Amazon Fresh : Amazon startet Online-Supermarkt in Berlin

Der US-Onlinehändler Amazon greift nun auch den Lebensmittelhandel an. Amazon Fresh liefert nun in Berlin und Potsdam.

von und Oliver Voss
Start von Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh in Berlin: Mitarbeiter packt Kühltaschen in Amazons Warenlager in Tegel
Start von Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh in Berlin: Mitarbeiter packt Kühltaschen in Amazons Warenlager in TegelFoto: null

Seit Wochen wird darüber spekuliert, wann Amazon seinen Angriff auf den Lebensmittelhandel in Deutschland startet. Zuletzt hatte Post-Chef Frank Appel die Gerüchteküche angeheizt. Bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Freitag bestätigte Appel, dass die Post die Logistik für den Onlineriesen übernehmen werde. Nun ist es soweit.  

„Wir starten heute mit Amazon Fresh in Teilen von Berlin und Potsdam“, sagt Florian Baumgartner, der den Lebensmittellieferdienst in Deutschland leitet. 85.000 Artikel bietet Amazon in seinem Online-Supermarkt an, von Getränken über Milch und Butter bis hin zu frischen Lebensmitteln. „Kunden können ihren kompletten Wocheneinkauf online erledigen“, verspricht Baumgartner. Tatsächlich kann Amazon mit der Auswahl punkten: Ein gut sortierter Supermarkt hat im Schnitt nur 12.000 Produkte im Angebot.

Die Übersicht (zur besseren Ansicht aufs rote Kreuz klicken).
Die Übersicht (zur besseren Ansicht aufs rote Kreuz klicken).Grafik: Tsp

Zudem kooperiert der US-Konzern mit mehr als 25 Berliner Händlern, darunter die Kaffeerösterei Sagers, Lindner Esskultur, das Schokoladenhaus Rausch, Zeit für Brot oder Basic. Deren Produkte werden auch ins Sortiment aufgenommen.

Amazon arbeitet außerdem mit der Supermarktkette Tegut zusammen, von der auch Eigenmarken verkauft werden. Die beiden Unternehmen kooperieren schon seit einiger Zeit, denn im Bereich „Amazon Pantry“ werden schon länger Artikel des täglichen Bedarfs, wie Zahnpasta aber auch Konserven und andere haltbare Lebensmittel verkauft.  

Amazons Lebensmittellager steht in Tegel

Doch nun kommt noch eine große Auswahl an frischen und gekühlten Waren dazu. Die Produkte werden in einem großen Depot in Tegel gelagert. Geliefert werden sie von der Post-Tochter DHL, die markanten hellgrünen Amazon-Fresh-Transporter wird man daher hierzulande erst einmal nicht sehen. In Seattle, wo die Zentrale von Amazon liegt, sind die Fahrzeuge im Stadtbild schon sehr präsent. Dort ist das Angebot bereits 2009 gestartet und inzwischen in 20 Regionen verfügbar. Im Vorjahr startete Amazon Fresh auch in London, vergangene Woche dann auch in Japan.

Das deutsche Angebot wird nun zunächst in Teilen von Berlin verfügbar sein. Wo überall und wo nicht, wollte Amazon nicht sagen, interessierte Kunden müssen die Verfügbarkeit über die Eingabe ihrer Postleitzahl prüfen.  In Abhängigkeit vom Feedback der Nutzer solle das Liefergebiet schrittweise ausgeweitet werden.

Ausweitung nach München?

Die nächste deutsche Stadt, in der Amazon Fresh startet, könnte dann München sein. Dort baut der Konzern seit einiger Zeit ein Logistikzentrum, laut Insidern mit Kühlbereich und ebenfalls als Lebensmitteldepot geplant. Zudem bietet Amazon seit einiger Zeit in München und Berlin Kunden seines Express-Lieferservices Prime Now bereits eine kleine Auswahl frischer und gekühlter Produkte an.

Wie das Angebot angenommen wird, muss sich zeigen. In kaum einem Land ist der Einzelhandel so umkämpft wie in Deutschland. „Die Messlatte im Lebensmitteleinzelhandel liegt sehr hoch“, räumt Baumgartner ein. Und bislang tun sich die Online-Anbieter schwer. Besonders aktiv ist Rewe, doch der Dienst macht auch fünf Jahre nach dem Start noch Verluste.

Zusatzkosten von 9,99 Euro für Amazon Fresh

Die deutsche Geiz-ist-Geil-Mentalität macht sich bei Lebensmitteln besonders bemerkbar, der Druck der Einkäufer und Discounter auf die Händler sorgt immer wieder für Konflikte. Ob bei Milchpreisen oder zuletzt als Edeka im Streit mit Mars verschiedene Produkte aus den Regalen verbannte.

Inwieweit Kunden bereit sind für die Bequemlichkeit der Lieferung in die Tasche zu greifen, muss sich zeigen. „Ich bin sicher, dass wir gute und wettbewerbsfähige Preise anbieten“, sagt Baumgartner. Wer den Dienst nutzen möchte, muss Kunde des kostenpflichtigen Dienstes Amazon Prime sein. Zudem müssen die Premiumkunden eine Zusatzgebühr von 9,99 Euro pro Monat zahlen. Dafür fallen bei sämtlichen Bestellungen über 40 Euro keine weiteren Lieferkosten an. Für Einkäufe unter diesem Mindestbestellwert werden zusätzliche Liefergebühren in Höhe von 5,99 Euro fällig.

Bestellungen bei 12.00 Uhr mittags sollen noch am selben Tag geliefert werden. Bei einer Bestellung bis 23.00 kommt die Waren am kommenden Tag in einem ausgewählten Zwei-Stunden-Fenster.

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