Werbinich : Tipps aus der Wirtschaft für die Bildung

22 Schulleiter lassen sich von Managern beraten

Katja Gartz

„Wie ich meine Kollegen motiviere, habe ich nie gelernt“, sagt Volker Gand, Schulleiter des Oberstufenzentrums Bürowirtschaft in Steglitz. Um seinen Schulbetrieb zu verbessern, ist er offen für Ratschläge von außen. Seit drei Monaten tauscht er sich regelmäßig mit Jens Hendrikx vom Beratungsunternehmen MLP aus. Dabei erfährt der Schulleiter viel über Kommunikation und Strukturen in Unternehmen, und der Manager lernt eine Schule von innen kennen. Beide engagieren sich ehrenamtlich.

Einen Ratschlag hat Gand bereits in die Tat umgesetzt: Die Konferenzen in dem Oberstufenzentrum werden nicht mehr frontal abgehalten, sondern Schulleitung und Lehrer sitzen in U-Form zusammen. „Die Kommunikation hat sich seitdem verbessert“, berichtet Gand. Er ist einer von 22 Berliner Schulleitern, die seit September an dem Programm „Partners in Leadership“ des Vereins Bildungscent, einer Initiative von Herlitz, teilnehmen.

Das Programm startete 2005 in Brandenburg. Ziel ist, die Direktoren bei der Schulentwicklung und Verbesserung der Schulqualität durch die Vermittlung von Managementkompetenzen zu unterstützen. „Auch Schulleiter sind Führungskräfte, die zunehmend wie Manager für Entwicklung und Personalführung zuständig sind“, sagt Silke Ramelow, Vorstandsvorsitzende von Bildungscent. In der vergangenen Woche trafen sich die Partner zu einem ersten Erfahrungsaustausch in den Räumen der Deutschen Bank. Einig sind sich die Teilnehmer darin, dass Motivation, Teamarbeit und Feedback nicht nur in Unternehmen, sondern auch bei Führungskräften in Schulen gefördert werden sollten.

Besonderen Beratungsbedarf haben Schulleiter in den Bereichen Schülergewinnung, Schulstruktur und Personalführung. Zu Beginn der Partnerschaften werden Themen ausgewählt und häufig erst einmal die Stärken und Schwächen analysiert. „Wir müssen in der Organisation neue Wege gehen, der Fokus auf Schule reicht nicht mehr“, berichtet Jürgen Vinzelberg. Durch die Fusion des Linus-Pauling-Gymnasiums mit dem Nelly- Sachs-Gymnasium leitet er in Köpenick eine Schule mit 1085 Schülern und 85 Lehrern. Zur besseren Übersicht riet ihm Programmpartnerin Elke Schwedmann von der Deutschen Bank, ein Organigramm zu erstellen. Von der Partnerschaft erhofft sich Vinzelberg Anstöße für die Präsentation seiner Schule, die er inmitten von Plattenbauten attraktiver machen will.

Auch Gerd Combecher von der Kurt-Tucholsky-Grundschule in Moabit will über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Einmal monatlich setzt er sich zwei Stunden mit der Unternehmensberaterin Martina Roloff von der KPMG zusammen, um sich über Teamentwicklung und Mitarbeitermotivation auszutauschen. „Die Treffen sind sehr anregend, sie geben Unterstützung und neue Ideen“, sagt er. Combecher plant Teamräume für regelmäßige Fachbesprechungen, zusätzliche Arbeitsräume für Lehrer sowie Rückzugsmöglichkeiten, damit sie mal ein paar Minuten abschalten zu können. Zur gegenseitigen Wertschätzung werden die Kollegen künftig dazu aufgefordert, ihren Schulleiter zu beurteilen. Partnerin Roloff ist interessiert daran, Schule nicht nur als Elternteil zu erleben, sondern auch hinter die Kulissen zu schauen. Sie wünscht sich mehr Anerkennung für die Leistung von Schulleitern und Lehrern, die sich für gute Schulqualität einsetzen.

Weitere Info: www.bildungscent.de

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