Heik Afheldt trifft … : Bernhard A. Sabel, Hirnforscher

Bernhard A. Sabel (52) ist Neurowissenschaftler, Professor für Medizinische Psychologie und Gründer einiger Unternehmen im Bereich Biomedizin und Medizintechnik. Er stammt aus Trier.

Er arbeitet im doppelten Sinne mit dem Kopf. Der mir gegenüber gehört einem jugendlich-sportlichen, dynamischen und offenherzigen Herrn, mit legerem Auftreten, intensiven dunklen Augen und dunkelbraunem Haarschopf. Darunter verbirgt sich, was der international erfahrene und renommierte Wissenschaftler, Professor der Medizin und Doktor der Psychologie – mit einer langen Liste von Publikationen – erforscht: Das menschliche Gehirn. Neurowissenschaften nennt man das.

Hier ist der jüngste von fünf Geschwistern aus einem streng katholischen Elternhaus in Trier auf der Suche nach Schnittmengen zwischen Körper und Geist. Wie ist er zu dieser Leidenschaft gekommen? Schon mit 16 Jahren hat der damalige Gymnasiast transzendentale Meditation für sich entdeckt. Computer und Gehirn wurden die bestimmenden Themen. Neugier, Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin seien auch durch den Wettbewerb mit seinen Geschwistern belebt worden, meint er. Medizin wollte er eigentlich studieren, aber ein Zufall – das Treffen mit einem Psychologieprofessor in Trier – leitete ihn auf die „richtige Bahn“ und zwei Jahre später an die für Hirnforschung renommierte Clark-University in den USA, an der auch Freud gelehrt hat. Mit einer Unterbrechung durch zwei Jahre an der Uni Düsseldorf hat er dort gelernt, geforscht – und auch geheiratet. Von seiner Zeit am MIT hat er die Lust zum Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in die Wirtschaft mitgebracht. Möglichst viele Patente anzumelden und Firmen zu gründen, gehörte zum Ehrgeiz-Kanon der Forscher dort. Er nennt mehr als zehn Patente und Firmengründungen wie Nova Vision, Nanodel oder auch ZENIT, das Gründerzentrum für Biowissenschaften an der Uni Magdeburg, wo der unternehmerische Professor nach seinen „Lehrjahren“ an der Uni München heute wirkt.

Die jüngste „Geburt“ unter dem Namen EBS Technologies GmbH fand Ende 2007 in Kleinmachnow statt. Acht Beschäftigte arbeiten in einem Joint Venture mit der Charité an „nicht invasiven Gehirnstimulationen zur Beseitigung von Sehbehinderungen und Sprachstörungen“. Ein zunehmend wichtiges Feld nicht nur in der Unfallmedizin. Weit mehr als drei Millionen Euro Venture-Capital haben sie eingeworben. Nun suchen sie noch Patienten, um die Entwicklung vermarktbarer Instrumente zu befördern. 2011 rechnen der Gründer und seine zweite Frau, die als Betriebswirtin die geschäftliche Seite betreut, mit ersten Verkäufen. Als weiteres Zukunftsfeld visieren sie Hirntrainingprogramme übers Internet an.

Persönlich trainiert und reaktiviert der vielbeschäftigte Professor sich durch Meditation, Segeln, im Fitnessstudio und bei Konzerten. Seine eigene Geige hat der Spross einer bekannten Komponistenfamilie schon länger „gut eingepackt“. Sein Energielieferant bleibt die Meditation, die eine tiefere Ruhe vermitteln könne als Schlaf und ein Schlüssel zur Kreativität sei. Angst und Sorge vor Versagen seien hohe Hürden vor innovativen Lösungen!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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