Tempelhof : Ein Hafen zum Einkaufen

Direkt am Wasser eröffnet am Mittwoch in Tempelhof ein Shoppingcenter mit 70 Läden und Restaurants. So soll die Kaufkraft im Bezirk bleiben.

Cay Dobberke
Shoppingcenter
70 Geschäfte haben sich in dem Center angesiedelt. -Foto: Mike Wolff

Für den Tempelhof-Schöneberger Bürgermeister Ekkehard Band (SPD) ist die Sache klar: Das neue Shoppingzentrum Tempelhofer Hafen bringe einen „Entwicklungsschub“ für den Bezirk, es werde „Leben ausstrahlen“ und so auch den angrenzenden Tempelhofer und Mariendorfer Damm aufwerten. Außerdem werde der „Kaufkraftabfluss“ in andere Einkaufszentren – vor allem in die Neuköllner Gropius-Passagen und die Center an der Steglitzer Schloßstraße – gestoppt. „Damit erfüllt sich ein jahrzehntelanger kommunalpolitischer Traum.“

Heute eröffnet das Handels- und Dienstleistungszentrum nach knapp zweijähriger Bauzeit – mit einer einzigartigen Wasserlage am Teltowkanal und 70 Geschäften und Restaurants. Die Hauptmieter sind C & A, Media Markt, H & M und das erste Berliner „Edeka E-Center“ – ein außergewöhnlich großer Lebensmittelmarkt mit 4200 Quadratmetern.

Als „Bereicherung der Centerlandschaft“ und „städtebaulich sehr interessante Lösung“ lobt Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen vom Handelsverband das Projekt. Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer ist das Shoppingcenter ein wichtiger Beitrag zur Modernisierung des Tempelhofer Damms. Dieser werde „seiner Rolle nicht mehr gerecht“ und sei „von anderen Stadtteilzentren überholt worden“, sagt Jochen Brückmann, IHK-Bereichsleiter für Infrastruktur und Stadtentwicklung.

Rund 100 Millionen Euro haben die Bauherren HLG (Münster) und IKB-Bank (Düsseldorf) investiert, um aus der Brache, die zuletzt als Schrottplatz diente, ein Vorzeigequartier zu machen. Architektonisches Herzstück ist der 100 Jahre alte Speicher, der denkmalgerecht nach Originalplänen wieder aufgebaut wurde und mehr als nur eine Ladenzeile ist: Im Herbst sollen darin auch ein Ärztehaus mit 18 Praxen sowie eine Ballett- und Tanzschule eröffnen. Im östlichen Teil des Hafens entsteht außerdem noch ein „Kinderparadies“.

Die Mehrzahl aller Läden beherbergt ein großer Neubau entlang der Ordensmeisterstraße, dessen obere Etagen als Parkhaus mit 600 Stellplätzen dienen. Außerdem ist das Zentrum leicht über den benachbarten U-Bahnhof Ullsteinstraße erreichbar. Und am Ufer gibt es sogar 30 Schiffsanlegeplätze – wer mag, kann im eigenen Boot zum Shopping fahren. An den ersten Tagen lädt das Center zu Hafenrundfahrten auf einem Kutter ein, während auf einem weiteren Kutter Fischspezialitäten verkauft werden.

Bisher gibt es in Tempelhof-Schöneberg erst zwei Einkaufszentren: das Schloss-Strassen-Center am Walther-Schreiber-Platz mit 72 Läden und die Kaiser-Wilhelm-Passage mit 30 Geschäften. Der Tempelhofer Hafen ist stadtweit das 59. Einkaufszentrum – mindestens acht weitere sind noch in Planung. Eigentlich sollte auch neben dem Rathaus Tempelhof am Tempelhofer Damm ein Center entstehen, doch danach sieht es zurzeit nicht aus: Der Liegenschaftsfonds startete Mitte 2008 den dritten Versuch, einen Investor zu finden. „Die europaweite Ausschreibung läuft noch“, heißt es. Branchenkenner wie Nils Busch-Petersen vom Handelsverband nehmen an, dass die Chancen durch die Eröffnung am Hafen weiter gesunken sind.

Dort betonen die Investoren , dass sie mit Geschäftsleuten der Umgebung eine gute Nachbarschaft anstreben: „Wir grenzen uns nicht vom Tempelhofer Damm ab“, sagte Centermanager Dieter Simon. Und Christian Diesen von der Grundstücksgesellschaft der Bauherren wies darauf hin, dass viele der neuen Geschäfte „bisher so noch nicht in Tempelhof und der näheren Umgebung vertreten sind“.

Kritisch sieht die Entwicklung Jürgen Winkelmann von der Werbegemeinschaft Tempelhofer Damm: Das Center werde eine „Sogwirkung“ zu Lasten bestehender Geschäfte entwickeln. Weniger besorgt sind Mitglieder der Händlergemeinschaft Tema, die ebenfalls am Tempelhofer Damm aktiv ist. „Das Center ist vor allem eine Ergänzung“, sagt Sprecher Holger Wettingfeld. Im Rahmen des Geschäftsstraßenmanagements der bezirklichen Wirtschaftsförderung will der Verein mit den Mitbewerbern kooperieren.

Das Zentrum im Internet:

www.tempelhoferhafen.com

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