Max Koffler : Der Seoul-Star

Max Koffler? Nie gehört! Sollte man aber, der Mann ist in Korea ein Held. Wie man es von einer Schulband zum Mädchenschwarm eines Landes schafft

Philipp Hauner
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Unser Mann in Korea. Max Koffler, Sänger/ Songschreiber aus Berlin.Foto: Mike Wolff

Und dann war Max Koffler plötzlich nach all den Jahren am Ziel. Mit seiner Band stand er auf der Bühne, griff zum Mikrofon, tausende Fans waren in die Zitadelle in Spandau gekommen, gut, nicht nur seinetwegen, aber sie applaudierten und feierten ja auch ihn, den Sänger der „Seoulmates“. Anschließend trat der große Neil Young auf, sein Idol, „der Held meiner Helden“. Und für einen kurzen Moment war es so, als wäre Max da angekommen, wo er schon immer hinwollte: auf dem Olymp des Rocks.

Ein paar Tage später. Max Koffler sitzt im Café „Sankt Oberholz“ am Rosenthaler Platz in Mitte. Die Leute an den Nebentischen starren auf ihre schneeweißen Laptops, schreiben ihre Blogs, pflegen die Facebook-Seiten und Myspace-Profile. Und niemand interessiert sich für ihn, den Sänger mit dem knallroten Bart. In einem koreanischen Café wäre das anders, da hätten Groupies längst seinen Tisch umgerannt und ihn etliche Male fotografiert. In Südkorea ist Max ein Star.

In Deutschland kennt man vielleicht seinen Bruder, Hanno heißt der. Ein talentierter Jungschauspieler, der mit 23 Jahren in „Anatomie 2“ mitspielte und jetzt in „Krabat“ zu sehen ist, der im Oktober in die Kinos gekommen ist.

Mit Hanno hat Max früher in einer Jugendband gespielt, Kerosin nannte die sich, da waren sie 15, 16 Jahre alt. Max wollte klingen wie Kurt Cobain oder Pearl Jam, verwegen, wild und impulsiv. Und er machte das ziemlich gut. Kerosin spielte bald nicht mehr nur in Stendal in der Schule, sondern vor vielen hundert Leuten in den Clubs und bei Skaterfestivals, wo gestandene Bands wie Such A Surge zu den Gitarren griffen. Und als Kerosin beim wichtigen Nachwuchsfestival „Emergenza“ in Berlin das Finale gewann und beim anschließenden Europa-Wettbewerb Zweiter wurde, war die Hoffnung groß, dass es von nun stetig bergauf gehe.

Allein das war schon beachtlich, doch es ging nicht richtig weiter. Max war Mitte 20, und plötzlich – als niemand mehr ernsthaft mit ihm rechnete – , veränderte sich sein Leben radikal. „Einfach nur aus Spaß“ sang er bei dem Gaudi-Wettbewerb „Korea sucht den Superstar“ der koreanischen Botschaft in Berlin mit. Weil der Botschafter seine Interpretation des fernöstlichen Liedes „Auf dem Hügel“ so gut fand, durfte er damit in der Berliner Urania auftreten.

Irgendwer hatte von diesem Konzert Videos gemacht, und die fanden ihren Weg im Dschungel des Internets nach Südkorea. Dort verbreiteten sie sich in Windeseile. Im Nu dominierte der Wahlberliner die Videoblog-Charts auf der fernöstlichen Halbinsel. Er wurde ins Land eingeladen und hatte Auftritte im größten Vergnügungspark der 11-Millionen-Metropole Seoul und in der koreanischen Staatsoper. Der staatliche Fernsehsender KBS drehte eine Dokumentation über ihn und strahlte ihn zur besten Sendezeit aus. Und es wurde immer bizarrer: In der demilitarisierten Zone an der Grenze zu Nordkorea sang Max, der Sänger aus Stendal, schließlich „Unser Wunsch Ist Wiedervereinigung“.

Was für ein Tempo! Irgendwie ging alles so schnell von Stendal bis nach Seoul, dass ihnen ganz schwindlig wurde. In Deutschland wartet der Sänger noch auf seinen Durchbruch. Er wurde zwar schon mit Chris Martin von Coldplay verglichen und lieferte den ein oder anderen Soundtrack für einen Kinostreifen – zum Beispiel „Ganz und Gar“ oder „Sommertraum“ –, das ganz große Ding, so wie in Korea, ist es aber noch nicht. Wenn man Max Koffler nach seinem Erfolg in Korea fragt,sagt er: „Mir sagten sie immer, ich sei so authentisch.“ Vielleicht ist es aber auch einfach dieses ausgesprochen hobbithafte an seinem Wesen, das die technikbesessenen und schnelllebigen Koreaner an ihm mögen. Diese Gelassenheit, die er ausstrahlt. Ob es nicht schmerzhaft sei, dass er in in seiner Heimat unbekannt ist? „Nein“, sagt er, „man muss eben Demut lernen.“

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