Wirtschaft : Bildungsurlaub im Hörsaal

In Summer Schools der Berliner Unis können sich Schüler, Studenten, Senioren und Berufstätige weiterbilden

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Während viele Hörsäle ab Mitte Juli verwaist sind und Studenten und Professoren in den Semesterferien weilen, wird an den meisten Universitäten trotzdem gelehrt. Schüler, Senioren und ausländische Studenten nutzen die Ferienzeit, um in speziellen Veranstaltungen Uni-Luft zu schnuppern, daneben vertiefen Spezialisten und Studenten ihr Wissen in den Sommeruniversitäten und Summer Schools der Fachbereiche.

An der Freien Universität (FU) findet vom 30. August bis 7. September zum 25. Mal die Berliner Sommeruni statt. Das zeitgemäße Thema lautet in diesem Jahr „Aus der Gegenwart in die Zukunft – Krisenerfahrung als Chance“. „Dazu gibt es vormittags wissenschaftliche Vorlesungen und nachmittags vertiefende Seminare und Exkursionen. Abends stehen außerdem Kulturveranstaltungen wie Kabarett auf dem Programm“, sagt Jochen Denzin, Vorsitzender der Berliner Akademie.

Der Verein veranstaltet die Sommeruni abwechselnd an der FU, der Universität der Künste, der Technischen Universität und seit 1990 auch der Humboldt Universität (HU). Zwischen 400 und 500 Teilnehmer kommen in jedem Jahr, darunter viele ältere Erwachsene, die nicht mehr im Berufsleben stehen. „Unsere Teilnehmer sind an aktuellen wissenschaftlichen Themen Interessiert. Viele von ihnen sind als Gasthörer an den Unis eingeschrieben“, sagt Jochen Denzin.

Neben dem neuen Wissen, dass sie in der Sommeruni aufnehmen, sind auch die Kontakte zu anderen Teilnehmern ein Anreiz, weil sie zusätzlich Anregungen und Impulse liefern. Auch den Referenten, die kein Honorar, höchstens eine Aufwandsentschädigung bekommen, machen die Vorträge vor den interessierten Zuhörern Freude, weiß Jochen Denzin. Sie kommen nicht nur von der gastgebenden Universität, sondern reisen aus ganz Deutschland an. In diesem Jahr sprechen Wirtschafts- und Kulturwissenschaftler ebenso wie Biologen und Meteorologen.

Die Berliner Sommeruni ist natürlich nicht nur für Senioren gedacht. Auch Berufstätige sind willkommen, besonders Lehrer sind für Jochen Denzin eine wichtige Zielgruppe. Die Veranstaltung ist als Bildungsurlaub anerkannt. Anmelden kann man sich für den gesamten Zeitraum bis kurz vor Beginn bei der Berliner Akademie. Es gibt auch die Möglichkeit, tageweise teilzunehmen.

Viele Studenten aus den der ganzen Welt kommen in ihren Semesterferien an die Berliner Universitäten FU und HU. Seit 2001 bietet die Humboldt Universität Summer Schools mit themenbezogenen Sprachkursen und interdiziplinären Seminaren zu verschiedenen Themen an. Vom 16. bis 26. August gibt es zum Beispiel den Kurs „Metropolitan Studies“, in dem in Seminaren und auf Exkursionen Aspekte der Stadtentwicklung besprochen werden. Studierende, Postgraduierte und Doktoranden der Kultur- und Sozialwissenschaft, Architektur und anderer Disziplinen lernen dabei gemeinsam und können Credits für ihr Studium sammeln. Die Anmeldefrist ist zwar bereits verstrichen, aber wer sich per Email an die Organisatoren wendet, kann als Nachzügler noch einen Platz ergattern. 500 Euro kostet die Teilnahme. „Die Summer Schools sind eine gute Möglichkeit, Berlin und die Humboldt Universität kennenzulernen“, sagt Programmkoordinator Pierre Steuer. „Einige Besucher entscheiden sich dann später, für längere Zeit zu kommen, zum Beispiel um einen Master zu machen.“ In der Regel seien die Teilnehmer zwischen 20 und 25 Jahre alt, es gebe aber auch immer wieder Senioren, die ihre Deutschkenntnisse auffrischen wollten und sich für aktuelle Themen interessierten.

Ein vergleichbares Programm hat die Freie Universität. Es heißt Fubis und existiert seit 1998. „Unsere Zielgruppe sind vor allem Studenten der unteren Jahrgänge, also Undergraduates“, sagt Programmkoordinatorin Sophia Krause. Auf der Website kann man sich für verschiedene Seminare anmelden, zum Beispiel zu Themen wie „Berliner Architektur“ oder „Herausforderungen der Europäischen Union im 21. Jahrhundert“. Ein Seminar, das auch für deutsche Studierende interessant sein könnte, ist „America in the 21st Century“ (Amerika im 21. Jahrhundert). Es wird vom 17. Juli bis 14. August in englischer Sprache abgehalten und bietet einen Überblick zu aktuellen Themen der amerikanischen Politik und Gesellschaft. Die Teilnahme des Seminars kostet 800 Euro, zuzüglich einer Anmelde- und Organisationsgebühr von 250 Euro. Für das Besuchen der Lehrveranstaltung können sich die Teilnehmer Credits anrechnen lassen. „Deutsche Studierende sind auch als Tandem-Partner für unsere ausländischen Gäste willkommen, um gegenseitig die Fremdsprachenkenntnisse zu trainieren“, sagt Sophia Krause. Kontakte vermittelt das Fubis-Team kostenfrei.

Besonders für Studierende der südlichen Hemisphäre, die im Januar Sommerferien haben, gibt es sowohl an der HU als auch FU eine Winteruni. Die Anmeldungsfrist endet im November, beziehungsweise Dezember.

Schüler mit einem Interesse an Naturwissenschaften können an den Fachbereichen Chemie, Biologie, Geophysik, Physik, Informatik und Mathe der FU in den letzten zwei Wochen der Sommerferien eine Schnupper-Uni besuchen. „Vormittags gibt es Seminare und Experimentiergruppen und nachmittags von 15 bis 16 Uhr eine Vorlesung, die allen Interessierten offen steht, also zum Beispiel auch Eltern und Lehrern“, sagt Organisatorin Barbara Sandow. Dort erklärt zum Beispiel ein Physik-Dozent, wie wir Musik hören oder ein Biologe, wie sich in der Evolution Dinosaurier zu Vögeln entwickelten.

Die Teilnehmer können sich über ein Online-Formular ihre Kurse zusammenstellen, sie müssen nicht die gesamten zwei Wochen anwesend sein. „Besondere Vorkenntnisse müssen die Schüler nicht mitbringen“, sagt Barbara Sandow. „Sie sollten in der Sekundarstufe II sein, sich mindestens vor der Versetzung in die 10. Klasse befinden.“

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