Momox-Gründer Christian Wegner : Der Buchverkäufer mit dem goldenen Händchen

Christian Wegner verdient sein Geld mit gebrauchten Medien. Die Geschäftsidee entwickelte der Berliner Unternehmer aus der Arbeitslosigkeit heraus. Inzwischen beschäftigt er 280 Mitarbeiter. Ein Porträt, erschienen in Berlin Maximal.

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Lebt davon, was andere Menschen lesen, hören und schauen: Momox-Gründer Christian Wegner.
Lebt davon, was andere Menschen lesen, hören und schauen: Momox-Gründer Christian Wegner.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Bücher, so weit das Auge reicht. In langen Gängen füllen sie die Regale, einige Meter weiter stehen Tausende von CDs, DVDs, Computer- und Videospielen. Mitarbeiter packen in der 8000 Quadratmeter großen Halle in Neuenhagen bei Berlin Pakete aus, prüfen, registrieren und sortieren die Waren. Andere bearbeiten Bestellungen und packen gewünschte Bücher und CDs für den Versand wieder ein. Am Halleneingang bringt ein mit Paketen gefüllter Laster Nachschub. Monatlich werden rund 750.000 Artikel gebracht, rund 500 000 wieder verschickt. In der Halle, in der früher Teile von BMW gelagert wurden, befindet sich seit Herbst 2010 das Logistikzentrum des Online-Unternehmens Momox, das gebrauchte Medien an- und verkauft.

Die Geschäftsidee für sein Unternehmen entwickelte Gründer und Geschäftsführer Christian Wegner quasi aus der Not heraus. Der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann aus Fürstenwalde arbeitete ein Jahr nach seiner Ausbildung bei einer brandenburgischen Holzfirma. Als nach einem befristeten Arbeitsverhältnis wieder nur ein befristeter Vertrag in Sicht war, entschied sich Wegner 2003 für einen Neuanfang. Er schrieb eine Handvoll Bewerbungen und war erstaunt, dass er nicht sofort einen neuen Job fand. Als Arbeitsloser spazierte er durch Kreuzberg, kaufte bei einem Trödler spontan ein paar antiquarische Bücher, die einigermaßen wertvoll und antik aussahen, und bot sie bei Ebay an. „An die Titel kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich wurde sie zum zehnfachen Preis wieder los“, berichtet der 32-Jährige in Jeans und schwarzem T-Shirt.

Wegner begeisterte sich schnell für seine Idee. Ohne Investor und mit einem Eigenkapital von 1500 Euro machte er sich nach fünf Monaten Arbeitslosigkeit selbstständig. Er kaufte erst Bücher, dann auch CDs und DVDs auf und verkaufte sie bei Ebay und später auch bei Amazon weiter. Als ihm der logistische Aufwand für Einzelkäufe zu aufwändig wurde, begann er, ganze Kisten bei Ebay zu erwerben und die Produkte einzeln weiterzuverkaufen. Wegner, der am liebsten am Rechner arbeitet, entwickelte sich zum An- und Verkaufsspezialisten mit gutem Blick für lukrative Angebote und stellte zur Verstärkung halbtags seinen ersten Mitarbeiter ein. Als das Angebot im Internet nicht mehr genug hergab, entwickelte Wegner eine Online-Plattform, um gebrauchte Produkte aufzukaufen.

Berlin Maximal, das Wirtschaftsmagazin des Tagesspiegels, erscheint ab sofort in neuem Layout.
Berlin Maximal, das Wirtschaftsmagazin des Tagesspiegels, erscheint ab sofort in neuem Layout.Foto: promo

Im Mai 2006 startete sein Medien-Ankaufsshop Momox im Internet. Leute, die ihre Büchersammlungen, CD- und DVD-Regale ausmisten wollen, geben den ISBN-Code oder die Barcode-Nummer des Artikels auf der Webseite ein und akzeptieren den angezeigten Ankaufspreis. Das Porto für den Versand übernimmt Momox, ab sechs Artikel wird das Paket kostenlos zu Hause abgeholt. „Das Buch ‚Herr der Ringe’, das millionenfach auf dem Markt ist, bringt nur ein paar Cent“, berichtet der zweifache Familienvater. Hingegen würde sich der Verkauf von CDs alter Rock-Klassiker eher lohnen. Um die Artikel weiterzuverkaufen, gründete Wegner zusätzlich das Tochterunternehmen Medimops.

Seit 2006 verdoppelt sich der Umsatz jährlich. Momox beschäftigt 280 Mitarbeiter und erzielte im 2010 einen Umsatz von 25 Millionen Euro. Das Unternehmen wächst weiter. Eine weitere Halle mit ebenfalls 8000 Quadratmetern Lagerfläche ist bereits geplant. Um die Investitionen stemmen zu können, wurde im vergangenen Jahr ein Investor hinzugezogen, der sich an dem Unternehmen beteiligt. Dem Geschäftsführer Christian Wegner gehören seitdem 67 Prozent von Momox.

Der Unternehmer engagiert sich auch sozial. Rund 50.000 Bücher spendete er an das christliche Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“, dazu gab es eine Kinderbuchlesung in der Kulturbrauerei, bei der junge Schauspieler aus ihren Lieblingsbüchern vorlasen. Außerdem können die Nutzer von Momox einen Teil ihres Verkaufserlöses an Bildungsprojekte spenden und ihren Paketen beschädigte CDs und DVDs beilegen. Die Momox- Mitarbeiter übergeben diese einem Recycling-Unternehmen. Christian Wegner genießt es, sein eigener Herr zu sein, und hat seine Rolle als Unternehmer gefunden. „Es macht Spaß, Ideen zu verwirklichen und zu sehen, wie die Firma wächst“, sagt Wegner, der zwölf bis 14 Stunden täglich arbeitet. An neuen Ideen mangelt es ihm nicht. Demnächst gibt es bei Momox auch Mobiltelefone, Tablet PCs, Spielkonsolen und Fotoapparate.

Der Artikel ist erschienen in der aktuellen Ausgabe von Berlin Maximal, dem Wirtschaftsmagazin des Tagesspiegels.

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