Ausbildungsmarkt : Berlin: Jeder dritte Azubi schmeißt hin

Viele der Ausbildungsplätze in Berlin bleiben unbesetzt - umso schmerzlicher ist es, dass jeder dritte Azubi seine Lehre abbricht.

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Grafik: Reinheckel

Trotz aller Anstrengungen, die Betriebe inzwischen unternehmen, um Auszubildende zu gewinnen: eine nicht unerhebliche Zahl von ihnen verlieren sie noch während der Lehre wieder. 17 923 junge Menschen haben 2012 in Berlin eine Berufsausbildung begonnen. Der Statistik zufolge wird jeder dritte sie abbrechen. Mit 33,4 Prozent liegt in der Hauptstadt der Anteil derjenigen, die ihre Lehre nicht ordnungsgemäß abschließen, wesentlich höher als im Bundesschnitt. Im Handwerk ist es sogar fast jeder zweite, der hinwirft. Angeführt wird die Negativhitliste laut einer Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung vom Friseurhandwerk

In Brandenburg liegt die durchschnittliche Abbrecherquote bei 29,9 Prozent. „Anteilig lösen immer mehr Auszubildende in der Region ihre Verträge vorzeitig“, heißt es bei der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg. Allerdings: „Nicht jeder Abbrecher steht danach auf der Straße“, sagt ein Sprecher der Handwerkskammer Berlin. Vor allem die Fülle an Möglichkeiten in der Stadt führe zu einer ungewöhnlichen hohen Fluktuation. „Wenn ein besonders schicker Friseurladen in Prenzlauer Berg eröffnet, wollen alle angehenden Friseure dahin und bewerben sich aus der Lehre heraus.“ Aber es gebe Azubis, „die ihren Wunschjob in einer anderen Branche bekommen und deshalb aufhören“, sagt man beim DIHK.

Gerd Woweries von der IHK Berlin kritisiert: „Die Berufsorientierung ist an den allgemeinbildenden Schulen noch sehr mangelhaft.“ Zu viele junge Menschen wüssten überhaupt nicht, worauf sie sich einlassen, wenn sie einen Vertrag mit einem Arbeitgeber abschließen, und verlören dann schnell die Lust. Projekte wie „Vera“ zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen vom Bundesverband der Freien Berufe sollen Abhilfe schaffen. Sie vermitteln Mentoren, die unzufriedene Anfänger beraten. „Da tut sich viel“, sagt Woweries von der IHK. „Das Problem wird angepackt.“

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund weist man darauf hin, dass trotz Verbesserungen die Vergütung in vielen Ausbildungsbetrieben sehr gering sei. „Zum Teil kann man bei H&M an der Kasse mehr verdienen als in vielen Handwerksbetrieben.“


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