Modeblogger : Mädchen in Mode

Jana Strohbücker und Vanessa Schümmelfeder betreiben den Stilblog „Midgnight Couture“.

Alisa Reimer
Blickpunkt Mode. In der zehnten Klasse starteten Vanessa Schümmelfeder (links) und Jana Strohbücker ihren Blog. Mit Fotos von sich selbst in immer neuen Lieblingsoutfits.
Blickpunkt Mode. In der zehnten Klasse starteten Vanessa Schümmelfeder (links) und Jana Strohbücker ihren Blog. Mit Fotos von sich...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ein perfekter Sommertag in Berlin:Der Himmel ist postkartenblau, die Sonne strahlt wie ein Scheinwerfer, das Thermometer klettert auf 30 Grad. Wir sind verabredet mit Jana Strohbücker und Vanessa Schümmelfeder, und der Ort, den die beiden Modebloggerinnen vorgeschlagen haben, komplettiert die Inszenierung unseres Treffens: die Dachterrasse vom Hotel de Rome am Bebelplatz in Mitte. Hier wollen sie sich mit uns über ihren Alltag zwischen Mode und Studium unterhalten. Und, natürlich, über ihren Blog.

Zwei zarte Gestalten nähern sich dem Strandkorb in der Ecke. Die 19-jährige Jana trägt ein weißes Etuikleid mit tiefem Rückenausschnitt, die 20-jährige Vanessa ist mit ihrem schwarzen Trägerchen das farbliche Pendant. Modetechnisch ist nichts dem Zufall überlassen.

„Midnight Couture“ heißt der Modeblog, den Jana Strohbücker und Vanessa Schümmelfeder seit dreieinhalb Jahren betreiben. Bereits zu Schulzeiten entdeckten sie ihre gemeinsame Leidenschaft für schöne Outfits. Daran wollten sie auch andere teilhaben lassen. Die Schülerinnen posteten Fotos von sich in ihren Lieblingsoutfits, aber auch von kleinen Details, die sie modisch inspirierten. Blumen zum Beispiel. Oder bunte Luftballons. Wegen der schönen Farben.

Mittlerweile haben Vanessa und Jana Leser aus aller Welt, ihre Bilder kommentieren sie in Englisch. Mehr als 1000 User besuchen Midnight Couture täglich, monatlich wird die Seite mehrere zehntausend Mal aufgerufen. Zahlen, die sich sehen lassen können. „Es hat sich einfach immer weiter entwickelt“, sagt Jana und schaut einen dabei selbstbewusst mit ihren blauen Augen an.

Dabei gab es am Anfang nicht mehr als eine Kamera, ein paar Ideen im Kopf und rudimentäres Basiswissen über HTML-Programmierung. Vanessa und Jana waren damals in der zehnten Klasse und betrieben ihren Blog parallel zur Schule. Mittlerweile ist dessen Existenz aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken, auch wenn die beiden Freundinnen nach dem Abitur getrennte Wege eingeschlagen haben: Jana studiert International Business Management an der Berlin School of Economics and Law, Vanessa Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft an der Freien Universität.

Das Studium rückt dieser Tage aber in den Hintergrund. Der Grund: die Fashion Week. An den Laufstegen werden sich die Fotografen drängen, um die neuesten Trends, die schönsten Gesichter und die gewagtesten Outfits abzulichten. Nicht weniger aufregend geht es drum herum zu. Halb Berlin gibt sich dem großen Moderausch hin, und das ist das Metier der Fashionblogger. Sie interessiert, was sich im Alltag modemäßig auf den Straßen abspielt. Was die Leute wirklich tragen, ungeachtet des Diktats unbezahlbarer Designer.

Für Vanessa und Jana ist die Modewoche längst Routine. „Als wir im Sommer 2009 die erste Einladung zur Fashion Week bekamen, war das eine ziemlich große Sache für uns“, erzählt Jana. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ihr Blog nicht mehr nur ein geliebtes Hobby, er besaß nun Relevanz. Kurz darauf wurden die beiden zu einer Show in Paris eingeladen – mussten aber schweren Herzens absagen. In der Schule standen Klausuren an, da konnten sie nicht fehlen.

Heute müssen die Modebloggerinnen ihre Arbeit mit Vorlesungen, Seminaren und Hausarbeiten koordinieren. Und mit anderen Hobbys. Vanessa tanzt nebenbei Ballett, geht täglich zum Training. Gerade erst hatte sie eine Aufführung. Übers Tanzen lernte sie auch Jana kennen, da waren beide noch Kinder.

Wie wird man erfolgreicher Modeblogger? Ein überdurchschnittliches Mitteilungsbedürfnis und ein gesundes Selbstbewusstsein sind schon mal gute Voraussetzungen. „Unser Blog ist sehr persönlich, und das nicht nur bezüglich der Mode, die wir zeigen“, sagt Vanessa. Und Jana ergänzt: „Es sind ständig Fotos von uns im Internet, da muss man mit sich im Reinen und mit seiner Person zufrieden sein. Fotos von sich selbst zu machen, gehört nun mal zum Bloggen dazu.“

Den Alltag aufmerksam zu beobachten, gehört ebenfalls dazu. So wie hier auf der Dachterrasse. Während Jana von ihrer Arbeit spricht, macht Vanessa Fotos von dem Lavendel, der links neben ihr leuchtet. Kurz darauf hat sie das Bild auch schon auf der Facebook-Seite von Midnight Couture gepostet. Dazu ein Schnappschuss des Eistees, der vor ihnen auf dem Tisch steht. Man merkt: Da sind routinierte Profis am Werk. Für das Fotografieren investieren sie täglich nur noch eine Stunde, hinzu kommt jedoch die Zeit für Themenrecherche, Auswahl und Bearbeitung der Motive.

Geld verdienen die beiden Studentinnen noch nicht mit Midnight Couture. Doch darum geht es ihnen auch nicht. Die eigene Überzeugung ist ihre tägliche Motivation. Klar leben erfolgreiche Blogs von der Werbung, die auf ihren Seiten platziert werden. Bei Jana und Vanessa ist das jedoch bewusst nicht der Fall. Das Aufploppen von Anzeigen würde kaputt machen, was ihren Blog auszeichnet: seine Intimität.

Wie lange das noch so gehen wird, lassen die beiden offen. Klar ist, dass Blogger Trends setzen und viel näher dran sind am realen Modegeschehen als als elitäre Magazine. Die Arbeit der Blogger fängt da an, wo die der Moderedakteure aufhört: im eigenen Kleiderschrank, auf der Straße, in den Clubs und Bars. Ihrem Gespür für Trends, ihrem Stilbewusstsein folgen tausende junger Mädchen. Sie bieten lebensnahe Orientierung in einer kaum zu überschauenden Welt. Das macht Bloggerinnen so interessant für Designer und Trendscouts. Und für Werbekunden.

Knapp anderthalb Stunden sind vergangen, der Eistee ist ausgetrunken. Vanessa und Jana verabschieden sich, die Zeit drängt. Nicht wegen des Blogs oder der Fashion Week. Jana muss am Abend noch eine Chinesisch-Klausur schreiben.

www.midnightcouture.de

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