Wirtschaft : Bernhard kommt für Mercedes nicht in Frage Der frühere Zetsche-Kompagnon bleibt bei VW

Alfons Frese

Berlin - Erst die Chrysler Group sanieren und dann den ganzen Konzern auf Vordermann bringen – eine tolle Perspektive für Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard. Vor knapp fünf Jahren hatte Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp mit Zetsche und Bernhard zwei seiner besten Leute nach Detroit geschickt, um Chrysler zurück in die Spur zu holen. Das Duo harmonierte prächtig, Chrysler steht wieder gut da.

Doch während Zetsche inzwischen als Schrempps Nachfolger ausgerufen wurde, ist sein Kumpel Bernhard ein Haus weitergezogen und soll VW sanieren. Wenn der „Stern“ richtig liegt, dann muss er sich in Wolfsburg beeilen. Denn in gut einem Jahr, so schreibt die Illustrierte und beruft sich dabei auf angebliche Äußerungen Zetsches, soll Bernhard nach Stuttgart wechseln und Chef der Mercedes Car Group werden. Einen Posten, den Bernhard bereits im Frühjahr 2004 besetzen sollte. Doch damals kam alles ganz anders.

„Tja, Jürgen, shit happens.“ Mit diesem Satz des Vorstandsmitglieds Bernhard in Richtung des Vorstandsvorsitzenden Schrempp endete eine der viel versprechendsten Karrieren bei Daimler-Chrysler. Schrempp hatte gerade im Vorstand eine Abstimmung über das weitere Vorgehen bei der schwer kriselnden japanischen Tochter Mitsubishi verloren. Mit Schrempp hatten nur zwei von zwölf Vorstandsmitgliedern für eine Daimler-Milliardenhilfe an die Japaner plädiert, nämlich der damalige Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes und Strategievorstand Rüdiger Grube.

Seinen höhnischen Kommentar überlebte Jungstar Bernhard (damals 43 Jahre) nicht nur deshalb nicht, weil er Schrempp verärgerte. Vielmehr hatte sich der bereits nominierte Mercedes-Chef mit seinem Vorgänger Jürgen Hubbert und den Betriebsräten angelegt, indem er die Weltmarke als Sanierungsfall abstempelte und Hinweise auf sein künftiges Wirken gab: Unter dem Stern müsse „Blut fließen“, vernahm das Mercedes-Establishment mit Schrecken und stimmte gerne zu, als es um die Verhinderung Bernhards ging. Der einzige wichtige Daimler-Mann, der damals seinen Unmut über Bernhards Ende in Stuttgart artikulierte, war Zetsche. „Er verbindet sehr gute Kenntnisse des Autogeschäfts mit einem hohen Energieniveau und einer sehr großen Begeisterungsfähigkeit“, beschrieb Zetsche Bernhard. Der unterschrieb einen Vertrag bei VW, und bei Mercedes wurde der Schrempp-Vertraute und bisherige Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes neuer Boss.

Da Schrempp nun vorzeitig geht, hat auch Cordes keine Lust mehr – und Zetsche ist auf der Suche nach einem Mercedes-Chef. Bernhard kommt nicht in Frage. Die Vorbehalte der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat sind unverändert, doch gegen den Willen der Betriebsräte wird niemand Chef in Stuttgart. Zum anderen will Bernhard nach ganz oben, und da sind die Chancen in Wolfsburg besser als in Stuttgart. VW-Boss Bernd Pischetsrieder (57) ist sechs Jahre älter als der nächste Daimler-Chrysler-Chef Zetsche. Wenn Bernhard in den kommenden fünf Jahren die Marke VW nachhaltig aus den roten in die schwarzen Zahlen führt und mit neuen Autos überzeugt, ist er als Pischetsrieder-Nachfolger nicht zu verhindern.

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