Wie Jugendliche die Zukunft sehen : Um Facebook kommt man nicht herum – leider

Soziale Netzwerke sind ein notwendiges Übel: einerseits wahnsinnig praktisch, andererseits ein schwarzes Loch für persönliche Daten. Das Leben sollte offline stattfindet, sagt Ruth, 18:

So könnte Ruths Profilfoto aussehen - falls sie sich entschließt, einen Account bei Facebook einzurichten.
So könnte Ruths Profilfoto aussehen - falls sie sich entschließt, einen Account bei Facebook einzurichten.Foto: privat

Noch bin ich nicht bei Facebook registriert, und das habe ich in den letzten Jahren mehr und mehr zu spüren bekommen. Da kommt es schon mal vor, dass Freunde meinen Geburtstag vergessen, weil er nun mal nicht wie alle anderen angezeigt wird. Oder dass – wenn überhaupt – nur entnervt eine altmodische E-Mail an alle „Facebooklosen“ geschrieben wird.

Nicht bei Facebook zu sein, heißt, sich ein Stück weit auszuschließen. Bestimmte Veranstaltungen werden über das Netzwerk geplant, manche Neuigkeit erfährt man in der Schule erst am nächsten Morgen, während sie bei Facebook schon Stunden diskutiert wurde.

Kommunikation läuft viel über das Internet – das wird in Zukunft vermutlich so bleiben oder sich noch verstärken. Es ist eben unheimlich praktisch, eine schnelle Verbindung zur ganzen Welt, sofern ein uneingeschränkter Internetzugang vorhanden ist. Und man kann nicht nur Texte veröffentlichen, sondern auch Fotos, Videos oder sonstige Dateien „teilen“. Um nicht hinterher zu sein, getrieben vom Gruppenzwang, möchte ich eigentlich gern beitreten. Gerade wenn ich zum Studium ins Ausland gehe, will ich auch die Fotos von Freunden sehen können, die in die Welt hinausziehen. Ich möchte von Bekannten wiedergefunden werden, die nach meinem Profil suchen oder es zufällig entdecken.

Aber auch nur eigentlich. Denn andererseits will ich nicht der Masse folgen. Die Nachteile von „sozialen“ Netzwerken stellen für mich ein großes Problem dar. Je weiter sich Kommunikation ins Internet verlagert, desto weniger findet sie im Leben offline statt. Das will ich nicht. Meine Daten möchte ich nicht fragwürdigen Datenschutzrichtlinien unterwerfen und keine Zeit damit verschwenden, die Profile irgendwelcher Leute zu durchstöbern, die ich sowieso nie kennenlernen werde.

Am wenigsten will ich Teil einer „globalen Gemeinschaft“ sein, in der ich die ganze Zeit auf möglichst viele „Likes“ hoffe und mich so darstelle, wie es den anderen gefällt.

Ruth Appel, 17 Jahre

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