Mobbing auf dem Schulhof : Sprüche, Schläge und Schikane

Werden deutsche Schüler tatsächlich gemobbt? Gibt es einen Spießrutenlaufen auf dem Schulhof? Wir haben nachgefragt.

Miriam Mogge, Niklas Konrad
Foto: © Mike Wolff, TSP

Ich habe mit Freunden nach Schulschluss aus Spaß gekämpft. Ganz plötzlich mischten sich vier fremde Jungs mit Migrationshintergrund ein und schlugen heftig zu. Einige Sozialpädagogen meiner Schule haben die Schlägerei beobachtet, jedoch nicht eingegriffen. Es gab sogar ein Video. Aber das durfte ich nie ansehen, da meine Lehrer meinten, es sei zu brutal. Rückblickend habe ich eine dicke Lippe, ein blaues Auge und eine Erfahrung mehr davongetragen. Die Sozialpädagogen wurden kurz nach dem Vorfall entlassen. Joe, 12
Ich war unterwegs auf der Straße, als mir eine Gruppe Türken entgegenkam. Es fielen die üblichen Sprüche: „Was guckst du so“ und „Deutsche Kartoffel“. Als sie dann anfingen, meine Mutter zu beleidigen, und mich einen Hurensohn nannten, schimpfte ich zurück. Daraufhin drohten sie mir mit einem Messer. Es ist nichts weiter passiert, trotzdem nehme ich seitdem lieber ein Pfefferspray mit, wenn ich irgendwo hingehe. Matthias, 15
Es war kurz nach Schulschluss, so gegen drei. Ich stand an einer Haltestelle und wartete auf den Bus. Zwei junge Araber kamen auf mich zu und fragten nach der Uhrzeit. Ein Trick, vor dem wir in der Schule bereits gewarnt wurden: Jemand fragt nach der Uhrzeit, man schaut auf’s Handy oder die Uhr und dann wird man abgezogen. Also beschloss ich, auf die Uhr an der Haltestelle zu schauen. Auch ein Fehler. Einer der beiden trat mich in Höhe meiner Hosentasche, wo sich mein Handy befand. Er beschimpfte mich als Lügner, weil ich nicht auf meine Handyuhr geschaut hätte. Mein Mobiltelefon wechselte den Besitzer. Robin, 16
Ich war nach der Schule auf dem Heimweg, saß wie immer im Bus. Irgendwann stieg eine Gruppe ausländischer Jungs und Mädchen ein. Sie sagten, ich solle aufstehen, einer von ihnen wollte seine Füße hochlegen. Ich wollte meinen Platz nicht räumen. Daraufhin entstand ein sinnloser Streit. Er endete damit, dass einer der Jungs eins der Mädchen aufforderte, mich zu schlagen – er selbst schlage keine Frauen. Das Mädchen trug Ringe an jedem Finger, es gab mir eine Backpfeife. Unmittelbar danach stoppte der Bus, der Fahrer kam nach hinten und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich spürte ein Messer in meiner Seite und schwieg. Später kamen mir Tränen. Nora, 16
Die Deutschen übertreiben vollkommen. Die heulen immer gleich rum und gehen zu ihren Eltern oder Lehrern. Ist doch normal, dass mal ein Spruch kommt oder Jungs sich schlagen. Deutsche Jugendliche nehmen immer alles gleich so ernst. Aber es ist auch logisch, dass viele Ausländer in der Schule sauer auf ihre deutschen Mitschüler sind: Sie werden von den Lehrer bevorzugt und bekommen bessere Noten. Zugeben würde das natürlich keiner. Aber als Ausländer merkt man das sehr deutlich. Gamze, 14
Klar bin ich auf dem Schulhof auch schon von ausländischen Mitschülern beleidigt worden. Die üblichen Sprüche, ich habe mich daran gewöhnt. Mir ist aufgefallen, dass die Beleidigungen oft nicht persönlich sind, sondern eher allgemein: Viele meiner Mitschüler mit Migrationshintergrund sind der Meinung, dass es hier in Deutschland nicht so gut sei wie in ihrem Heimatland. Außerdem habe ich beobachtet, dass Jugendliche wegen unsinniger Sachen geschlagen oder beleidigt werden. Die Aggressionen gehen meist von Arabern oder Türken aus und richten sich gegen Deutsche. Vielleicht wollen sie zeigen, wie stark sie sind. In der Grundschule war es schlimmer als in meiner jetzigen Schule. In meiner neuen Klasse sind auch mehr Deutsche als in der Grundschule. In den Medien hört man immer wieder, dass Migranten mehr Probleme machen als deutsche Jugendliche. Ich empfehle allen, Beleidigungen einfach zu ignorieren. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich habe auch Freunde unter Migranten. Es sind ja nicht alle gleich. Fabian, 13
„Scheiß Deutsche!“ oder „Guck mal wie die aussieht!“ wurde mir schon oft von Klassenkameraden zugerufen. Es war sehr verletzend. Auch Beleidigungen wie „Guck mal, Klauerland!“ habe ich schon gehört, das soll wohl auf meine polnischen Verwandten abzielen. Mein Bruder hat ebenfalls Gewalt in der Schule erlebt – körperlich und verbal. Warum die das machen, weiß ich auch nicht. Vielleicht aus Spaß? Einmal habe ich gesagt, dass sie sich selbst angucken sollen. Hat nichts geholfen: Sie haben weitergemacht und nicht aufgehört. Meine Mutter hat mir empfohlen, bei Beleidigungen nicht hinzuhören. Ich kann allen nur raten: Nicht reagieren, einfach weiterlaufen und nicht hinterherschauen! Michelle, 13

Aufgezeichnet von Miriam Mogge und Niklas Konrad.

130 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben