Wirtschaft : Das Desaster kostet BMW mehr als nur Geld (Kommentar)

Hendrik Bebber

Am Freitag hat die Rover-Belegschaft gelernt, was man in München unter dem Ausdruck "Übers Haxl hauen" versteht. Wie ein Paukenschlag traf es sie, dass Alchemy die Verkaufsverhandlungen mit BMW abbrach und diese wenig später eine Schließung von Rover in spätestens vier Wochen androhten. So sieht also das Krisenmanagement deutscher Führungseliten aus. Dass der "englische Patient" nicht auf ewig am Münchener Tropf hängen kann, haben die Briten ja noch akzeptiert. Zornig wurden sie erst wegen der schroffen Art, mit der BMW sich bei Rover verabschiedete. Während es Siemens gelang, klammheimlich in Nordengland sein Halbleiterwerk mit Tausenden Arbeitsplätzen stillzulegen, brüskierten die Bayern Regierung, Gewerkschaften und die Öffentlichkeit. Doch das Desaster in München offenbart nicht nur das Ungeschick von BMW-Chef Joachim Milberg auf internationalem Parkett. Es hat auch eine rein bayerische Komponente. Der Rover-Ausflug kostet BMW täglich Millionenbeträge. Waghalsig, wenn nicht gar fahrlässig ist es, in einer solchen Situation Verkaufsverhandlungen nur mit einem einzigen Interessenten zu führen - zumal Alchemy nicht allzu viel dazu beigetragen hat, das Vertrauen in sein Rover-Konzept zu stärken. Milberg sitzt jetzt vor einem Scherbenhaufen. Der Gesichtsverlust und weitere finanzielle Einbußen stören das Image von BMW erneut. Und werfen am Ende die Frage auf, ob nun nicht Milberg selbst "übers haxl gehauen" wird.

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