EU-Krise : Staatspleiten sind kein Grund zur Sorge

Seit Jahrhunderten geht Regierungen regelmäßig das Geld aus. Auch Griechenland ist nicht das erste Mal betroffen. Aber bisher ist es immer gut gegangen. Müssen wir uns dennoch Sorgen machen? Diskutieren Sie mit.

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huEine Statue ohne Kopf an der Akropolis in Athen. Angesichts der schweren Schuldenkrise scheinen Griechenlands Politiker nicht nur den zu verlieren. Schulden von gut 350 Milliarden Euro drücken die öffentlichen Kassen. Hellas droht der Staatsbankrott. Aber sie sind nicht die Einzigen, die die Furcht vor dem drohenden Ende kennen. In der Geschichte  gab es schon so manche Staatspleite. Foto: ddpAlle Bilder anzeigen
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22.06.2011 11:48huEine Statue ohne Kopf an der Akropolis in Athen. Angesichts der schweren Schuldenkrise scheinen Griechenlands Politiker nicht...

Staatspleiten sind kein Weltuntergang. Staatliche Insolvenzen hat es in der Geschichte regelmäßig gegeben und im Vergleich zu Phillip II. in Griechenland im 16. Jahrhundert ist Giorgos Papandreou ein Musterschüler. Nicht weniger als dreimal führte er zwischen 1556 und 1598 Spanien als König in den Bankrott. Er galt als kriegslüsterner Herrscher und zog gegen England, Frankreich, das Osmanische Reich und die Niederlande zu Felde. Dazu benötigte er eine umfangreiche Flotte, die Armada – das kostete. Insgesamt 13 Mal ging dem einstigen Weltreich das Geld aus. Nicht viel besser machten es die französischen Regenten: Achtmal steuerten sie ihr Reich in den finanziellen Ruin, wegen ihrer Leidenschaft für das Militär und das Luxusleben. Abbé Terray, Finanzminister zwischen 1768 und 1774, befand, eine Staatspleite alle hundert Jahre sei nicht schlimm. Mitunter ließen die Monarchen ihre Kreditgeber sogar kurzerhand exekutieren, um sich lästiger Schulden zu entledigen.

Ein Privatmann oder ein Unternehmer gilt als bankrott, wenn er nicht mehr zahlen kann – eine Regierung, wenn sie nicht mehr zahlen will. Pleite ist ein Staat, wenn er fällige Schulden später als vereinbart, nur zum Teil oder gar nicht mehr bedient. Anders als eine Firma verschwindet er aber nicht vom Erdboden, wenn er sich finanziell übernommen hat. Die Straßen und Schulen eines Landes, die Bodenschätze und Unternehmen, die Bürger und ihre Kaufkraft gibt es weiterhin. Staatspleiten enden meist mit einem Vergleich – Zinsen werden reduziert, die Fälligkeit hinausgeschoben, ein Teil der Schuld erlassen. Für Kapitaleigner bleiben Länder daher auch dann interessant, wenn sie sich wiederholt als unzuverlässig erwiesen haben. Das erklärt, warum etwa der Serienpleitier Spanien von den finanzkräftigen Fuggern aus Augsburg immer wieder Geld bekam: Über die Jahre lässt sich auch mit unsicheren Kantonisten gut verdienen.

Auch die Deutschen taugen nicht zum Vorbild. Auf dem Gebiet des Reichs mussten im 19. Jahrhundert Preußen, Westfalen, Kurhessen und Schleswig-Holstein jeweils den Bankrott eingestehen, vor allem infolge der Napoleonischen Kriege. Und nach den Währungsreformen von 1923 und 1948 wurden alle Schulden Deutschlands wertlos – auch das ist eine Form der Staatspleite. Genau genommen war zudem die DDR seit den siebziger Jahren zahlungsunfähig, wurde aber mit Milliardenkrediten vom Westen gepäppelt.

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