Wirtschaft : Bombardier bricht sein Versprechen

Konzern liefert Talent-Züge später als geplant.

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Berlin - Der Eisenbahnhersteller Bombardier kann nicht wie zugesagt bis Jahresende 60 Exemplare des Regionalzuges Talent 2 an die Deutsche Bahn liefern. Nicht einmal halb so viele Fahrzeuge wird der kanadische Konzern bereitstellen. Auch Siemens kann die Schnellzüge vom Typ ICE 3/Velaro erst im kommenden Dezember liefern, statt wie vereinbart in diesem. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Bombardier, Siemens, der Bahn, Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am Donnerstag.

Für die Bahn-Kunden in Berlin und Brandenburg hat das unmittelbare Folgen: Auf fünf Regionalbahnlinien kann die Deutsche Bahn nicht wie geplant die neuen Talent-Züge einsetzen, sondern muss mit altem Material fahren. „Das bedeutet eine deutliche Komforteinschränkung“, sagte eine Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. Das Zugangebot oder die Pünktlichkeit seien aber nicht betroffen. „Kritisch wird es erst zur Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld am 3. Juni – dann brauchen wir die Züge unbedingt.“ Bombardier soll 48 Züge für die Linien liefern.

Ein Bombardier-Sprecher sagte, man werde der Bahn im Frühjahr Züge zur Verfügung stellen, damit sie ihre Lokführer schulen kann. Das Unternehmen erlebt seit zwei Jahren eine beispiellose Pannenserie mit den Talent-Zügen. 178 Stück sind bestellt, 100 Fahrzeuge bislang produziert – sie stehen aber auf Abstellgleisen rund um Berlin herum, weil sie Mängel aufweisen. Das EBA wollte sie lange Zeit nur mit Einschränkung zulassen – die Bahn bestand aber darauf, die Züge so zu bekommen wie bestellt. Im September hatte Bombardier Minister Ramsauer nach dessen Angaben zugesagt, 60 Fahrzeuge bis Jahresende zu liefern. Nun werden es 26 – davon werden 22 in Nürnberg eingesetzt und vier an der Mosel. Für die Bahn ist die Lieferverzögerung schmerzlich, weil ihr ohnehin Reservematerial fehlt – das führt vor allem im Winter zu Ausfällen. Sogar nach der Zulassung durch das EBA machte der Konzern bei Tests neue Schwachstellen aus.

Auf das dritte Geschäftsquartal von Bombardier hatte dies keinen Einfluss: Das Unternehmen, das seine Schienensparte von Berlin aus steuert, nahm 4,6 Milliarden Dollar ein, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Kasse blieb ein Gewinn von 301 Millionen Dollar, 6,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Rund die Hälfte des Geschäfts geht auf Züge zurück.

Auch Bombardier-Konkurrent Siemens hat Lieferprobleme. Ursprünglich sollte das Unternehmen die ersten Exemplare von 16 ICE-3-Zügen in diesem Dezember bereitstellen. Die Schnellbahnen sollten sowohl in Deutschland als auch in Frankreich fahren können. Siemens hat aber Probleme mit der Zulassung im Nachbarland. Deshalb sagte der Konzern der Bahn nun zu, bis Dezember 2012 „acht bis zehn Exemplare der Bahn zur Verfügung zu stellen“, wie ein Sprecher formulierte. Das Staatsunternehmen muss mithin die Züge nicht wie vereinbart bezahlen – das dürfte die Gegenleistung für die verspätete und eingeschränkte Lieferung sein.

Für die Bahn bedeutet das einerseits, dass sie die geplanten Strecken nach Frankreich und England vorerst nicht bedienen kann. Andererseits stockt sie ihre ICE-Reserve auf – derzeit fehlen ihr bis zu 18 Züge am Tag. Carsten Brönstrup

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