ruth Appel, 16 Jahre

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