Energie sammeln in der Mittagspause : Fitness statt Kantine

Die Mittagspause kann man auch anders verbringen als Essen zu gehen. Was in Berlin alles möglich ist.

von und Verena Wolff
Mit Elan. Wer mittags tanzt, sammelt Energie für die zweite Hälfte des Arbeitstages.
Mit Elan. Wer mittags tanzt, sammelt Energie für die zweite Hälfte des Arbeitstages.Foto: picture alliance / dpa

Der Gang in die Kantine ist für viele Angestellte ein Ritual in der Mittagspause. Doch immer ähnliche Gerichte zu essen, kann auf Dauer langweilig und ständiges Selbstmarketing von Kollegen anstrengend sein. Daher nutzen nicht wenige die Mittagszeit, um etwas für sich zu tun: Sie gehen spazieren, ins Fitnessstudio, halten ein Nickerchen, lernen eine Fremdsprache – oder besuchen eine Kirche. Was man in der Hauptstadt alles machen kann, um Energie zu tanken für die zweite Hälfte des Arbeitstages.

SPORT TREIBEN

Ob Spazierengehen im Park, eine Joggingrunde an der Spree oder eine Radtour entlang des Mauerwegs: Dem Bewegungsdrang sind keine Grenzen gesetzt.

Und: Warum nicht statt nach Feierabend mittags ins Fitnessstudio gehen? Es gibt eine Reihe von Mittagskursen, die 30 Minuten dauern, wirbt etwa McFit-Sprecherin Hannah Beckmann. Die kann man sehr gut in der Pause absolvieren, in fast allen Studios im Zentrum. Auch das „Express Workout“ biete sich an, ein Kraftausdauertraining an zehn Geräten, die, wie beim klassischen Zirkeltraining, in einem Kreis aufgebaut sind, erklärt sie. An jedem Gerät wird eine Minute trainiert.

Auch bei Fitnessfirst kann man in der Mittagspause Sport treiben. „Der Trend nimmt zu“, sagt Sprecherin Sirin Emre. Bodyfit, Yoga, Rückentraining, Pilates oder Aerobic, zählt sie die Angebote auf.

www.mcfit.com/de/studioergebnisse.html

www.fitnessfirst.de/

NICKERCHEN MACHEN

In Japan, den USA und England sind sie weit verbreitet – in Deutschland gibt es erst einen öffentlichen Schlafraum. Nickerchen heißt der Laden von Irina Ivachkovets in der Berliner Zimmerstraße in der Nähe vom Checkpoint Charlie. „Hierher kommen Menschen aus den umliegenden Büros, um mittags gemütlich ein paar Minuten zu schlafen“, sagt sie. Sich hinzulegen, kostet bis 15 Uhr acht Euro für 20 Minuten.

Wer keinen Schlafraum um die Ecke hat, kann es mal mit einem Nickerchen im Büro versuchen. Einfach den Kopf auf den Schreibtisch legen oder sich entspannt auf den Bürostuhl setzen. Um das richtige Maß an Schlaf zu finden, nimmt man am besten einen Schlüsselbund in die Hand, rät Bettina Geißler. Sie ist Coach in Norderstedt bei Hamburg. Schläft man richtig ein, entspannt die Hand, er fällt herunter – und man wird wach.

www.nickerchen-berlin.de/

SPRACHEN LERNEN

Egal, ob mit Karteikarten zum Selbststudium oder mit einem Sprachkurs auf CD: Die Pause bietet sich zum Vokabellernen an. Dazu müssen Berufstätige nicht unbedingt in eine Sprachschule vor Ort gehen, sagt Birgit Metzger, Marketing-Managerin bei Berlitz. „CyberTeachers ist ein Online-Selbstlernprogramm, bei dem die Inhalte individuell auf den Teilnehmer zugeschnitten sind – in 20 Kernbranchen und 218 Berufsprofilen.“

Auch Sprachschulen wie Inlingua oder regionale Anbieter haben E-Learning-Programme, die jeder Schüler in seiner Mittagspause bearbeiten kann.

www.berlitz.at/de/sprache_lernen/eberlitz/cyberteachers-live/

www.inlingua.de/unser-angebot/e-learning.html

BETEN

Zwölf Minuten Ewigkeit – so sind die Kurzgottesdienste überschrieben, bei denen Berufstätige in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche im blauen Dämmerlicht Orgelmusik und Worten aus der Bibel lauschen können. Montags bis freitags um 13 Uhr kann man hier kurz Innehalten in seinem Tagesfluss und sich auf die meditative Reise mitnehmen lassen. Freitags steht ein „Versöhnungsgebet aus Coventry“ an, das am Nagelkreuz in der Gedenkhalle des Alten Turms gehalten wird. Auch der Berliner Dom bietet kostenlose Mittagsandachten an.

www.foyer-online.de/andachten_.html

www.berlinerdom.de/content/view/97/164/lang,de/#a

KAMMERMUSIK HÖREN

Kammermusik in der Mittagspause, das steht an jedem Dienstag um 13 Uhr in der Berliner Philharmonie auf dem Programm. Bestritten wird das 40- bis 50-minütige Lunchkonzert von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und Stipendiaten der Orchester-Akademie, von Instrumentalisten des Deutschen Symphonie-Orchesters und der Staatskapelle Berlin sowie von Studierenden der Berliner Musikhochschulen. Neben der Musik gibt es ein Catering, für das aber zu zahlen ist.

www.berliner-philharmoniker.de/konzerte/lunchkonzerte/

TANZEN

Die Idee, mittags Disco zu machen, kommt aus Stockholm, berichtet der DJ-Event-Moderator Ola. Ein paar Wochen lang konnten auch Berufstätige in Berlin in ihrer Pause tanzen gehen. Doch die regelmäßigen „Lunchbeats“ wurden hier wieder abgeschafft. Heute können Firmen Lunchbeats buchen, um ihre Mitarbeiter mittags in Schwung zu bringen. „Das macht hellwach und kurbelt die Kreativität an“, verspricht Ola.

Auch Unternehmen wie die Otto Group in Hamburg bieten die Pausendisco für Mitarbeiter an. Beim Beat Box oder Sounds Unplugged könnten sich die Kollegen von einer anderen Seite kennenlernen, sagt Kristina Drews, Mitarbeiterin in der Hamburger Konzernzentrale.

www.lunchbeat-berlin.info/

FLOATEN ODER MASSIEREN LASSEN

Wer keine Lust auf soziale Kontakte hat, für den mag Floating oder eine Massage das Richtige sein. Bei Syogra Jade in der Großbeerenstraße etwa kann man sich in eine Kabine zurückziehen und in Kleidern auf eine Jadesteinliege legen. „Sehr entspannend. Die meisten schlafen dabei ein“, verspricht eine Mitarbeiterin. 20, 30 oder 40 Minuten kosten 6, 8 beziehungsweise 10 Euro. Oder man geht zum Floaten am Hausvogteiplatz. Dort kann man im Salzwasser bei 34,8 Grad Celsius vor sich hintreiben. 60 Minuten Floaten kostet allerdings auch 65 Euro. dpa/Tsp

http://syogra-berlin.com/

http://float-berlin-mitte.de

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