Berliner IHK baut "Bildungsbrücken" : 15 Millionen Euro für den Nachwuchs

Die Berliner IHK hat viel Geld in der Kasse - und gibt es aus für die Zukunft der Stadt: 23 Bildungsprojekte für Jugendliche, Flüchtlinge und Uni-Absolventen.

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Da geht es zur Bildung: Die Berliner IHK-Präsidentin Beatrice Kramm freut sich über das Engagement ihrer Kammer.
Da geht es zur Bildung: Die Berliner IHK-Präsidentin Beatrice Kramm freut sich über das Engagement ihrer Kammer.Foto: dpa

Wo Wachstum ist, da entstehen zusätzliche Einnahmen, und wo Geld ist, da ergeben sich Verteilungsspielräume. Auch für die Industrie und Handelskammer zu Berlin, die seit einigen Jahren von der besonderen wirtschaftlichen Dynamik in der Stadt profitiert und deshalb auch die Beiträge ihrer Mitglieder kürzen konnte. Auch 2014 stand eine entsprechende Entscheidung an, „es gab viel Geld im Topf“, erinnert sich Beatrice Kramm an die komfortable Situation. Kramm, damals in der Vollversammlung der Kammer, ist inzwischen Präsidentin, und in dieser Funktion präsentierte sie am Donnerstag „eines der bedeutendsten Projekte der IHK in den letzten Jahren“. Mit dem Geld aus dem Topf baut die Kammer so genannte Bildungsbrücken; 15 Millionen Euro fließen in 23 Projekte zur Förderung der beruflichen Bildung, in den Wissenstransfers aus der Wissenschaft in die Wirtschaft sowie in die Integration von Flüchtlingen.

In Berlin fehlen Zehntausende Fachkräfte

Das Ganze ist aller Ehren wert und doch auch im Eigeninteresse der IHK und ihrer Mitglieder, wie Kramm betonte. Zehntausende Fachkräfte fehlten, jeder 20 Arbeitsplatz sei unbesetzt. „Wir haben das Thema schon lange auf der Uhr“, sagte Kramm. Durch das starke Wachstum der Berliner Wirtschaft haben sich das Problem noch verschärft.
„Berliner Berufsrouten“ nennt sich eines der Projekte, das mit Hilfe einer App Schülerinnen und Schüler durch die Stadt führt und zu bestimmten Ausbildungsberufen respektive -betrieben lotst. Bis zu 40 Berufe werden von Schülern in der App erklärt, und zwar in der Sprache der Schüler. „Jugendliche haben Probleme, aus ihrem Kiez rauszukommen“, sagte Nihat Sorgec vom Bildungswerk Kreuzberg, dem Projektträger. Mit Hilfe der neuen App soll das nun klappen – und die Schüler mit einem vertrauten Medium zu potenziellen Ausbildungsbetrieben navigiert werden. Gut 500 000 Euro steckt die IHK in das Projekt, Ende August kann die App runtergeladen werden.

Für die Chemiker wird ein Container-Labor gebaut

Eine andere Zielgruppe hat das Container-Labor InKuLab (Inkubator-Labor für Gründungsvorhaben), das an der TU angesiedelt ist. „Zwischen dem Uni-Abschluss und der Gründung eines Unternehmens brauchen die Leute Platz", sagte Professor Reinhard Schomäcker von Institut für Chemie an der TU. Und zwar Platz in einem Labor, das mit den Geräten ausgestattet ist, die Gründer aus dem Bereich Life Science oder Nachtechnologie brauchen. Mit rund einer Million Euro aus dem IHK-Topf entsteht nun ein Container-Labor auf dem Campus, und erste Interessenten gibt es auch: Uni-Absolventen, die stichfeste Handschuhe für Chirurgen aus selbstheilendem Material entwickeln wollen, oder andere, die an einer Blindenschrift für das Smartphone- oder Tablet-Display arbeiten.

120 Bewerbungen gingen ein

Alles in allem sind bei der IHK 280 Projektskizzen eingegangen, 120 blieben als echte Bewerbungen übrig, wovon nun 23 gefördert werden, darunter sind vier Projekte für Flüchtlinge. Hierbei geht es um Übergänge in die berufliche Ausbildung an zwei Oberstufenzentren und zu höherer Bildung an der Kiron University. Ferner um einen „persönlichen Navigator“ beim Gang durch den Alltag und die Erwerbswelt in Berlin sowie schließlich das internationale Gründerzentrum. 25 Prozent der Flüchtlinge, darauf wies Kramm hin, sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, und deren Integration funktioniere am besten über Bildung und Arbeit. „Wir wollen Bildungsbrücken bauen und dabei Leuchttürme schaffen“ , sagte die IHK-Präsidentin. Weitere Informationen zu den Projekten gibt es unter www.ihk.berlin.de/bildungsprojekte.

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